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05.07.2012
BIELEFELD
Wenn Lehrer und Schüler über Facebook kommunizieren
Die Regeln der Freundschaft
VON SANDRA SPIEKER UND CARMEN PFÖRTNER

Er hat Regeln | FOTO: CAP

Bielefeld. Den Lehrer als Freund? Früher undenkbar. Aber Facebook hat auch das verändert: Längst haben Schüler in dem sozialen Internet-Netzwerk auch ihre Pauker in die "Freundeslisten" aufgenommen. Umgekehrt nutzen auch Lehrer das Netzwerk, geben Tipps für Referate oder posten Pläne fürs Klassenfest. Solche Freundschaften haben Vorteile, können beiden Seiten aber auch Probleme bereiten.

Wenn Ellen Balsmann (Name geändert) ein Bild postet, schauen etwa 60 ihrer Schüler zu, klicken "Gefällt mir" oder kommentieren. Die Englischlehrerin gewährt ihren Schützlingen vollen Einblick in ihr Online-Privatleben. "Ich möchte einfach echt sein und mich nicht von meinen Schülern abschotten", sagt die 34-Jährige aus Bielefeld.

Dass die Heranwachsenden manchmal mit privaten Problemen zu ihr kommen, ist für sie Beleg dafür, auf dem richtigen Weg zu sein. "Auch Lehrer sind schließlich Menschen." Eine Grenze zieht sie dann aber doch: Party- und Urlaubsbilder lädt sie nicht hoch. "Das ist die Privatsphäre, die ich mir gönne."

Auf seine Privatsphäre und die seiner Schüler achtet Mathias Lemm, Lehrer des Bielefelder Ratsgymnasiums. Sein Facebook-Account "Lehrer Lemm" dient ausschließlich der Kommunikation mit Schülern. Private Kontakte betreut er dort nicht, "das habe ich meinen Schülern versprochen, um auch ihre Privatsphäre zu achten", sagt der 31-Jährige. Selbst sei er dort nicht viel aktiv.

Sind die Tests schon korrigiert?

Fragen seiner Schüler ("Sind die Tests schon korrigiert?", "Müssen wir zu den Bundesjugendspielen?") beantwortet der Lehrer online. "Alle weiteren Infos und Absprachen gehören aber in die Schule", sagt Lemm.

Facebook-Freundschaften zwischen Lehrern und Schülern – heutzutage keine Seltenheit. 29 Prozent der deutschen Lehrer sind im Netzwerk auch mit Schülern befreundet, ergab eine Studie des Softwareherstellers Sy-mantec. Kritiker sehen darin Gefahren.

Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung, warnt vor einem Verwischen der Grenze zwischen Schüler und Lehrer. Er fordert die Schulen auf, einen klaren Verhaltenskodex für Lehrer und Schüler zu erstellen. "Für den Kontakt bei Facebook sollten die gleichen Regeln gelten wie in der realen Welt. Das Verhältnis von Nähe und Distanz sollte klar definiert und Berufliches von Privatem getrennt werden", sagt Rörig.
  Auch die Verantwortlichen des Evangelischen Stiftischen Gymnasiums Gütersloh, eines der Vorreiter in Sachen Schule und Computernutzung, sehen Facebook kritisch. "Wir haben bei einer Konferenz die Empfehlung ausgesprochen, dass Lehrer dort keine Freundschaften mit Schülern pflegen sollten", sagt Michael Kerber, Vertreter von Schulleiter Friedhelm Rachner. "Die Kommunikation ist bei Facebook eine völlig andere, als wir sie professionell im Unterricht betreiben", so Kerber.

Freundschaften mit Lehrern komisch

Auch Schüler selbst finden virtuelle Freundschaften mit ihren Lehrern manchmal komisch. "Das muss schon zu dem Lehrer passen", sagt Clemens Koepke. Der 13-Jährige, der die Friedrich-v.-Bodelschwingh-Schulen in Bielefeld besucht, ist mit Lehrern befreundet. Aber nicht, um Organisatorisches zu besprechen.

"Eigentlich spreche ich mit ihnen gar nicht bei Facebook", sagt der Schüler. Trotzdem gehöre Facebook – je nach "Coolness" der Lehrkraft – heute dazu. Ein Lehrer nutze die Plattform beispielsweise, um Umweltprojekte publik zu machen. "Um Sachen zu besprechen, ist aber der Unterricht da", gibt Pauline Erpenbeck (13) ihrem Mitschüler recht.

So sieht das auch Dorothea Bratvogel, Schulleiterin des Bielefelder Ceciliengymnasiums: "Schüler könnten sonst benachteiligt werden, weil sie nicht bei Facebook angemeldet sind." Ihre Kollegen beschränkten sich auf E-Mail-Verteiler zur Weitergabe von Informationen. Eine Mailadresse habe heute jeder.
Ganz anders geht das Thema die Anne-Frank-Gesamtschule in Gütersloh an. Um Facebook wegen seiner fragwürdigen Datenschutzrichtlinien zu umgehen, kommunizieren Lehrer und Schüler über die Lern-Plattform "Moodle", eine Software, die einem sozialen Netzwerk gleicht, mit einem eigenen Avatar für die Teilnehmer. Und die nächste Grillfete kann so auch besprochen werden.

Kommentare
@OH GOTT
Vielleicht hätten Sie sich besser mal mit Ihren Lehrern vernetzen sollen, dann hätte es evtl. mit der Rechtschreibung geklappt...

Traurig ist eher, dass grundsätzlich immer alles verteufelt wird, was man selbst nicht nutzt, statt einen sinnstiftenden und vernünftigen Umgang mit zeitgemäßen Kommunikation zu fördern und zu vermitteln.
Je lauter geschrien wird ( so deute ich mal die unsinnige Großschreibung), desto weniger Ahnung vom Thema unterstelle ich und desto argumentationsleerer sind die Beiträge.

Dass ist traurig...

@Hausmeister Krause: Ja, ja früher war alles besser. Da wurde noch mit der Peitsche dafür gesorgt, dass man ein anständiger Mensch wurde. Da hatten die Schüler noch Angst vor ihrem Lehrer. Entsetzlich, dass es heutzutage Lehrern gelingt, guten Unterricht und ein gutes gegenseitiges respektvolles Verhältnis aufzubauen. Nein, der Rohrstock muss wieder her, das waren noch Zeiten! :-DD

Mit meinen selbst erst 20 Jahren käme ich im Traum nicht auf die Idee, Lehrkräfte, Dozenten (oder wie auch immer) bei Facebook zu "adden".
Obgleich ich viel Wert auf meine Privatsphäre lege, bezogen auf den allgemeinen Inhalt, den ich auf Facebook "poste" oder kommentiere (sprich: kein Blödsinn, keine Dinge, die in irgendeiner Form meine Privatsphäre einschneiden und/oder meinen Ruf massiv schädigen könnten), sehe ich die Gefahr, gerade in der Erwachsenenbildung, durch geteilte Bilder oder Äußerungen von seinen Lehrkräften im Vorfeld im Sympathielevel hoch- oder runtergestuft zu werden, stereotypisiert zu werden; was, wie ja mitlerweile bekannt sein sollte, durchaus den Umgang in der realen Welt maßgeblich beinflussen kann.
Banales Beispiel: Angegeben ist die bis dahin unverfängliche, politische Gesinnung "linksliberal" o.ä., doch wird sie vom konservativen Lehrkörper aufgeschnappt entwickeln sich schnell Assoziationen á la "Zecke", "Sozischwein", "Naives Ding", etc. pp.
Ähnlich bei musikalischen oder religiösen Präferenzen.
Zumal - völlig unabhängig davon - meine beruflichen Kontakte Fotos meiner Katze auf dem Wohnzimmerteppich bestimmt auch nicht interessieren.
Die Variante des "splittens" von privaten und beruflichen Kontakten hingegen finde ich durchaus sinnvoll, Kommunikation wird erleichtert und "Vitamin B" hat schließlich noch nie geschadet. ;-)

Ich finde die Entwiklung der Kommunikation zwischen Lehrer und Schüler über soziale Netzwerke, E-Mail ect.
sehr positiv! Dabei ist von der Lehrkraft selbst einzustufen, wie er diesen Kontakt handhabt!

Für die schüler eröffnen sich dadurch wesentlich neue Möglichkeiten zum lernen, gemeinsamen lernen, ideen austausch und vieles mehr!

Einen weiteren wichtigen Aspekt sehe ich darin das Schüler gezieht bei Problemen sich an die Lehrkraft wenden können weil im Internet ist immer eine gewisse Distanz außerdem, so finde ich, fällt es leichter über seine Probleme zu schreiben als zu reden. Ich denke man fühlt sich dann nicht mehr so wie das Kaninchen vorm Berg...

Das Ziel sowohl für die Schüler als auch dem/die Lehrerin ist der Lernerfolg und ich finde diese Art der Kommunikation trägt sehr positiv daz bei!

Anstatt den KIndern und Jugendlichen Wissen zu vermitteln spielen die "Leerer" heute lieber im Internet auf Facebock um so ihr Zeit rumzubekommen.
In was für Zeiten leben wir und wie schlimm werden die noch werden, kommt demnächst die komplette Verblödung durch diese "Leerkörper"?
Respekt und Anerekennung holen sich diese "Leerkörper" nicht mehr ducrh Wissen und Erziehung der Schüler sondern nur noch so das sie versuchen den Schülern nachzuäffen und sich somit zu deren Clowns machen. Was für eine kranke Welt, kein Wunder das unsere Schüler verblöden.



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