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04.11.2009
Das Warten hat ein Ende
Heimatforscher Rudolf Herrmann hat die Geschichte des Gütersloher Bahnhofes aufgearbeitet

Passionierter Eisenbahner | FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN

Gütersloh (NW). Darauf haben viele Reisende ganz lange warten müssen. Auch Rudolf Herrmann. Der pensionierte Bahnmitarbeiter und Hobbyheimatforscher blickt mit großer Freude auf den heutigen Tag und den vor einem Jahr angekündigten ersten Spatenstich zur Sanierung des Gütersloher Hauptbahnhofs: "Endlich ist es so weit. Die letzten Kriegsschäden werden jetzt beseitigt", sagt Herrmann.

Am 14. März 1945, beim größten Luftangriff auf Gütersloh, wurden die Bahnsteige durch Fliegerbomben stark beschädigt. Etwa 15 Bomben fielen auf die beiden Bahnsteige und zerstörten an vielen Stellen die Bahnsteigkanten, Plattenbeläge und die 150 Meter langen Überdachungen.

"Nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen am 1. April 1945 in Gütersloh haben wir Eisenbahner sofort mit der Reparatur und dem Wiederaufbau der Bahnanlagen begonnen", erzählt Herrmann. "Dazu gehörte auch das provisorische Ausflicken der durch Bomben zerstörten Bahnsteigkanten. Ich erinnere mich noch daran, dass wir 1945 die ersten Bombentrichter an den Bahnsteigkanten zunächst mit alten Holzschwellen ausgeflickt haben."

Nach der Währungsreform 1948, als es wieder mehr Baumaterial gab, wurden die beschädigten Stellen mit vorgefertigten, einen Meter langen Bahnsteig­Kantenstücken geschlossen. "Dies hat bis jetzt mehr schlecht als recht gehalten", sagt Herrmann. Stück für Stück seien die Stellen, an denen Bomben eingeschlagen waren, am Belag und den Bahnsteigkanten wieder sichtbar geworden. Der Bahnsteig sackte teilweise ab. Nur notdürftig wurden die Löcher immer wieder mit Asphalt und Beton geflickt.

Rudolf Herrmann hat die Baugeschichte des Gütersloher Bahnhofes ausführlich erforscht. Das erste Bahnhofsgebäude hat in Höhe des heutigen Stohlmannplatzes gestanden. Es wurde am 21. Dezember 1925 durch den Neubau am jetzigen Platz ersetzt. Da die gesamten Bahnanlagen bei der Erweiterung und dem Umbau nach dem Ersten Weltkrieg in der Länge und Breite vergrößert wurden und der TWE-Bahnhof (Teutoburger Wald-Eisenbahn) an der alten Stelle ganz verschwinden musste, war es aus bautechnischen Gründen nicht möglich, Empfangsgebäude und die neuen Bahnsteige gleichzeitig in Betrieb zu nehmen. So konnten die beiden neuen Bahnsteige erst zwei Jahre später, Anfang Dezember 1927, benutzt werden. Der erste Bahnhof der TWE hat dort gestanden, wo sich heute der Bahnsteig 1 befindet.

In Gütersloh nannte man diese zwei Jahre "Die Zeit der 100 Stufen". Die meisten davon befanden sich auf einer provisorischen Holzbrücke über das alte Gleis Richtung Bielefeld, das auch von den Güterzügen benutzt wurde. Wer in Richtung Bielefeld fahren wollte, ging zunächst von der Bahnhofshalle durch den schon fertigen neuen Personentunnel bis zum Ende. Dort wurde dann die schon fertige Treppe zum zweiten Bahnsteig benutzt. Dieser Bahnsteig bestand aus dem halbfertigen neuen und noch bestehendem alten Bahnsteig, der in Höhe des neuen Personentunnels endete. Reisende in Richtung Hamm konnten hier ein- und aussteigen. Um das Gleis in Richtung Bielefeld zu erreichen, musste dies mittels der Holzbrücke überquert werden.

Als 1977/78 die Strecke von Hannover bis Dortmund für Höchstgeschwindigkeiten von 200 Kilometern pro Stunde ausgebaut wurde, mussten einige Begradigungen vorgenommen werden. So wurde zum Beispiel das Gleis 2 am Westende des Bahnsteigs um 80 Zentimeter in Richtung Güterabfertigung verschoben. Es wurden aber nur die Kanten an den Gleisen 2 und 3 neu gesetzt. Für eine komplette Erneuerung der beiden Bahnsteige, was laut Herrmann wirtschaftlich sinnvoll gewesen wäre, war kein Geld vorhanden.

Da die Deutsche Reichsbahn und die spätere Bundesbahn ein Staatsunternehmen war, hat sie nach der Währungsreform 1948 keine Wiederaufbaugelder erhalten und musste die Kosten für die im Krieg zerstörten Anlagen aus den eigenen Einnahmen bezahlen. An eine Modernisierung war deshalb zunächst nicht zu denken.

Wenn die Deutsche Bahn AG diese beiden Bahnsteigkanten erneuert, beseitige sie heute noch Kriegsfolgeschäden, sagt Herrmann. "Aus Geldmangel wurde immer nur geflickt und ausgebessert, aber einmal hat alles ein Ende und das ist jetzt, fast 65 Jahre später gekommen."


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