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22.11.2012
Senne
"Det Leben is knallhart, keen Witz"
Stasi-Opfer Rainer Dellmuth zu Gast in der Realschule Senne

Schlafstörung und Todesängste | FOTO: C. PANHORST

Senne (cpa). "Ick bin mit 18 von Erwachsenen physisch und psychisch gequält und missbraucht worden in dem Arbeiter- und Bauernparadies, was man DDR nannte." In der 9c der Realschule Senne ist es mucksmäuschenstill. "Uns hab’n se damals auch beigebracht, dass die Berliner Mauer den dritten Weltkrieg verhindern sollte", erzählt Rainer Dellmuth weiter. Dann löst er die gespannte Stimmung mit Berliner Schnauze. "Was’n Schwachsinn. Aufgepasst, jetzt geht die Wurscht ab!"

An zwei Tagen ist Zeitzeuge Rainer Dellmuth zu Gast bei den 9. und 10. Klassen der Realschule Senne. Der Berliner berichtet von seinen Erlebnissen als "Staatsverräter" in der Diktatur der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. "Ick bin wegen staatsgefährdender Hetze und versuchter Republikflucht inhaftiert worden. So hieß das damals." Die Staatssicherheit (Stasi) führt über den 18-jährigen Dellmuth, der gerade eine Ausbildung zum Buch- und Flexodrucker macht, eine Akte unter dem Namen "Lehrling": 1.250 Seiten stark wird sie am Ende sein.
Drei Jahre sei er als junger Mensch in Stasi-Gefängnissen terrorisiert worden, erzählt Dellmuth den Schülerinnen und Schülern der 9c. Im nächsten Jahr werden sie bei der Klassenfahrt der Zehntklässler nach Berlin fahren und im ehemaligen Untersuchungsgefängnis, der heutigen Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, die winzigen Zellen sehen.
Ein Bett, ein Stuhl, ein Tisch – das ist alles. In einem solchen fensterlosen Raum habe er Nächte lang steif auf dem Rücken wach gelegen, mit dem Gesicht zur Tür, erzählt Dellmuth. "So mussten wir schlafen. Aber man dreht sich ja um im Schlaf, dann hat man uns geweckt."Die blaffenden Befehle der Wärter im Stundentakt, chronifizierte Schlafstörungen und Todesängste lassen Dellmuth bis heute nicht schlafen. "Das Grundvertrauen hab’n die uns zerstört. Wir waren alle in Therapie mit posttraumatischem Stresssyndrom. Das kriegste nie wieder weg." Von seinen Erlebnissen zu erzählen sei für ihn auch eine Art der Aufarbeitung, sagt Dellmuth. Auch ein Buch über seine Festnahme und Inhaftierung mit dem Titel "Ausflüge im Grotewohl-Express" hat der heute 64-Jährige geschrieben. In der 9c geht es Dellmuth aber vor allem darum, die Jugendlichen für die großen Zusammenhänge zu sensibilisieren.
"Wir hatten Big Brother rund um die Uhr, und heute ist das Unterhaltung. Und die Flug-Erpel von damals sitzen heute im Bundestag, die heißen nur anders", macht Dellmuth seinem Ärger über die Stasi-Vergangenheit einiger Abgeordneter der Partei Die Linke Luft.
"Aber Geschichte ist ein weltumspannendes Problem. Gerade erleben wir eine internationale Krise, die auch die Demokratie schwächt. Wir müssen aufpassen."

     



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