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26.11.2012
Gütersloh
Märchenhafte Tänze des Orients
78 Frauen bringen das Morgenland nach Gütersloh
VON ELENA ERBRICH

Das gab es in Gütersloh noch nie | FOTOS: ELENA ERBRICH

Gütersloh. Lichtpunkte in der Dunkelheit. Sie tanzen, werden immer schneller und schneller. Bauchtänzerinnen agieren in der Dunkelheit und zeigen dem Publikum, was Sindbad, der Seefahrer, sieht, als er mit einem Teppich über das nächtliche Byzanz fliegt. Mit ihrer Show "Zauber des Orients 2" entführten sie das Publikum in die Welt des Seefahrers.

Hinter den Kulissen wird es langsam hektisch: Noch eine gute Stunde bis die Show in der Aula der Anne-Frank-Gesamtschule beginnt. 78 Frauen im Alter von fünf bis 68 Jahren tummeln sich in drei Klassenräumen. Im Mittelraum schminken sich die Tänzerinnen gegenseitig. Besonders die Augen werden betont: Das Blau der Lider verläuft schnörkelartig bis auf die Wangen.

In der einen Ecke ziehen ein paar Frauen ihre Bauchtanzkostüme an - farbenfrohe Oberteile mit Pailletten besetzt und lange, leichte Röcke. Wiebke Ludwig hastet in die Umkleide. "Ich habe bis eben noch an meinem Kleid genäht", sagt sie. Sie schlüpft in ihr Bühnenoutfit und ist kaum wieder zu erkennen: Ihre Augen werden bedeckt von einer schwarzen Maske. Sie gehört zur Tribal-Gruppe. In offenherzigen Kostümen wird sie einen modernen Bauchtanz vorführen. Trotz der Hektik sind die Frauen in bester Stimmung. "Die Tänzerinnen haben ein Jahr für diesen Abend geübt", sagt Martina Krause, die den Abend zusammen mit Anja Rezai-Takhtechobi gestaltet hat. Neun der elf Bauchtanzgruppen, die auftreten, sind ihre eigenen. "Die Choreographien haben wir selber entwickelt und dann einstudiert. In den Herbstferien haben wir sogar jeden Abend geprobt", so Krause.

Info
Tanzen für den guten Zweck

Im Jahr 2009 fand die Benefiz-Veranstaltung "Zauber des Orients" zum ersten Mal statt.

Auch drei Jahre später ist das Interesse groß. Die gut 600 Plätze waren ausverkauft.

2009 ging der Erlös an das Frauenhaus. In diesem Jahr erhält ihn die Suppenküche.

Neben den 78 Tänzerinnen beteiligten sich 35 weitere Helfer ehrenamtlich. Diverse Geschäfte halfen mit Sachspenden.

Es tanzten zwei Kindergruppen, vier VHS-Gruppen, drei private Gruppen und eine aus Rheda-Wiedenbrück. (eler)

Die Tänze sollen aber nicht nur schön aussehen, sie erzählen auch eine Geschichte - und zwar die von Sindbad, dem Seefahrer. Bauchtänzerin Vera Wehke schrieb ein neues Abenteuer der berühmten Figur aus dem Orient. Sindbad begibt sich in ihrer Erzählung auf eine Seereise und erlebt auf dieser Schönes, Erschreckendes oder Skurriles. "Sie wollten gerade alles aufs Schiff bringen, als aus dem dichten Urwald eine Piratin auf sie zukam", liest Vera Wehke vor. Die Musik auf dem Hollywood-Film "Fluch der Karibik" erklingt. Zwei Piratinnen, gespielt von Martina Krause und Anja Rezai-Takhtechobi, betreten die Bühne. In den Händen halten sie große, schwere Säbel. Sie beginnen zu kämpfen, aber ohne den Tanz zu vernachlässigen. Schwungvoll heben die die Säbel, balancieren sie auf ihren Köpfen bis es zum Höhepunkt kommt: Anja Rezai-Takhtechobi geht zu Boden und Martina Krause triumphiert. Die Zuschauer sind begeistert und applaudieren.

Neben klassischen Bauchtänzen zeigen die Frauen unter anderem Tänze zu orientalischen Popstücken und zu spanisch-arabischer Musik. Accessoires fehlen natürlich auch nicht: Die Tänzerinnen hüllen sich in Schleier und spielen mit diesen. Andere tanzen mit großen farbigen Fächern. "Wir tanzen ägyptischen Bauchtanz. Der ist sehr elegant", sagt Martina Krause. "Viele verbinden Bauchtanz mit Popo- und Brustwackeln, aber es ist viel mehr. Die Frauen im Orient tanzen nicht für die Männer, sondern um ihre Lebensfreude zu zeigen. Es hält Körper, Geist und Seele fit." Martina Krause arbeitete 26 Jahre als Chefsekretärin bei Bertelsmann und machte dann ihr Hobby zum Beruf. Wie Anja Rezai-Takhtechobi gibt sie Kurse an der Volkshochschule.


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