Bielefeld. Frauen wie Engel und Männer wie Krieger gab es zwar auch zu sehen bei den Modenschauen der Bielefelder Fachhochschule. Doch die Studierenden und Diplomanden lösten mit den meisten ihrer Kreationen bestehende Rollenklischees auf.
Männer mit pinkfarbenen Tuniken, Frauen in Jacken mit kastenförmig aufgeplusterten Schultern. Einer der Vorführherren trägt ein Shirt mit aufgedrucktem BH vor der Brust, ein anderer gibt durch eine großzügige Öffnung auf der Vorderseite seiner Jacke den Blick aufs Sixpack frei.
Frech und häufig auch provozierend muten die gut 100 Outfits an. In einem Schnelldurchlauf von knapp einer Stunde führen sie die eigens für diesen Anlass gecasteten Amateurmodels im Lenkwerk vor.
Sie zeigen, dass Mode nicht unbedingt der verbreiteten Vorstellung entsprechend schön sein muss. Mode ist mehr, ist auch "Störung, Unterscheidung, Wut", wie es im Programmheft zur Schau nachzulesen ist.
Schwer zu schleppen hat so manches hochgewachsene Model während der insgesamt vier Schauen. Etwa mit dem Gewand in Bodenwischer-Länge, das über und über mit Holzschuppen besetzt ist, oder mit dem Hängerchen, durch dessen Stoff unzählige Metallnadeln pieksen.
"Once upon a time" hat die Studentin Theresa Schmidt diese Kollektion genannt. "Frauen sollen ihren Körper neu spüren und kennenlernen", erläutert die Nachwuchsdesignerin. Mit dem Gewicht ihrer Outfits will sie das erreichen.
Diskret bis offenherzig fällt so manches Teil dank seiner raffinierten Einschnitte aus. Mal blitzt ein Streifen Haut durch, mal verzichtet eine der Kreativen völlig aufs Oberteil. Stattdessen lenken je zwei über Kreuz geklebte Pflaster den Blick auf die Brüste.
"Mode ist untragbar" heißt es auch im Video, das zeitgleich auf der Wand über dem Laufsteg zu sehen ist. Das zu glauben, fällt angesichts der oft eingesetzten sperrigen Materialien wie Metall und Holz nicht schwer.
Mit der Verleihung des Bielefelder Modepreises gestern am späten Abend endete die letzte der vier Schauen. Die Gewinner standen bei Redaktionsschluss noch nicht fest.
Dies gilt übrigens nicht nur für eine provinzielle Modenschau à la Bielefeld, sondern auch für die großen Modenzentren wie Paris oder London.