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27.11.2012
Sennestadt
Das Leben auf Papier gebannt
88-jähriger Pensionär aus Sennestadt druckt autobiographische Bücher in Eigenregie
VON DENNIS ROTHER

Das Œuvre der Koschnicks | FOTO: DENNIS ROTHER

Sennestadt.Von Dieter Bohlen bis Jörg Kachelmann: Autobiographien haben auf dem Büchermarkt Hochkonjunktur. Doch nicht nur Prominente schreiben ihre Geschichte auf. Auch Karl-Heinz Koschnick bringt sein Leben Stück für Stück zu Papier – humorvoll, dennoch tiefgründig und ohne Lektor komplett auf eigene Faust.

Vier Bücher mit autobiographischen Zügen hat der 88-Jährige mittlerweile auf den Markt gebracht. Den Anfang machte seine Lebensgeschichte "Unter einem guten Stern" im Jahr 2006. In Berlin geboren, in Hinterpommern aufgewachsen, nach dem Zweiten Weltkrieg in Sennestadt eine neue Heimat gefunden – genug Stoff für ein substantielles Werk. "Die Idee kam von einem Bekannten, der seine Lebensgeschichte niedergeschrieben hatte. Da dachte ich mir: Das kann ich doch auch", erklärt Koschnick.

Gesagt, getan: Im Alter von 82 Jahren legte er los. Aber nicht handschriftlich, "ich schreibe ausschließlich am Computer". Zunächst probierte er einen Verlag in Berlin zu finden, schließlich machte sich Koschnick zum eigenen Chef: Auf Bestellung können Händler seine Bücher drucken, ein gängiges Verfahren für Autoren mit Kleinstauflagen.

Info

Geringe Auflagen

Das sogenannte "Book-on-Demand"-Verfahren ist eine seit Mitte der 1990er Jahre angewandte Publikationart für geringe Auflagen von Büchern und Druckschriften.

Es basiert auf der Digitaldrucktechnik; eine Druckvorlage liegt nur in elektronischer Form vor, Druckerzeugnisse werden dann erst unmittelbar nach der Bestellung produziert.

Das Verfahren hilft unbekannten Autoren, ihre Bücher im Selbstverlag zu veröffentlichen. Mindestauflagen existieren nicht. Vorteile für Verlage bestehen in den geringeren Lagerhaltungskosten sowie in problemlosen Aktualisierungen. (dr)

Drei weitere Bücher folgen, darunter Erzählungen aus den 40er Jahren, "als ich Offiziersanwärter in der Kriegsmarine war". Ehefrau Marie-Luise, 81, trug auch ihren Teil dazu bei: "Die Jugendgeschichten haben wir gemeinsam verfasst", sagt die gebürtige Osnabrückerin. Die ersten (und vielleicht schärfsten) Richter ihrer literarischen Ergüsse sind die Familienmitglieder – und dort ist die Resonanz positiv. "Unser elfjähriger Enkel liest eins der Bücher sogar im Unterricht", sagt Marie-Luise Koschnick.

Beim jüngsten Werk, seit Oktober erhältlich, lässt der Titel bereits auf den Inhalt schließen: "Alt werden – eine schöne Bescherung" handelt von den kleinen und großen Vor - und Nachteilen der Pensionäre. "Gedanken zu Leben und Tod", sagt Karl-Heinz Koschnick. Er berichtet auf 102 Seiten in launigen Kapiteln vom Sektfrühstück mit seiner Frau, witzelt über die deutsche Politik von Angela Merkel bis Karl-Theodor zu Guttenberg und erörtert mit nachdenklichem Unterton, wie sich seine Zuckerkrankheit ("Seit 50 Jahren bin ich Diabetiker") auf den Alltag auswirkt . Auf eine Literaturgattung festlegen will er sich nicht, Reportage, Kurzgedicht, Anekdote, alles ist dabei. "Der Titel fiel mir zuerst ein, die Texte kamen später", erklärt Koschnick seine Herangehensweise.

Mittlerweile sei seine eigene Geschichte indes auserzählt, findet Koschnick. "Genug von mir selbst", sagt er. Es ist an der Zeit, sich der Königsdisziplin zu widmen. "Jetzt oder nie: Ich schreibe einen richtigen Krimi." Handlungsort ist der nordhessische Edersee, "dort verbringen wir die Sommermonate in unserem Ferienhaus". Die ersten Seiten sind schon fertig – doch jetzt stockt der Verfasser: "Ich muss auf dem Papier jemanden umbringen, ganz schön schwierig." Einmal mehr Neuland. Mit 88 Jahren.



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