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24.11.2012
Senne
Ein Haus mit Vergangenheit
Von der Rettung des Buschkamps
VON JULIA GESEMANN

Gasthaus mit westfälischer Küche | FOTO: JULIA GESEMANN

Senne. Schwarz-weißes Fachwerk, der Giebel ist holzverkleidet, eine grüne Doppeltür mit Fenstern ziert die Front. 201 Jahre ist er alt. Das ist dem Buschkamp nicht anzusehen, das Historische Gasthaus ist gut gepflegt. Bevor es seinen Platz im Museumshof Senne fand, stand es an ganz anderer Stelle: an der Kreuzung B 68 / Buschkampstraße, heutiger Standort von Mercedes Neotechnik. Dort war der Buschkamp Zeuge und Zentrum vieler historischer Ereignisse.

"Den Buschkamp kannte jeder – der Giebel war’s", sagt Hans Schumacher, Vorsitzender des Fördervereins Osthusschule. Er weiß viel über die Geschichte des Buschkamps. Und findet in seinem umfangreichen Archiv noch mehr. So wie die Fotos der Buschkamp-Tür. "Sie war nicht typisch bäuerlich, sondern hatte viele kleine Fenster – das für den Hof typische Erkennungszeichen".

1811 lassen Casper Henrich Buschkemper und Ehefrau Hanna Catrina Grosse Bockermanns das Haus am 19. August errichten, Erbin ist Tochter Hanna Friederike. "Sie heiratete Heinrich Zacharias Brand aus Sandhagen, dem heutigen Gadderbaum", sagt Schumacher. Nach Heinrichs Tod zieht die Witwe mit den Söhnen Adolf und Friedrich Wilhelm Luis auf den Ursprungshof ihres Mannes, das heutige Waldhotel Brand’s Busch. Der Buschkamp wird an Friedrich Wilhelm Lohmann verpachtet. "Er bekam 1869 die Erlaubnis zum beschränkten Schankbetrieb", sagt Schumacher. 20 Jahre später wird das Pachtverhältnis gekündigt, Adolf Brand kehrt zurück. "Er hat die Schankwirtschaft übernommen, war weit über die Senne hinaus bekannt." Ein raubeiniger Bursche mit weichem Herz – so wird er in historischen Dokumenten beschrieben.

Dank ihm habe die Gaststätte eine gewisse Berühmtheit erlangt, sagt Schumacher. Sie sei vor allem Anlaufstelle für das Infanterieregiment Nummer 55 gewesen. "Die hatten ihre Schießbahn direkt hinterm Buschkamp." Abends gibt es nicht nur ein Bier für die Soldaten, sondern auch Pickert. 1912 stirbt Brand, Mitte der 1920er Jahre pachtet Wilhelm Schulze den Hof. "Frau Schulze war als Wirtin eine sehr liebenswerte Frau", erinnert sich Norbert Schwabedissen, Ex-Bürgermeister der Gemeinde Senne. Er ist 1930 geboren und nahe des Gasthofs groß geworden. "Als kleiner Junge war ich oft da."

Auch als Ausflugslokal bekommt das Gasthaus schnell einen guten Ruf. Das liegt auch am regelmäßig stattfindenden Teutoburger Waldrennen, dessen Start und Ziel ab 1925 am Buschkamp sind. Rudolf "Karratsch" Caracciola startet mehrmals auf der Rennstrecke. Er ist damals der erfolgreichste deutsche Automobilrennfahrer und fährt sich und seinen Mercedes-Rennstall dreimal souverän zum Sieg. 1945 übernehmen die Engländer das Anwesen, sie schließen die Kneipe. "Später wurden in der Scheune Flugzeuge des Flughafens untergestellt", erinnert sich Schumacher. "Dafür mussten diese immer auseinander gebaut werden." 1960 pachtet Paul Schwabedissen, Cousin von Norbert, den Buschkamp. "Bei ihm habe ich 1965 meine Hochzeit gefeiert", sagt Schumacher. Schlachter Schwabedissen bietet westfälische Küche an. "Er hatte einen Imbisswagen vor dem Haus stehen – das war nicht so typisch für die Zeit."1970 eröffnet der vorerst letzte Pächter die Disko "Old Camp" in der alten Gaststätte. "Er wollte mit der Zeit gehen und eine Lücke in der Gastronomie schließen", weiß Schumacher. "Wagenräder wurden als Zaun um den Buschkamp gebaut, alles war irgendwie amerikanisiert." Auf der Deele wird auch in Rollschuhen getanzt. "Die Menschen sind damals von Hillegossen über den Berg und die Osningstraße gekommen, um dort zu feiern", erinnert sich Eberhard David, ehemaliger Oberbürgermeister Bielefelds. Trotzdem geht es bergab mit der Diskothek. "Um 1980 war sie pleite", sagt Schumacher.

Das Gelände kauft Neotechnik – für 680.000 D-Mark. "Die wollten ein neues Autohaus dort hin setzen – der Buschkamp musste weg", sagt Schumacher. Pläne, den Giebel mit in das neue Gebäude einzubeziehen, scheitern. Norbert Schwabedissen setzt sich mit Eberhard David im Gemeinderat für den Erhalt des Buschkamps ein. "Wir konnten das nicht einfach plattmachen – es war ja der zentrale Treffpunkt in Senne", sagt David. Eine große Hilfe ist der Sennestädter Alois Hüser. Hüser sei ein Glücksfall gewesen, sagt Schumacher. "Er hatte den nötigen Sachverstand und die finanziellen Mittel." Vor allem habe er selbst angepackt.

Dank ihm wird das Haus vor dem Abriss bewahrt und 1983 abgebaut. Rund drei Jahre später wird es im Museumshof wieder aufgebaut. "Offiziell wurde es am 18. Januar 1988 eröffnet", sagt Ernst Heiner Hüser. Der Koch und Sohn von Alois Hüser betreibt heute mit Ehefrau Susanne das Historische Gasthaus. Die Tür ist nicht mehr die von früher. Aber die westfälische Küche ist geblieben.



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