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28.11.2012
Hillegossen
Irrer Päckchen-Schwund
Post von Hillegossen nach Russland? Kein Problem. Aber nach Berlin? Verschwindet.
VON ARNO LEY

Hillegossen. Das Päckchen aus Russland kam 1950 unbeschädigt zurück. Kurt Vogelsang, der es erhalten sollte, war aus der Gefangenschaft entlassen worden, ehe es ihn dort erreichen konnte. Die Menschen litten Hunger, die Wege waren zerstört durch den Krieg. Ein anderes Päckchen, vor einigen Wochen nach Berlin geschickt, kam nie an, verschollen im modernen Transportservice. Das sind die rätselhaften erfahrungen der Irmgard Vogelsang, Frau des früheren Bundestagsabgeordneten aus Bielefeld.

Vogelsangs Söhne wohnen in Berlin. Im August vergangenen Jahres sollte Enkelin Johanna ein Päckchen zum 10. Geburtstag bekommen – eine Überraschung. "Ein Geschenk", sagt sie. Da man bei Geschenken nicht nachfragt, ob sie denn angekommen sind, fiel zunächst gar nicht auf, dass es fehlte.


Einige Wochen später brachte Irmgard Vogelsang ein weiteres Päckchen auf den Weg. "Ich habe es im Paketshop in Hillegossen abgegeben." Den "Paket Brief Service" (PBS), den Stefan Ganz an der Detmolder Straße betreibt, habe sie schon häufiger in Anspruch genommen. "Ich habe Pakete nach Polen geschickt. Die sind immer angekommen", lobt sie ihn.

Doch der Weg nach Berlin scheint schwieriger zu sein. "Das Päckchen ist dort bestimmt angekommen", versichert Ganz auf Nachfrage. Das konnte er sogar nachweisen, als Vogelsangs nachfragten. Obwohl es weder Vorschrift noch branchenüblich sei, veranlasse er auch ohne spezielle Kundenanforderung bei Päckchen eine elektronische Verfolgung des Versandes. Da werden dann jeweils die Stationen registriert, über die das Päckchen ausgeliefert wird.

PBS wurde ursprünglich als Lieferservice gegründet, hat sich aber inzwischen als Vermittlungsagentur spezialisiert, die auch Päckchen und Pakete von Konkurrenten ausliefert. "Ich empfehle den Versand als Paket. Päckchen sind nicht versichert", erklärt Ganz.

Im Hillegosser Laden erfuhr Irmgard Vogelsang, wo das zweite Päckchen geblieben war. "Es lag im Hinterzimmer eines Backshops an der Gotenstraße in Schöneberg." Die Schwiegertochter, an die es adressiert war, wohnt nicht weit davon entfernt in einem Gebäude mit Hinterhöfen. Vermutlich hat der Bote es persönlich abgeben wollen. "Aber da war wohl gerade niemand zu Hause", glaubt Ganz. Dann hinterlassen die Zusteller eine Karte, auf der sie angeben, wo das Päckchen hinterlegt wird. In Einzelfällen fotografieren sie sogar, dass sie dies gemacht haben. Denn immer wieder verschwinden Benachrichtigungen spurlos und der Bote muss sich dafür rechtfertigen. "Vielleicht werden die Karten einfach mit Werbezetteln verwechselt und dann achtlos weggeworfen", vermutet Ganz.

Die Boten dürfen die Päckchen aber auch bei Nachbarn abgeben. "Es kommt vor, dass es dort dann vergessen wird", sagt Ganz. Manchmal verschwindet die Ware auch vor der eigenen Haustür. "Die Zusteller können die Päckchen dort einfach abstellen." Möglicherweise wurde Johannas Geburtstagsgeschenk also vor der Haustür gestohlen.

Heute regieren Computer das Versandgewerbe. Ob es dadurch zuverlässiger geworden ist? "Ich höre immer mehr Beschwerden", berichtet Ganz. Dies muss vor 60 Jahren anders gewesen sein. Daran erinnert sich Irmgard Vogelsang.

"Ich hatte Kurt zu Weihnachten 1949 ein Paket in die Kriegsgefangenschaft nach Sibirien geschickt." In Russland wie Deutschland herrschte damals Not. Es hätte viele Gründe und viele Stationen gegeben, das Paket verschwinden zu lassen. Doch im Frühjahr 1950 kam es unversehrt zurück.

Irmgard Vogelsang überreichte es dann persönlich ihrem Ehemann.



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