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24.11.2012
Sudbrack
Wohnen statt Gewerbe
Pläne für Gelände der Baugesellschaft Sudbrack – Historisches Fachwerkhaus verschwindet
VON SYLVIA TETMEYER

Putzbau mit Steinoptikfassade: | GRAFIK: ARCHITEKTEN POGGENHANS UND MÜHL

Sudbrack. Seit Monaten brodelt die Gerüchteküche. Jetzt bestätigen Bernd Kuhlmann (54) und Claus Ditschun (52), Geschäftsführer der "Wohnen am Park CB Immobilien GmbH & Co KG", dass sie das Grundstück der Baugesellschaft Sudbrack an der Apfelstraße, Ecke Sudbrackstraße gekauft haben. Mit im Boot ist außerdem Jürgen Budde, der auf 1.050 Quadratmetern an der Apfelstraße Seniorenwohnungen bauen will. Das historische Fachwerkhaus soll abgetragen werden.

"Wir haben sehr lange versucht, dafür einen Käufer zu finden", sagt Roland Riestenpatt von der Baugesellschaft Sudbrack. Auch das Freilichtmuseum in Detmold habe abgewinkt, weil das Haus nicht mehr originalgetreu sei und die Teile aus mehreren Baustadien stammen würden. Vor Jahren habe die Baugesellschaft zudem prüfen lassen, ob der Hof unter Denkmalschutz gestellt werden könne. Mit der Begründung einer "unfachmännischen Restaurierung" sei auch dies nicht möglich gewesen.

"Eine Nutzung als Kindergarten wurde nicht genehmigt", erklärt der geschäftsführende Gesellschafter. Außerdem sei das Gebäude marode. "Mir tut es in der Seele weh", sagt Riestenpatt bewegt. Zumindest wolle das Abbruchunternehmen Hagedorn versuchen, die Balken und das Mauerwerk im schonenden Abbauverfahren zu sichern – "wahrscheinlichübernächste Woche".

"Der Hof hat dem Ortsteil den Namen gegeben", sagt Dieter Kuhnert. Für den Vorsitzenden des Heimatvereins Schildesche ist die Erhaltung alter Bausubstanz eine gesellschaftliche Aufgabe. "Es ist schade, dass ein ortsteilprägendes Gebäude verschwindet", so Kuhnert. Für Historiker Joachim Wibbing gibt es nur noch zwei Gebäude, die typisch für Sudbrack sind. Neben dem 1820 erbauten Hof, der ursprünglich aus Leopoldshöhe stammt, sei dies die Erlöserkirche.

Info

Anwohner befürchten hohe Bebauung

  • Rechtsanwalt Joachim Schmidt hat sich mit einem Brief an Bezirksbürgermeister Detlef Knabe gewandt.
  • Viele Anwohner würden befürchten, dass die Bebauung dem Stadtbild widerspreche, da Am Rottland und an der Sudbrackstraße Häuser mit maximal zwei Vollgeschossen üblich seien.
  • Der Anwalt bittet die Politik, gegen den Abriss des Bauernhauses einzuschreiten, weil es "prägend für den Stadtteil" sei.
  • Die Anwohnerinnen Marlies und Constance Strohm hoffen, dass die Bebauung "nicht so hoch" wird – und dass es Grünflächen gibt. (syl)


Claus Ditschun und Bernd Kuhlmann haben ihre Pläne mit der Politik sowie mit den Anwohnern und Geschäftsleuten abgestimmt. Die neue Bebauung werde zwar positiv bewertet, "Gegenwind" habe es jedoch beim Abriss des Hofes gegeben. "Die Stadt hatte ein Vorkaufsrecht. Sie hätte das Haus bekommen können, um es an anderer Stelle wieder aufzubauen", erklärt Kuhlmann. Der 54-Jährige kann verstehen, dass es für Anwohner nicht zuletzt deshalb schmerzhaft ist, weil die Baugesellschaft ihr Gelände viele Jahre für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt hat. "Das wäre sowieso nicht mehr gegangen, weil wir die Sicherheitsanforderungen nicht hätten erfüllen könnten", sagt Roland Riestenpatt. Für das Gelände habe es "zwischen fünf und neun Interessenten" gegeben. Den Zuschlag habe nicht derjenige mit dem höchsten Angebot erhalten, sondern derjenige mit dem besten Konzept für den Standort.

"Wir versiegeln weniger als 40 Prozent Boden und haben viele Grünflächen im Innenbereich", sagt Claus Ditschun. Auf dem 4.719 Quadratmeter großen Areal sollen rund 45 Eigentumswohnungen zwischen 60 und 125 Quadratmetern entstehen.

Der Riegel an der Sudbrackstraße hat eine Fläche von 1.450 Quadratmetern. Hier entstehen etwa 34 Wohnungen zwischen 55 und 70 Quadratmetern. Die Bauherrn betonen, dass die Häuser nicht höher sind als die Nachbarbebauung. Sie erhalten drei Geschosse und ein Staffelgeschoss. Stellplätze soll es in Tiefgaragen geben. "Wir sind an Nachhaltigkeit interessiert", bekräftigt Ditschun.

Mit den Stadtwerken sei ein gemeinsames Energiekonzept im Gespräch, so dass der Strom im eigenen Blockheizkraftwerk erzeugt werden könne. Für die Planung zeichnet das Bielefelder Architekturbüro Poggenhans und Mühl verantwortlich. Nun fehlt noch der Bebauungsplan.



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