Großbrand: Recyclingfirma verstieß lange gegen Auflagen / Hohe Kosten für die Stadt
Bielefeld. Immer mehr verdichten sich die Anzeichen, das der Großbrand auf dem Gelände der Recycling-Firma Kriehme gelegt worden ist. Es soll zwei verschiedene Brandherde vor der Halle gegeben haben. Ein Beweis für Brandstiftung sei das aber noch nicht, betonte gestern Bernd Heißenberg von der Feuerwehr. Angesichts der hohen Entsorgungs-Kosten, auf denen die Stadt nun sitzen bleibt, dürfte aber auch der jahrelange Kampf der Behörden gegen zahlreiche Verstöße der Firma verwundern.
Umweltdezernentin Anja Ritschel sprach gestern vor der Presse von den "Nachwehen des Großbrands". Denn nun ist sicher: Der Inhaber der Firma kann die Entsorgung des verbrannten Plastikmülls nicht stemmen. Eine Feuerschutzversicherung habe er nicht und diese sei genauso wenig verpflichtend wie eine Haftpflichtversicherung, so Ritschel. Das sei sehr unbefriedigend. Zusammen mit der Bezirksregierung wolle man deshalb künftig eine generelle Lösung finden.
Martin Wörmann, Leiter des Umweltamtes, bestätigt: "Ab morgen lassen jetzt wir alles zur Müllverbrennungsanlage transportieren und dort entsorgen. Wir reden insgesamt von 2.500 Kubikmetern Kunststoffmüll." Allein die Entsorgung des Mülls und der Abtransport des kontaminierten Löschwassers werde etwa 175.000 Euro kosten. Hinzu komme noch die Entsorgung des Wassers durch das Klärwerk sowie mögliche Abbruchkosten auf dem Gelände.
Laut Wörmann hatte die Firma seit 2002 eine Genehmigung für Lagerung, Behandlung und Umschlag von Abfällen, mit einer maximal zulässigen Lagermenge von 350 Tonnen. Nach dem Brand schätzten Experten die Müllberge Am Strebkamp auf gut 1.000 Tonnen.
Das Erstaunliche: Das Problem war bereits seit August 2004 bekannt. Seitdem verfolgte die Bezirksregierung und seit 2009 auch die Stadt verschiedene Ordnungswidrigkeiten:
"Geruchsbelästigungen, Überschreitung der Lagermenge und die Verweigerung einer Sicherheitsbürgschaft", so Wörmann. Auch nach der Insolvenz 2009 hatte der Irrsinn kein Ende: Der Inhaber hatte die alte Betriebsgenehmigung faktisch unverändert von der insolventen GmbH übernommen. Eine neue Genehmigung musste also nicht ausgestellt werden.
Im Februar wurden schließlich von der Feuerwehr weitere Versäumnisse aufgedeckt - etwa eine Brandmeldeanlage, die nur in der Halle anschlug und den Brand erst meldete, als die Feuerwehr draußen längst gegen meterhohe Flammen kämpfte.
Alle Ordnungsverfügungen und Zwangsgelder waren bis dahin folgenlos geblieben: "Die Firma hat konsequent alle Fristen und Rechtsmittel ausgeschöpft", so Wörmann. Erst am 30. Mai 2012 habe das Verwaltungsgericht Minden zwei Klagen wegen der Sicherheitsleistung und zu großer Abfallmengen endgültig abgewiesen. "Damit haben wir jetzt eine gültige Ordnungsverfügung", so Wörmann, "aber leider zu spät." Das Firmengelände war zwei Tage zuvor in Flammen aufgegangen.
Ritschel sprach selbstkritisch von einem schwierigen Betrieb, bei dem vieles hätte besser laufen können. Die Frage, warum die Behörde so lange tatenlos geblieben ist, sei berechtigt. Letztlich habe man sich "die Zähne ausgebissen", gab Ritschel zu.