Schrift

10.11.2012
Bielefeld
Arminias Schuldenberg schrumpft
Stadiongesellschaft: Die ersten Gläubiger haben Kredite in Anteile gewandelt
VON LOTHAR SCHMALEN

Die Arminia-Finanzen im Blick | FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Bielefeld. Das Licht am Ende des Tunnels wird heller: Dem um sein finanzielles Überleben kämpfenden Fußball-Drittligisten Arminia Bielefeld ist es gelungen, seinen Schuldenberg von 27 auf jetzt 25 Millionen Euro zu reduzieren. Und das, obwohl auch in der laufenden Saison wieder zusätzliche Gelder (eine Million Euro) erforderlich waren, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten.

Über die finanzielle Lage des Klubs berichteten am Freitag Arminia-Schatzmeister Professor Hermann Richter sowie Hans-Hermann Soll und David Frink vom Wirtschaftsrat des DSC. Die wichtigste Erfolgsmeldung: Die ersten Gläubiger des Drittligisten (nach Informationen der NW ist auch der Haller Modeunternehmer Gerhard Weber darunter) haben Kreditbeträge, die sie dem Klub in der Vergangenheit zum Überleben zur Verfügung gestellt haben, in Anteile an der neugegründeten Stadiongesellschaft ALM KG umgewandelt.

Umfrage
Glauben Sie, dass der von Schulden geplagte DSC Arminia Bielefeld finanziell über den Berg ist?




Richter bezifferte die Umwandlungssumme auf 2,5 Millionen Euro. Demnach wären an der Stadiongesellschaft nun Arminia zu 90 Prozent und die bisherigen Gläubiger mit zehn Prozent beteiligt. Als nächster Schritt sollen weitere 2,5 Millionen Euro Kredite in Anteile an der ALM KG gewandelt werden. Ziel sei es, Kredite in Höhe von insgesamt 12 Millionen Euro in Stadion-Anteile umzuwandeln. Damit hätte der Drittligist seine Schuldenlast auf 15 Millionen Euro reduziert. Für die Dritte Liga, die wegen ihrer hohen Kosten und den im Vergleich dazu eher niedrigen Einnahmen auch gerne als "Pleite-Liga" bezeichnet wird, wäre ein Schuldenabbau in dieser Größenordnung außergewöhnlich.

Info
Die Stadiongesellschaft ALM

Arminia Bielefeld hat zwei Töchterfirmen gegründet, die Spielbetriebsgesellschaft Arminia Bielefeld GmbH & Co. KGaA und die neue Stadiongesellschaft ALM GmbH & Co. KG. Der Stadiongesellschaft wurden die Schüco-Arena und das Trainingszentrum an der Friedrich-Hagemann-Straße mit allen daran hängenden Schulden übertragen. Die Satzung sieht vor, dass Arminia bis zu 49 Prozent der ALM-Anteile an Dritte vergeben kann (hauptsächlich über Kreditumwandlungen). Die Stadiongesellschaft soll künftig von einem hauptamtlichen Geschäftsführer geleitet werden. Der neue ALM-Chef, der von außen kommen werde, so Schatzmeister Hermann Richter, werde seine Tätigkeit in Kürze aufnehmen. (los)

Schatzmeister Richter sagt außerdem, dass weitere Gläubiger inzwischen auf Kreditrückzahlungen in Höhe von insgesamt rund einer Million Euro verzichtet hätten. Dabei wies er darauf hin, dass nicht nur Kreditgeber, sondern auch jeder andere Interessierte Anteile an der Stadiongesellschaft erwerben könne. Die Mindesteinzahlung liege bei 50.000 Euro.

Es hatte monatelanger Verhandlungen und Genehmigungen bedurft, um den Weg für die Umwandlung der Kredite in Stadionanteile freizumachen. Vor allem das Land NRW, das Bürgschaften für die Bankkredite beim Stadionausbau übernommen hatte, musste nicht nur die Übertragung des Stadions an den neuen Eigentümer ALM GmbH & Co. KG genehmigen, sondern muss auch jeder einzelnen Veränderung der ALM-Gesellschafterstruktur zustimmen.

Das Modell, das nun bei der Umwandlung von Krediten in ALM-Anteile praktiziert wird, sieht vor, dass die Kreditgeber Anteile als "stille Beteiligung" übertragen bekommen. Deshalb nannte Richter die Namen der neuen ALM-Gesellschafter nicht. Bei einer Dauer der Beteiligung von mindestens fünf Jahren entstünden weder für den Anteilserwerber noch für die ALM KG steuerliche Nachteile, sagte der Arminia-Schatzmeister.

Der Schatzmeister erläuterte, dass Arminia einen Drei-Jahres-Plan erstellt habe, der die Wirtschaftlichkeit des Spielbetriebs (notfalls auch drei Jahre in der Dritten Liga) sichere. Natürlich gehe die Sanierung des DSC schneller voran, wenn der Klub vorher in die Zweite Liga aufsteige.

Mehr zum Thema in nw-news.de
Kommentare
Herr Sparbier , ich kann ihnen nur zustimmen.Ohne Einnahmen läuft eben nichts...nur weitere Kreditaufnahmen, Bettelbriefe.... Nichtmal diese Spielzeit konnte gesichert werden. Bielefeld ist für keinen Kredit gut , sondern konnte nur durch eine anonyme "Gabe" den Spielbetrieb aufrechterhalten. Die Saison ist noch lang, ein Aufstieg aus Lizensierungsgründen und DFB-Rettungsfonds Ansprüchen nicht möglich. Stadion, Mannschaft werden sehr teuer, der Zuschauerschnitt ist zu niedrig,
ich denke eine Insolvenz wäre das Beste (wenn der richtige Zeitpunkt nicht schon verstrichen ist).

Realist, ich schätze Ihre kommentare sehr.
Warum meinen Sie hat sich die Schuldenlast nicht erhöht. Woher kommt denn das Geld für den Spielbetrieb? Hier hat H. Weber doch sicher in seiner Großzügigkeit geholfen.
Warum glauben Sie, haben die Schuldner nur 10 % Anteile erhalten. Arminia ist doch in einer Notlage, der Wert des Stadions ist doch fiktiv. Hier können nur Fußballspiele ausgetragen werden. Mit dem Stadion gibt es doch keine Rendite. Ich glaube nicht das für 2,5 Mio. Kredit in 10 % Anteile umgewandelt wurde. vermutlich ist die Zahl nur nach außen kommuniziert worden.
Wenn es doch so ist, dann haben die Kreditgeber sehr schlecht verhandelt. Dazu kommen doch noch die anteilige Stadtionerhaltung.
So ganz glaube ich Arminia nicht.

Es stand erst gestern wieder in der Zeitung, das in Deutschland 10% der Haushalte so überschuldet sind, das sie ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nach kommen können.
Sie brauchen Hilfe von außen, Arminia geht es ähnlich.
Ohne Hilfe von außen, zum Beispiel durch Herrn Weber könnte man den Spielbetrieb in dieser Saison überhaupt nicht finanzieren.
Danke an dem Gönner aus Halle.
Gleichzeitig, versucht der Schuldner Arminia, durch seine handelden Personen(Vorstand), durch seriöses handeln, in kleinen Schritten von den Schulden runter zu kommen.
Jeder der die Summen kennt, sollte doch wissen, das dies ein langer beschwerlicher Weg wird.
Manchmal sollte einige hier etwas mehr Geduld aufbringen, wenn es die Sache wert ist.
Arminia ist es wert.

Wenn man die Informationen zusammensetzt, ergibt sich ein erstes Bild, wie weit der Verein in seinen Sanierungsbemühungen vorangekommen ist. Es zeigt sich aber auch, wie schwer es ist, den Spielbetrieb in der dritten Liga zu finanzieren.
Der Realist hat recht. Man muss den Schuldenabbau und die Finanzierung des Spielbetriebs differenziert betrachten.
Der Verein will Schulden abbauen, braucht gleichzeitig aber frisches Geld, um den Spielbetrieb zu gewährleisten.
Die Wandlung von Darlehen in Beteiligungskapital reduziert zwar den Schuldenstand, führt aber kein frisches Geld zu. Da in der dritten Liga und angesichts des teuren Stadions, davon auszugehen ist, das die Ausgaben deutlich über den Einnahmen liegen, ist somit die Zuführung frischen Kapitals unabdingbar. Dieses kommt weder aus der Wandlung noch durch den Verzicht auf Rückzahlung der Darlehen. Die Kapitalerhöhung und die im Artikel genannten Zuschüsse privater Geldgeber finanzieren somit den Spielbetrieb, können aber nicht zur Reduzierung der Schulden verwendet werden. Die Zahlen unterstreichen somit, wie schwer es ist, in der dritten Liga den Kopf über Wasser zu halten. Ein auf Dauer schwieriger Kraftakt. Erst wenn z. B. durch den Aufstieg in die zweite Liga die Einnahmen erhöht und somit das Defizit im operativen Betrieb reduziert wird, kann man auf dem jetzt eingeschlagenen und m.E. richtigen Weg schneller vorankommen.

Monatelang verhandelt, von rechts nach links gebucht, neue tochtergesellschaft mit neuem GF, der Geld verdienen will, ist das alles???? Will kein einziges großen Unternehmen einen Teil der Alm besitzen??? Das ist doch alles ein bisschen wenig. Klar ist, Geld muß her. Leider findet man keinen Draht zur Wirtschaft, warum auch immer??? Es sieht nach wie vor düster aus, warum beteiligen sich die Mitglieder/Fans nicht am Stadion??
Es gibt noch viel zu tun.



 Seite 1 von 2
weiter >
  >>


WAS MEINEN SIE? SCHREIBEN SIE IHRE MEINUNG



Sicherheitscode:

Bitte geben Sie oben
stehenden Code hier ein*:


*Pflichtfelder





Anzeige

Anzeige

Bielefeld

5.517 Personen gefällt
"Bielefeld"


Darüber sollten wir berichten
Ihr Kontakt zur NW Bielefeld




Anzeige
Videos
Anzeige
Die NW 1:1 im Netz


Anzeige
Meistgeklickt in Bielefeld

Neuer Asphalt, neue Ampeln, neue Aufteilung
Brackwede/Senne/Sennestadt. Die Hauptverkehrsstrecke durch den Bielefelder Süden, von Brackwede (Südring) bis Sennestadt (Paderborner Straße) wird von... mehr

Sennebahn-Ausbau dauert noch länger
Bielefeld/Paderborn (nw). Große Enttäuschung für Bahnfahrer in Ostwestfalen-Lippe: Die bereits 2013 begonnenen Modernisierungsarbeiten an der... mehr

Sattelzug reißt sich auf der A 2 den Dieseltank auf
Bielefeld/Gütersloh (jr). Der Fahrer eines Sattelzuges aus Polen hat sich am Freitagvormittag durch herumliegende Teile auf der Autobahn 2 den... mehr

Schul-Caterer expandiert in Bielefeld
Bielefeld. Tausende Schüler erleben täglich einen sinnlichen Eindruck von den Produkten der Firma "Stattküche". Die ist Mittagessenlieferant für 18... mehr

Meine Kleider, deine Kleider
Bielefeld. Wer im Kleiderschrank Platz schaffen möchte, kann seine T-Shirt-Berge in den Secondhand-Laden tragen – oder die alten Schätze ganz einfach... mehr

Tödlicher Unfall in Schloß-Holte Stukenbrock



Zweiter Moscheebrand in Bielefeld



Kinderfest Wackelpeter in Bielefeld



Brandstiftung in Moscheegebetsraum in Bielefeld



Jesiden-Großdemo in Bielefeld




Anzeige



Jobs bei der NW


Zeitungsdruck Rotationsdruck Rheinisches Format   NW Logistik