In Bielefeld ist genau festgelegt, wie eine Hausnummer an Gebäuden auszusehen hat
Bielefeld. Jedes Haus, das in einer deutschen Stadt an einer öffentlichen Straße steht, hat eine eigene Hausnummer. Und wie der Begriff "Nummer" schon vermuten lässt, muss die Hausnummer eine Ziffer sein. Abweichungen duldet zumindest die Bielefelder Stadtverwaltung nicht. Wer sich nicht an die Regel hält, bekommt Besuch von städtischen Beamten.
So geschehen vor einigen Wochen unter anderem in Heepen. Dort hat "ein Mitarbeiter des Bezirksamtes Heepen festgestellt", dass das Haus Am Teigelhof 10 falsch beschriftet ist. Im Schreiben des Bezirksamtes, Bereich Ordnungsangelegenheiten, an die Eigentümer heißt es denn auch, "dass die an dem Gebäude angebrachte Hausnummer in Druckbuchstaben angebracht worden ist".
Diese freie Wahl der Kennzeichnung der Hausnummer verstößt allerdings gegen geltendes Recht, in diesem Fall gegen die "Ordnungsbehördliche Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Gebiet der Stadt Bielefeld", in ihrer Fassung vom 1. August 2008. Dort ist in zehn Paragraphen geregelt, was dem Titel der Verordnung zufolge notwendig ist, damit es in Bielefeld nicht drunter und drüber geht.
Arabische Ziffern sind Pflicht
Und laut Paragraph sieben gehören Hausnummern dazu. Dort heißt es im ersten von fünf Absätzen: "Grundstückseigentümer haben dafür zu sorgen, dass das an jedem bebauten Grundstück anzubringende Schild mit der von der Stadt festgesetzten Nummer von der Straße aus gut sichtbar und lesbar ist und in einem ordnungsgemäßen Zustand erhalten wird. Die Nummern müssen in arabischen Ziffern und in einer Mindesthöhe von 80 mm ausgeführt sein."
Es ist eindeutig, die Nummer muss eine arabische Ziffer sein, Ausreden sind überflüssig, Ausnahmen nicht vorgesehen. Seit 1998 ziert eine "zehn" das Haus Am Teigelhof in Heepen, jetzt ist es einem Beamten des Bezirksamtes aufgefallen. "Wahrscheinlich müssen wir glücklich sein, dass es nach Inkrafttreten der Verordnung im Jahr 2008 noch weitere vier Jahre gedauert hat, bis jemandem aufgefallen ist, dass es verboten ist, was wir hier machen", sagt Anwohner Matthias Heidemann – nicht ohne einer Spur von Ironie in der Stimme.
Dass dieser Paragraph nicht ohne Sinn und Verstand in die Verordnung aufgenommen wurde, argumentiert Dietmar Schlüter von der Stadt Bielefeld. Die Anordnung gehe auf Notwendigkeiten im Rettungsdienst zurück. Im Ernstfall müsste die Hausnummer auf den ersten Blick erkennbar sein, die Feuerwehr habe bei einem Brand nicht die Zeit, lange zu überlegen, ob sie vor dem richtigen Haus stehen würden. Die arabische Regel ist zudem keine Bielefelder Besonderheit, ähnliche Vorschriften gibt es in Städten und Gemeinden überall in Deutschland.
Immerhin: Das Bezirksamt Heepen droht in dem Schreiben nicht mit Sanktionen gegen die Hausbewohner – obwohl Bußgelder durchaus vorgesehen sind. Die Mitarbeiterin bittet darum, die Buchstaben doch bitte gegen Ziffern auszutauschen.
Ob in der Stadt Bielefeld noch weitere Buchstaben-Hausnummern-Hausinhaber ihre Buchstaben gegen Ziffern austauschen müssen, ist nicht bekannt. Matthias Heidemann jedenfalls kennt noch einige Gebäude im Stadtgebiet, an denen ebenfalls Buchstaben die Hauswände zieren, "aber ich sage nicht, wo die stehen . . ."
Heißt das nun, dass Buchstaben in Hausnummern komplett verboten sind? Nicht wirklich, wer in der "Eins a" wohnt, muss die "Eins" allerdings als "1" schreiben, das "a" darf bleiben, wie es ist . . .
Wenn euch morgen einer sagt, dass die Mauer nicht mehr steht, dann fangt ihr doch das Tippen an. ^^
Was es wohl noch so alles da draußen gibt?! Freut euch auf neue skurrile und unglaubliche Geschichten und spitzt die Ohren. Nicht, dass ihr noch eine Gelegenheit verpasst, auf andere zu schimpfen, aus eurem bequemen Sessel bei Temperaturen, die wohl das Denkvermögen prägen... nachteilig.