Bielefeld. Die GEMA will die Gebührenhöhe für Musiknutzung in Diskotheken an die Eintrittspreise koppeln. Die Clubbesitzer laufen dagegen Sturm, auch in Bielefeld. Sie setzten jetzt auf eine Online-Petition. In der Disko sammeln sie Unterschriften - denn sie sehen ihre Existenz bedroht.
Die Clubbesitzer und Partyveranstalter befürchten finanzielle Einbußen bis hin zum Ruin, wenn sie die für das Abspielen von Musik fälligen Abgaben nach den neuen Tarifen bezahlen müssen. "Dann könnten wir den Laden dichtmachen", sagt Stereo-Geschäftsführer Ivo Klumpp. Er hat errechnet, dass seine Abgaben dann künftig von 17.000 Euro auf mehr als 100.000 steigen würden.
Die GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) hatte angekündigt, ab 2013 ihre Tarifstruktur zu verändern. Künftig will sie sich an der Größe der Veranstaltung und dem Eintrittsgeld orientieren. Statt bislang elf Kategorien soll es nun zwei Tarife geben, die zwischen Livemusik und Musik vom Tonträger unterscheiden. Bislang orientieren sich die Beiträge an der Größe des Lokals und pauschal in zwei Stufen nach der Anzahl der Öffnungstage.
Diskotheken-Besitzer in Bielefeld wehren sich gegen erhöhte Gema-Gebühren mit Unterschriften-Petition. Würden Sie unterschreiben?
Die neue Regelung bringt auch Stereo-Mitarbeiter Kevin Rackstraw auf die Palme. Er ruft jetzt dazu auf, im Internet eine Online-Petition zu unterstützen, auch in der Disko geht er auf Unterschriftenfang. "Die GEMA hat ihr Augenmaß verloren", sagt er. "Es stehen Jobs auf dem Spiel." Samstags gibt es in der Disko am Boulevard jetzt Info-Stände. Mehrere hundert Unterschriften sind bereits zusammengekommen. Die Unterstützung von Klumpp hat er. Der wünscht sich, dass jetzt auch die Bielefelder Politik aktiv wird. "Vielen ist noch nicht bewusst, worum es eigentlich geht." Er spricht von einem "Totalausfall", wenn die Gebühren erhöht würden.
Dehoga-Geschäftsführer Thomas Keitel ist sich sicher: "Wenn die neue Regelung eins zu eins umgesetzt wird, wäre das das Aus für viele Clubs." Er hat jetzt einen Brief an die Bielefelder Bundestagsabgeordneten geschrieben. "Die Politik muss sich damit auseinandersetzen."
15 Bielefelder Betriebe seien von der starken Gebührenerhöhung betroffen. Kleine Veranstaltungen mit bescheidenem Eintritt werden entlastet, die meisten aber würden draufzahlen, sagt Klumpp.
Auch Café-Europa-Chef Sascha Berg befürchtet deutliche Mehrkosten. Er hat schon nachgerechnet, was auf ihn zukommen würde: "Derzeit bezahle ich pro Jahr 13.939,40 Euro an die GEMA, nach der neuen Gebührenordnung wären es 81.545,49 Euro." Grundlage der GEMA-Berechnung sind die Größe der Disko von 400 Quadratmetern sowie der Eintrittspreis von sechs Euro. Die Kosten auf die Gäste umzuwälzen mache keinen Sinn: "Dann würden die GEMA-Gebühren noch höher." Er will jetzt seine Gäste über Facebook auf die Petition aufmerksam machen.
Movie-Geschäftsführer Volker Skopp könnte mehr Glück haben. "Vermutlich müssten wir bei einer Neuregelung nicht draufzahlen", sagt er. Grund seien die "niedrigen" Eintrittspreise von 2,50 bis 3,50 Euro. "Für andere könnte es aber dramatisch werden", sagt er.
Die GEMA hält ihre neue Gebührenordnung für sehr viel gerechter und hat inzwischen ein Schiedsverfahren beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) beantragt. "Wir sind überzeugt, mit der neuen Tarifstruktur den richtigen Weg eingeschlagen zu haben", sagt GEMA-Vorstandsmitglied Georg Oeller.
Online-Petition läuft noch
Innerhalb von zwei Monaten hat die Online-Petition "Gegen die Tarifreform 2013 - GEMA verliert Augenmaß" mehr als 113.000 Unterzeichner für sich gewonnen.
Gestartet wurde die Petition gegen die neue GEMA-Tarifstruktur für den Veranstaltungsbereich von Matthias Rauh, dem Inhaber der Event-Agentur "giga event" in Neustadt im Harz, in Absprache mit der Bundesvereinigung der Musikveranstalter.
Mit der Petition will der Eventmanager den "öffentlichen Druck auf die GEMA erhöhen".
Die Online-Petition läuft noch knapp vier Monate.
Weitere Infos gibt es unter
www.openpetition.de/petition/online/gegen-die-tarifreform-2013-gema-verliert-augenmass