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20.11.2012
Bielefeld
Zu alt: 74-jähriger Bielefelder ist enttäuscht vom ADAC
Rudolf Blumtritt (74) wollte günstig versichert werden
VON KURT EHMKE

Kameradschaft, ein wenig Heimat | FOTO: KURT EHMKE

Bielefeld. Es geht ihm nicht um die 35 Euro, die er jährlich sparen könnte. Es geht ihm um mehr. Jahrzehnte war und ist er dem ADAC eng verbunden, kameradschaftlich, wie er sagt. Ehrenamtlich hat er sich reingehängt, hat Motorradrennen organisiert. Weltmeisterschaften. Natürlich ist Rudolf Blumtritt auch über den ADAC autoversichert – und wollte jetzt, nach 50 Jahren ohne Unfall, in den günstigeren Eco-Tarif wechseln. Das geht nicht. Der 74-Jährige ist dem ADAC zu alt. Ein anderes Versicherungsunternehmen hat ihn gerne genommen.

Beim ADAC kann Pressesprecher Ralf Collatz einerseits die Enttäuschung von Blumtritt verstehen, anderseits sagt er: "Das Eine ist der Clubbereich, das Andere der Versicherungsbereich." Nach anfänglichen Zweifeln an einem Ausschlussalter recherchiert Collatz intern und gibt zu: "Ja, beim Eco-Tarif gibt es diese Grenze tatsächlich." Statistisch gesehen seien Fahrer über 70 Jahren zwar seltener an schweren Unfällen beteiligt, dafür aber häufiger an kleineren Schäden. Collatz betont, dass es die Altersgrenze nur beim Eco-Tarif mit seinen eingeschränkten Leistungen gibt.

Info

Das klingt irgendwie anders

Senioren und Autofahren? Dazu der ADAC im Internet:
Die Forderung nach Fahrtauglichkeits-Tests insbesondere mit der Unfallbeteiligung älterer Kraftfahrer zu begründen, entbehrt jeglicher Grundlage. "Die offiziellen Unfallzahlen des Statistischen Bundesamtes geben den angeblichen Trend ... in keiner Weise wieder", so Ulrich Klaus Becker (ADAC). Autofahrer über 65 Jahre sind lediglich in 13 Prozent aller Fälle Verursacher eines Unfalls mit Personenschaden. Bei einem Bevölkerungsanteil von 20 Prozent liegen Senioren damit weit unter dem Schnitt anderer Altersgruppen.

"Ältere Verkehrsteilnehmer besitzen lebenslange Erfahrung am Steuer. Altersbedingte Leistungseinbußen können sie durch Besonnenheit und Ruhe wettmachen", sagt Becker. Als Radfahrer und Fußgänger sind Senioren sehr viel häufiger sogar Opfer, statt Verursacher.


www.adac.de/infotestrat/adac-im -einsatz/motorwelt/Senioren.aspx

Blumtritt ist dennoch enttäuscht von seinem ADAC, dem er so lange schon die Treue hält. "Mir tut das weh, ich habe die Motorrad-WM im Trial in München betreut, ich war Jugendtrainer in Bielefeld, in den 70er Jahren habe ich die Nationalmannschaft quer durch Europa geführt – und da gab es kein Kilometergeld." Von der alten Kameradschaft, die er beim ADAC erlebt habe, sei sein Ausschluss aus der Versicherung sehr weit weg.

"Er hätte sagen müssen, dass er Bestandskunde ist"

Blumtritt: "Ich fühle mich diffamiert, ich frage mich, ob man mich als Kunden überhaupt wegen des Alters ausgrenzen darf." Zumal er in den Versicherungsbedingungen keinen Hinweis auf eine Über-70-Sperre habe finden können. Collatz rechtfertigt "unpopuläre Maßnahmen" mit dem großen Preiskampf im Versicherungsgeschäft, "da ist alles spitz auf Knopf gerechnet, und das nicht nur beim ADAC".


Endgültig auf die Palme bringt Blumtritt dann diese Aussage von Pressesprecher Ralf Collatz: "Hätte er doch den Tarifwechsel bloß nicht nur über das Internet versucht, sondern sich persönlich gemeldet, dann hätten wir ihn selbstverständlich über Kulanz im Eco-Tarif versichert." Das Internet registriere ja leider nicht, dass da ein langjähriges, verdientes Mitglied anfrage. "Er hätte sagen müssen, dass er Bestandskunde ist."

Goldmedaille vom ADAC | FOTO: KURT EHMKE

Blumtritt wütend: "Natürlich habe ich persönlich in Bielefeld angerufen, mit der Versicherungsabteilung gesprochen und mein Anliegen erklärt." Ergebnis: "Die wollten mich nicht." Damit stehe er nicht alleine da, so Blumtritt: "Etlichen älteren ADAC-Kollegen ist es da genauso ergangen." Er wird in seinem Ärger sehr deutlich: "Das ist doch wirklich eine Schweinerei."

Kommentare
Das ist wie hier schon geschrieben wird, der ADAC arbeitet auch nur nach gewinn und mit über 70 gehört man eben zu einer Risikogruppe. Und auch wenn ich dafür jetzt wieder hiebe einstecken muss, erlebe ich doch jeden Tag im Straßenverkehr das solche älteren Herrschaften eine Reaktionsfähigkeit ausweisen für die ich mir annehmlich min. 3 Promille antrinken und ein halbes Pfund Graß rauchen müsste. Aber Spaß bei Seite. Es ist einfach nur brandgefährlich und die Kinder und Enkel sind hier gefragt die Alten zu unterstützen. Meine ehem. Vermieterin hat ihrem Lappen mit ca. 70 freiwillig in die Schublade gedonnert und ihren Wagen verkauft. Und wenn sie ab und an irgendwo hin wollte habe ich sie dann halt gefaren oder wer anders ... kein Problem.

Wir wollten es doch so! Frauen, Wenigfahrer, Menschen im "mittleren" Alter... alle wollten billiger versichert sein. Es ist doch logisch, dass die sog. "schlechten" Risiken - also junge und alte Fahrer, Vielfahrer usw. - dadurch mehr bezahlen müssen.

Früher war das recht einfach mit der Autoversicherung. Die Leistungen waren zu 99,9% leich und einzig die PKW-Leistung und die "Prozente" machten den Beitrag aus. Dann kam die Allianz auf die Idee, die "guten" Risiken mit Rabatten abzufischen und der restliche Markt musste nachziehen um nicht ausschließlich auf den statistisch schlechteren Risiken sitzenzubleiben. Hinzu kommen mittlerweile sehr große Leistungsunterschiede zwischen den Tarifen, dass der Kunde ohne Beratung den vermeidlich billigsten Tarif wählt und am Ende ziemlich doof aus der Wäsche schaut, wenn er nach einem Unfall in eine fremde Werkstatt muss und bis ins Nirvana zurückgestuft wird oder diverse Sachen einfach nicht mehr mitversichert sind. Aber hauptsache 50€ im Jahr gespart bei der Versicherung des 30.000€-Autos.

Der Kunde bekommt, was er nachfragt.

Man solle sich gut merken: Wer alt, krank, nicht mehr kann, wird in den A.... getreten. Aber Ratten kann man weiter fangen.

Ich bin schon seit 15 Jahren nicht mehr bei den gelben Bengeln, man kann Autozeischriften mit deutlich mehr Inhalt wesentlich günstiger abonnieren.

Meine derzeitige KFZ-Versicherung bietet gleich- oder höherwertige Leistungen deutlich günstiger an !

Auch wenn es so manchem schwerfällt, es zu verstehen: Es handelt sich beim ADAC um einen Versicherungskonzern, der nach reinem Profitstreben handelt. Die Sache mit dem Autoclub ist nur schmückendes Beiwerk. Als "Anerkennung" für meine zwanzig- und fünfundzwanzigjährige Mitgliedschaft, "schenkte" mir der ADAC zwei Kreditkarten, natürlich im ersten Jahr ohne Gebühr. Nach der zweiten Aktion hatte ich es dann auch verstanden. Meine Reaktion? Austritt natürlich, aber ultimo !!!



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