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27.04.2013
Gütersloh
Neue Konkurrenz für die TWE
Gutachten soll im Dreikampf um die Wiederaufnahme des Personennahverkehrs die Weichen stellen
VON RAINER HOLZKAMP

Verbesserte Chancen | FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN/ HKO/ NWL

Gütersloh. Im Ringen um die geplante Wiederaufnahme des Schienen-Personennahverkehrs hat die Teutoburger Wald-Eisenbahn (TWE) neue Konkurrenz bekommen. Sind die Almetalbahn bei Paderborn und die lippische Begatalbahn inzwischen aus dem Rennen, so stehen jetzt zwei andere Mitbewerber in den Startlöchern. Für den federführenden Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) ist ausgeschlossen, dass alle drei Projekte umgesetzt werden können. Daher soll ein Gutachten für die entscheidende Weichenstellung sorgen.



Wie der NWL-Geschäftsführer Burkhard Bastisch auf Anfrage bestätigte, stehen neben der TWE-Strecke zwischen Harsewinkel und Verl (24,5 Kilometer) zwei Reaktivierungsvorhaben im Münsterland zur Diskussion: Die im Volksmund Pingel-Anton genannte Tecklenburger Nordbahn zwischen Osnabrück und Recke (24,2 Kilometer), betrieben von der Regionalverkehr Münsterland GmbH, sowie die Westfälische Landeseisenbahn (WLE) zwischen Münster und Sendenhorst (13 Kilometer.)

Die jeweiligen Befürworter drängen auf eine verkehrliche Neubewertung der Projekte im Bedarfsplan des Landes, wo sie derzeit nicht mit hoher Priorität eingestuft sind. Dies ist aber Voraussetzung, um an Landesmittel zu kommen. Ohne diese Gelder können die erheblichen Investitionen nicht gestemmt werden. Dem Vernehmen nach werden jeweils zwischen 15 und 30 Millionen Euro benötigt, um Gleise, Bahnhöfe und Bahnübergänge für den Personennahverkehr fit zu machen. Exakte Zahlen nennen die Verantwortlichen bislang nicht.

NWL-Geschäftsführer Bastisch erwartet für die kommende Verbandsversammlung im Juli eine politische Initiative, um Klarheit darüber zu schaffen, welches Projekt letztlich vorrangig forciert werden soll. Grundlage für die Entscheidung soll ein externes Gutachten sein. Wird der Auftrag dazu im Sommer erteilt, könnten Ergebnisse bis Anfang kommenden Jahres vorliegen.

Der Geschäftsführer des heimischen Verkehrsverbunds Ostwestfalen Lippe (VVOWL), Ludger Siemer, rechnet sich für das TWE-Projekt gute Chancen aus. "Wir sind überzeugt, in vielerlei Hinsicht weiter zu sein als andere."

Zu den Kriterien, die im Gutachten eine wichtige Rolle spielen dürften, zählt neben dem Aufwand für Reparaturen und Modernisierung sowie der etwaigen Mitnutzung durch den Güterverkehr das Fahrgastpotenzial. Siemer geht aufgrund neuer Berechnungen davon aus, dass 5.000 Passagiere pro Tag die TWE nutzen würden. "Wir haben es auf dieser Strecke mit zwei getrennten Ästen mit fast vollständigem Fahrgastwechsel zu tun: dem Abschnitt zwischen Harsewinkel und Gütersloh sowie dem zwischen Gütersloh und Verl." 2.500 Fahrgäste pro Ast seien eher niedrig angesetzt. Bisherige Prognosen gingen indes von insgesamt 3.500 Kunden täglich aus.Auch in einer wichtigen technischen Frage haben VVOWL und TWE gemeinsam einen Durchbruch erzielt. So lassen sich die TWE-Züge nun doch in den Gütersloher Hauptbahnhof einbinden. "Nach langen Verhandlungen ist uns das von der DB-Netz zugesichert worden", sagte Siemer. Zudem sei beim NWL ein Antrag der TWE auf Übernahme der Kosten für eine technische Detailplanung positiv beschieden worden.

Am NWL-Sitz in Unna ließ Geschäftsführer Bastisch freilich keinerlei Präferenz für einen der drei Kandidaten erkennen. Es sei angesichts der besonderen Struktur der Organisation allerdings nachvollziehbar, dass es in der Verbandsversammlung unterschiedliche räumliche Interessen gebe. Denn dem NWL gehören - bundesweit eine einmalige Konstellation - fünf Zweckverbände an: Neben dem VVOWL handelt es sich um die Zweckverbände Ruhr-Lippe, Münsterland, Paderborn/Höxter und Westfalen-Süd.

Ob und welcher Höhe die Landesregierung letztlich Mittel für die Reaktivierung einer Strecke bereitstellt, hängt auch von Entscheidungen auf Bundesebene ab. Denn das Berliner Verkehrsministerium wird über die Neuverteilung von Fördermitteln an die Länder erst nach 2015 entscheiden. Überdies verlangt Düsseldorf von den Bewerbern vorab eine verbindliche Zusage für die Übernahme der Betriebskosten für die Dauer von 20 Jahren.

Vor diesem Hintergrund scheint eine Wiederaufnahme des Schienenpersonennahverkehrs auf der TWE-Strecke zum angepeilten Zeitpunkt 2016 nicht allzu realistisch. VVOWL-Geschäftsführer Siemer nannte das Ziel selbst "sehr ehrgeizig". Aber auch wenn es zu dem Termin nicht klappen sollte, sei der Zug keinesfalls für immer abgefahren.

Insgesamt 55 Linien

Der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) ist als einer der drei Aufgabenträger für den SPNV (Schienenpersonennahverkehr) in NRW für die Bestellung und Finanzierung von Verkehrsleistungen auf der Schiene zuständig. Derzeit werden jährlich rund 270 Millionen Euro dafür eingesetzt. Die Betriebsleistung beträgt auf 55 Linien 32,5 Millionen Zugkilometer pro Jahr. Darüber hinaus stehen dem NWL jährlich rund 14,5 Millionen Euro für die Förderung der ÖPNV-Infrastruktur zur Verfügung. Zu den Mitgliedern des NWL gehören die fünf westfälischen Zweckverbände ZRL (Ruhr-Lippe), ZVM (Münsterland), VVOWL (Ostwestfalen-Lippe), NPH (Paderborn/Höxter) und ZWS (Westfalen-Süd).




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