Schrift

31.12.2013
Gütersloh
Doppelmord von Gütersloh: Raub ist nur ein mögliches Mordmotiv
Polizei sucht weiterhin fieberhaft nach Spuren / DNA-Material an Hund gesichert
VON PATRICK MENZEL

Manche Anwohner bringen ihre Trauer zum Ausdruck | FOTO: PATRICK MENZEL

Gütersloh. Zwei tote Menschen, die Leichen offenbar furchtbar zugerichtet, kein konkreter Hinweis auf die näheren Umstände des grausamen Verbrechens oder einen Täter. Eine Woche nach dem Doppelmord an der pensionierten Ärztin Helgard G. (74) und ihrem Bruder Hartmut S. (77) steht die Polizei weiterhin vor einem großen Rätsel – und die Nachbarschaft unter Schock.

Obwohl ein Dutzend Beamte nach dem grausamen Drama an Heiligabend fast rund um die Uhr ermitteln, sind sie der Lösung des spektakulären Verbrechens noch nicht entscheidend näher gekommen. Die zwölf Ermittler der Mordkommission "Bad" suchen fieberhaft nach einer heißen Spur.  
Fotostrecke
Klicken Sie auf ein Foto, um die Fotostrecke zu starten (33 Fotos).

Es gebe lediglich Indizien für einen Raubmord, sagt Chefermittler Ralf Östermann. Zwar sei das Wohnhaus an der Badstraße, die der Mordkommission ihren Namen leiht, von den mutmaßlichen Tätern durchsucht worden, ob und was fehle sei allerdings noch nicht abschließend geklärt. "Auch die Tochter von Frau G. kennt nicht jedes einzelne Schmuckstück im Haus ihrer Mutter", sagt der Kriminalhauptkommissar im Gespräch mit der NW. Größere Wertgegenstände wie Teppiche oder Gemälde seien augenscheinlich nicht aus dem Haus getragen worden. Auch, wenn momentan vieles auf einen Raubmord hindeutet, strecken die Ermittler ihre Fühler in andere Richtungen aus. "Wir können auch ein anderes Motiv nicht gänzlich ausschließen", sagt Östermann.


Große Hoffnung setzen er und sein Team in die Auswertung der am Hund sichergestellten DNA-Spuren. Möglicherweise hat der ebenfalls getötete Colliermischling "Benny" den Täter zuvor gebissen und damit wichtige DNA-Spuren an Schnauze oder Fell isoliert. Mit einem Ergebnis der Laboruntersuchung des Landeskriminalamtes rechnet Östermann "erst in ein paar Tagen". Bis dahin konzentrieren sich die Ermittler verstärkt auf die Hinweise aus der Bevölkerung – 30 an der Zahl sind bis gestern Nachmittag bei der Mordkommission eingegangen. Darunter auch Angaben zu verdächtigen Personen und Fahrzeugen. "Manche Information mussten wir jedoch leider auch schnell relativieren. Der heiße Hinweis, aus dem sich möglicherweise eine Spur entwickelt, ist noch nicht dabei gewesen", sagt Östermann.

Der Chefermittler  wendet sich an die Öffentlichkeit. Man erhoffe sich dringend weitere Hinweise aus der Bevölkerung, um die Fahndung nach dem Täter voranzubringen, sagt der Leiter der Mordkommission.

Auch im persönlichen Umfeld der Getöteten haben die Beamten ihre Ermittlungen aufgenommen. Verwandte, Freunde und Patienten von G. werden befragt. "Wir erhoffen uns dadurch, die Lebensgewohnheiten der Opfer zu beleuchten und den Tatzeitraum weiter einzugrenzen", sagt Östermann.

Nach bisherigen Erkenntnissen vermuten die Ermittler, dass Helgard G. und Hartmut S. am 24. Dezember zwischen 15 und 24 Uhr getötet wurden. Zuvor sollen die Geschwister noch bei einem Spaziergang mit ihrem Hund gesehen worden sein. Die Tochter hatte die Leichen am Mittag des ersten Weihnachtsfeiertages entdeckt, nachdem sie weder die Ärztin noch den Lehrer im Ruhestand über Stunden erreicht hatte. Laut Obduktionsergebnis wurden beide Opfer mit mehreren Stichen getötet. Trotz intensiver Suche mit 80 Beamten von Hundertschaften aus Bielefeld, Dortmund und Köln fehlt von der Tatwaffe weiterhin jede Spur.

Wie berichtet, hatten Anwohner ihre Verwunderung darüber geäußert, dass noch nicht in der nahe fließenden Dalke nach der Waffe getaucht wurde. Östermann: "Wir kennen die Fluchtrichtung des oder der Täter überhaupt nicht." Zudem sei die Dalke ein langer Fluss. "Wenn wir da Taucher reinschicken, ist das wie Stochern im Nebel", so der Mordermittler auf NW-Anfrage.

In der Nachbarschaft der Opfer herrscht immer noch Entsetzen und Angst. "Ich möchte mich am Liebsten zu Hause einschließen", sagt gestern eine Spaziergängerin im Stadtpark. Sie hat Angst, der oder die Täter könnten in die noble Wohngegend zurückkehren. Andere Anwohner äußerten sich ähnlich.

Karl-Heinz Stehrenberg, Sprecher der Polizei in Gütersloh, kündigt für die nächsten Tage verstärkt Streifenfahrten durch das Wohngebiet am Stadtpark an.

Mehr zum Thema in nw-news.de


Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren
Gütersloh
SPD setzt auf Trepper
Gütersloh. Die SPD hat in Gütersloh so viele Mitglieder wie das Jahr Tage: 365. Seit gestern Abend haben sie für die Bürgermeisterwahl im September nächsten Jahres einen Aspiranten: Matthias Trepper... mehr




Anzeige

Kreis Gütersloh


Darüber sollten wir berichten
Ihr Kontakt zur NW Gütersloh


Anzeige
Videos
Anzeige
Fotos aus dem Kreis Gütersloh
Jugend-Fußball: Kreispokal-Finalspiele in Friedrichsdorf
Jugend-Fußball: Kreispokal-Finalspiele in Friedrichsdorf
Brandungfischer trainieren auf'm Acker beim Hof Kruse
Brandungfischer trainieren auf'm Acker beim Hof Kruse
Hamadi Al Ghaddioui schießt den SC Verl in die nächste Runde des Westfalenpokals
Hamadi Al Ghaddioui schießt den SC Verl in die nächste Runde des Westfalenpokals
Aktionen zum bundesweiten Vorlesetag
Aktionen zum bundesweiten Vorlesetag
Kreismusikschule stellt Unterreicht vor
Kreismusikschule stellt Unterreicht vor
Prinzenproklamation
Prinzenproklamation
Feierliche Einweihung der sanierten St.-Anna-Kirche
Feierliche Einweihung der sanierten St.-Anna-Kirche
Motorrad und Pkw stoßen frontal zusammen
Motorrad und Pkw stoßen frontal zusammen
Lkw in Graben gerutscht
Lkw in Graben gerutscht
Revolverheld begeistert im Gerry-Weber-Event-Center
Revolverheld begeistert im Gerry-Weber-Event-Center


Anzeige
Anzeige
Lokalsport Kreis Gütersloh
Ex-Spieler der Mustangs verliert vor Gericht
Rheda-Wiedenbrück (wot). Die umstrittene Personalpolitik des Basketballvereins Westfalen Mustangs aus Rheda-Wiedenbrück spielte jetzt auch vor dem... mehr

SC Wiedenbrück vor Bezirksligist gewarnt
Rheda-Wiedenbrück (wot). Auf dem Papier ist die Aufgabe des SC Wiedenbrück leicht. In der 3. Runde des Fußball-Westfalenpokalwettbewerbs muss der... mehr

Everswinkel kam nur mit der "Zweiten"
Verl (wot). Der Weg ins Halbfinale des Westfalenpokal-Wettbewerbs war den Handballerinnen des TV Verl weniger verbaut als befürchtet.... mehr

Nur ungerne Favorit
Verl. Die Fußballer von SC Verl und SV Lippstadt haben an diesem Samstag ein kleines Déjà-vu-Erlebnis. Schon vor einem Jahr standen sie sich in der 3.... mehr

Erfolgreiches "Heimspiel"
Gütersloh. Zehn Stunden lang standen in der "Alten Ziegelei" Schwebebalken, Sprungtisch, Barren und Co. im Mittelpunkt. Der TuS Friedrichsdorf war... mehr


Anzeige
Anzeige



Jobs bei der NW


Zeitungsdruck Rotationsdruck Rheinisches Format   NW Logistik