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27.11.2012
Gütersloh
Bei Windenergie geht Gütersloh die Puste aus
Studien bescheinigen der Stadt wenig zusätzliches Potenzial / Kreis mit ehrgeizigem Ziel
VON RAINER HOLZKAMP

Unterdurchschnittlich | FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN

Gütersloh. Energiewende hin, Energiewende her: Viel mehr als die bisher errichteten acht Windkraftanlagen werden in Gütersloh wohl nicht entstehen. Er sehe hier jedenfalls kein Riesenpotenzial, sagt Wilhelm Gröver, Leiter der Abteilung Umwelt beim Kreis Gütersloh, mit Blick auf eine neue Studie des Kreises zu Windvorranggebieten.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine weitere Untersuchung der Landesumweltbehörde LANUV. Danach liegt die Stadt Gütersloh hinsichtlich der potenziell installierbaren Leistung in der niedrigsten Klasse bis 20 Megawatt. Auch im Vergleich mit den Nachbarkommunen nimmt sie eine hintere Position ein. Die Möglichkeiten der Windenergienutzung sind daher, so die Auffassung der Gütersloher Umweltdezernentin Christine Lang, sowohl im landesweiten als auch im regionalen Vergleich als gering einzustufen.


Als limitierenden Faktor sieht Abteilungsleiter Gröver im Fall Gütersloh die relativ hohe Besiedlungsdichte. Denn die führt dazu, dass Windkraftanlagen wegen zu geringer Abstände zur Wohnbebauung nicht errichtet werden dürfen. So beträgt bei modernen Anlagen mit einer Höhe von rund 200 Metern der vorgeschriebene Puffer mindestens 500 Meter. Bessere Rahmenbedingungen herrschen laut Gröver in den Nachbarkommunen Harsewinkel und Rheda-Wiedenbrück.

In Gütersloh trugen die Windkraftanlagen 2011 zum jährlichen Stromverbrauch von 748 Gigawattstunden mit 17,5 GWh bei. Der daraus resultierende Windstromanteil von 2,3 Prozent lag damit unter dem Landesdurchschnitt von 3 Prozent. Ziel der Landesregierung ist es, die Quote in NRW auf mindestens 15 Prozent bis zum Jahr 2020 zu steigern.

Ob dies für den Kreis Gütersloh realistisch ist, wollte Gröver nicht kommentieren. Das noch nicht verabschiedete Klimaschutzkonzept des Kreises sehe jedenfalls ein anderes Ziel vor. Demnach soll bis zum Jahr 2020 der komplette Eigenstromverbrauch der Privathaushalte über regenerative Energien abgedeckt werden. Das wären 448 der prognostizierten 2.100 Gigawattstunden, also etwa ein Viertel des Verbrauchs, wobei die Windenergie etwa 60 Prozent ausmacht.

Laut Kreisstudie könnten im Idealfall kreisweit insgesamt 85 Windkraftanlagen errichtet werden, davon 60 mit einer Höhe von 150 Metern und 25 Anlagen mit 200 Metern. Bei einem fortbestehenden Bauverbot rund um den Gütersloher Flughafen würde sich die Zahl möglicher Windräder um 20 verringern.

Wo genau die jetzt ermittelten die Potenzialflächen liegen, verrät der Kreis vorerst nicht. "Wir wollen vermeiden, dass die Grundstückseigentümer von auswärtigen Investoren bestürmt und zu fragwürdigen Vorverträgen gedrängt werden", so Gröver. Der Kreis werde das Gespräch mit den Eigentümern suchen und deren Interessen ausloten. Letztlich würden Bürgerwindparks mit mehreren Anlagen angestrebt. Auch Gemeinschaftsprojekte der Stadtwerke in der Region, die unlängst die Windenergie Westfalen-Lippe GmbH gegründet haben, "passen gut ins Konzept".

Die Stadtverwaltung nimmt die beiden neuen Studien zum Anlass, noch einmal die Areale auf den Prüfstand zu stellen, die bei der Aufstellung des Flächennutzungsplans 2020 als Vorranggebiete durchs Raster gefallen sind. Eine artenschutzrechtliche Prüfung wurde bereits in Auftrag gegeben. Mit Ergebnissen ist zum Ende des Winters zu rechnen. Schon kommenden Montag (3. Dezember) befasst sich der Umweltausschuss mit dem Thema.



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