Bielefeld. Zwei Tüten, vollgepackt. Für Britta Unger war der Einkauf ein voller Erfolg. "Ich habe heute frei und war shoppen, da habe ich gesehen, dass bei Schlecker alles reduziert ist." Für die Drogerie-Kette haben die letzten Tage begonnen. Gestern ist deutschlandweit und in den 80 verbliebenen ostwestfälischen Filialen der Ausverkauf angefangen. In Bielefeld sorgen Preisnachlässe von bis zu 50 Prozent für lange Warteschlangen.
Kira Hower schlendert langsam durch die Filiale am Jahnplatz und sucht nach Schnäppchen. "Ich bin schon lange Kundin bei Schlecker", sagt sie. "Diese Filiale liegt praktischerweise richtig zentral." Der Andrang sei zwar groß, aber sie schaue einfach, was noch zu holen ist. Artikel wie Waschmittel, Toilettenpapier oder Shampoo sind um 30 Prozent reduziert, ausgewählte Produkte kosten nur noch halb so viel. Viele Regale sind bereits leer.
Etwa 40 Kunden bilden zwei lange Schlangen vor den Kassen. Es geht nur langsam voran. "Ich warte jetzt schon seit 15 Minuten", sagt ein Kunde, "und ich bin erst ein paar Schritte vorangekommen." Aber das nehme er in Kauf. "Schließlich spare ich auch einiges." Die beiden Kassiererinnen haben alle Hände voll zu tun. Sie blicken kaum hoch, scannen einen Artikel nach dem anderen, kassieren.
"Haben Sie morgen auch noch geöffnet?", will eine Kundin wissen. "Ja, aber neue Ware bekommen wir nicht mehr", lautet die knappe Antwort. Der frustierte Unterton ist deutlich herauszuhören. In den kommenden Tagen sollen die Preise weiter reduziert werden - je nach Fortschritt des Abverkaufs.
Auch Oliver Belajac stöbert in den Regalen. "Übers Radio habe ich vom Ausverkauf gehört." Das schleichende Ende des Konzerns hat er verfolgt. "Mir tun die Mitarbeiter leid - auch, dass wir Kunden von ihrer Situation dank der Rabatte profitieren."
In einer anderen Bielefelder Filiale sei bereits am Morgen "der Teufel los gewesen", so die Verkäuferin. Sie arbeitet schon viele Jahre für Schlecker und möchte anonym bleiben. "Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass einige Standorte überleben werden." Nun schließen aber auch die letzten Filialen Ende Juni . "Furchtbar." Wie es für sie weitergehen soll, weiß sie noch nicht. Den Vorschlag von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen findet sie "blöd". Demnach sollen sich die Mitarbeiter zu Altenpflegern oder Erziehern umschulen lassen. "Für mich keine Perspektive, die bekommen doch nur Hungerlöhne."
Lisa (16) wird Schlecker in der Nähe ihres Zuhauses vermissen. "Es war immer praktisch, schnell hinüber zu gehen und das Wichtigste einzukaufen."