Schrift

28.11.2012
Schildesche
Als Baby den Holocaust überlebt
Rozette Kats sprach vor Schildescher Gesamtschülern
VON SIMON BLOMEIER

Mit alten Fotos | FOTO: SIMON BLOMEIER

Schildesche. Als neun Monate altes Baby versteckten ihre Eltern sie 1942 bei einem fremden Pärchen. Kurz danach wurden sie deportiert und im Vernichtungslager Auschwitz von den Nazis getötet, weil sie Juden waren. Mit sechs Jahren klärten ihre Pflegeeltern die Niederländerin Rozette Kats über ihr Schicksal auf. Jetzt berichtete die 70-Jährige vor Zehntklässlern der Gesamtschule von ihrem Leben, das geprägt war von der Suche nach ihrer eigenen Identität.

"Ich war ein verstecktes Kind", erklärt die Niederländerin den Schülern der Klassen 10b und 10 h. Nachdem die Nazis die Niederlande 1940 besetzt hatten, litten auch die holländischen Juden unter ständigen Repressionen bis hin zu Deportationen in Konzentrationslager. Von den etwa 105.000 Deportierten überlebten gerade mal 5.200 Menschen. Bevor Kats Eltern nach Auschwitz kamen, lebten sie versteckt und trennten sich von ihrer jungen Tochter, nachdem ein nicht-jüdisches Paar die kleine Rozette aufgenommen hatte. Nach der deutschen Besatzung sollte das Kind seine leiblichen Eltern wiedersehen. Dazu kam es nie.


"Was glaubt ihr, was es bedeutet, versteckt zu leben?", fragt sie die Schüler. Diese antworten: "Keine Freunde, Verlust der Selbstständigkeit, Todesangst." Alles richtig, doch das Schlimmste sei "der Verlust der eigenen Identität." Und obwohl Kats seit ihrem sechsten Lebensjahr um das Schicksal ihrer Eltern wusste, dauerte es bis weit ins Erwachsenenalter hinein, bis sie ihr Kindheitstrauma überwunden hatte. Denn der einzige weitere Überlebende, ihr Onkel, war traumatisiert und verdrängte die schrecklichen Geschehnisse. Jetzt spricht Kats, um gerade der Jugend ihre persönliche Geschichte näherzubringen. "Es geht ihnen hoffentlich nahe", sagt sie.

"Das ist viel interessanter als jeder Text über den Nationalsozialismus", sagt Joschka Linnenbrügger (16). "So hat man ihre persönlichen Gefühle und Emotionen mitbekommen", ergänzt Rojin Aba (17). Und Emma Fengler (16) sagt: "Ich finde gut, dass sie sich getraut hat, das alles offen zu erzählen."



Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren
Schildesche/Mitte
Jährlich erleiden 300 Kinder Schlaganfall
Schildesche/Mitte. Schlaganfall wird oft mit älteren Menschen in Verbindung gebracht. Allerdings sind davon auch immer mehr Kinder und Babys betroffen... mehr




Anzeige

Schildesche

5.676 Personen gefällt
"Bielefeld"


Darüber sollten wir berichten
Ihr Kontakt zur NW Bielefeld



Anzeige
Fotos aus Bielefeld
Friedliche Demonstration gegen IS-Terror am Hauptbahnhof
Friedliche Demonstration gegen IS-Terror am Hauptbahnhof
Brand im Umweltzentrum an der Bielefelder August-Bebel-Straße
Brand im Umweltzentrum an der Bielefelder August-Bebel-Straße
David Hasselhoff bei der 80er/90er-Party im Ringlokschuppen
David Hasselhoff bei der 80er/90er-Party im Ringlokschuppen
Preußen Münster - Arminia Bielefeld 3:1
Preußen Münster - Arminia Bielefeld 3:1
Oktoberfest in der Seidensticker Halle
Oktoberfest in der Seidensticker Halle
OWL-Unternehmertag in der Stadthalle mit Bundesbankpräsident Jens Weidmann
OWL-Unternehmertag in der Stadthalle mit Bundesbankpräsident Jens Weidmann


Anzeige
Anzeige
Videos
Anzeige
Lokalsport Bielefeld
Die Achtelfinals live erleben
Bielefeld (Maat). Die Achtelfinals im Kreispokal stehen diese Woche an. Und pünktlich zu den packenden Begegnungen bietet die Neue Westfälische auf... mehr

DSC lässt Krisengerede verstummen
Bielefeld (dogi). Nach zwei Niederlagen in Folge war es Markus Wuckel, dem Trainer von Arminias Fußballfrauen, wichtig... mehr

VfB Fichte dreht das Spiel
Bielefeld (bazi). Als verdienter Sieger konnte der VfB Fichte am Sonntag die Rußheide verlassen. Nach einem Rückstand drehten die "Hüpker" das Spiel... mehr

Wellensiek entwickelt jede Menge Pech
Bielefeld (bde). "Pech" war beim VfR Wellensiek wohl das Wort zum Sonntag. Im Auswärtsspiel bei Tabellennachbar SV Avenwedde unterlag die Mannschaft... mehr

Ausgleich in der Schlusssekunde
Bielefeld. Istvan Gal, Dornbergs Trainer, gab sich überaus weise nach dem Schlusspfiff. "Irgendwann gleicht sich eben alles im Leben wieder aus"... mehr


Anzeige
Anzeige



Jobs bei der NW


Zeitungsdruck Rotationsdruck Rheinisches Format   NW Logistik