Gütersloh. Das ist kein Wetter für Möbelverkäufer. Strahlende Sonne, fast frühlingshafte Temperaturen. Hans Alberts gefällt es viel besser, wenn es nieselt und graue Wolken den Himmel verhängen. Denn dann kommen die Kunden in Scharen, um ein Sofa zu bestellen oder einen Küchentisch. Der Leiter des Porta-Markts strahlt aber trotz des tollen Wetters. "Wir haben unsere Ziele übertroffen- und das nicht nur ein bisschen, sondern ziemlich weit." So lautet eine der Erkenntnissen, heute, genau 100 Tage nach Eröffnung des Hauses.
Verkehr läuft rund
Das von Kritikern im Vorfeld der Porta-Eröffnung befürchtete Verkehrschaos ist ausgeblieben. "Da läuft alles reibungslos", sagt Stadtbaurat Josef E. Löhr. Das gelte sowohl für die Friedrich-Ebert-Straße, wo eine zusätzliche Linksabbiegespur eingerichtet wurde, als auch für den Langen Weg und die Holzstraße. Anwohnerbeschwerden? Fehlanzeige. Er rechne auch nach Fertigstellung des neuen Wohngebiets gegenüber von Porta an der Holzstraße nicht damit. Schließlich seien den Häusern Garagenhöfe als Puffer vorgelagert. (raho)
Der Andrang sei in den ersten gut drei Monaten enorm gewesen, sagt Alberts, "das war ein regelrechter Hype". An manchen Samstagen hätten sich um die 15.000 Kunden im Neubau auf dem ehemaligen Pfleiderer-Areal gedrängelt. In diesem Ausmaß sei das nicht erwartet worden. "Wir haben deshalb fast zehn Leute zusätzlich eingestellt."
Apropos Personal: Da der Betrieb vom ersten Tag an auf Hochtouren laufen musste, war die Spannung groß, zumal 55 der 200 Beschäftigten nach langer Arbeitslosigkeit und Intensivschulung bei Porta erstmals wieder im Beruf stand, noch dazu in einem neuen. "Die Mitarbeiter haben das klasse gemeistert", lobt Alberts das Zusammenspiel mit erfahrenen "Portanern". Zugleich ist er froh, dass jetzt etwas Ruhe eingekehrt ist. "Wir sind in der Normalität angekommen."
"Irgendwer muss verloren haben"
Der juristische Streit um die Größe des Möbelhauses habe sich im Geschäftsbetrieb überhaupt nicht bemerkbar gemacht. "Natürlich kaufen auch Kunden aus Rheda-Wiedenbrück bei uns", spielt der Leiter auf die Nachbarstadt an, die im Gegensatz zu Bielefeld ihre Klagen inzwischen zurückgezogen hat.
Und wie hat sich die neue Gütersloher Filiale auf den Umsatz im Bielefelder Porta-Markt ausgewirkt? "Wir haben dort nichts Negatives gespürt." Alberts räumt aber ein, dass irgendwer verloren haben muss; er spricht allgemein von "Verdrängung", nennt keine Namen, lächelt indes so, als kenne er zumindest einen.
Und wie sieht es in Rheda-Wiedenbrück aus, wo die Stadtväter einen kaum zu bewältigenden Kaufkraftabfluss befürchteten? Er kenne keinen Laden, der schon dicht gemacht habe oder der kurz vor der Schließung stehe, sagt Stadtsprecher Martin Pollklas. Aber es sei jetzt noch viel zu früh, um eine Tendenz zu erkennen oder zu behaupten, das Porta keinen Effekt auf die Innenstadt habe.
Umsatzeinbrüche in Rheda-Wiedenbrück
Blick zufrieden drein | FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN
"Das sind in aller Regel schleichende Prozesse", meint Joachim Runde, Vorsitzender des Wiedenbrücker Gewerbevereins. Die Ursache für Umsatzrückgänge liege auch nicht immer klar auf der Hand. Derzeit sei es generell so, dass sich das Einkaufsverhalten ändere. Als Stichworte nennt er den Online-Handel oder Eventshopping. Porta könne in der Entwicklung ein Mosaikstein sein, sagt Runde.
"Jede Biene sticht", meint Margret Reker von der Initiative Rheda. Laut einer Umfrage unter den am meisten betroffenen Geschäftsleute habe es Umsatzeinbrüche vor allem im mittleren Preissegment gegeben. "Das könnte auf Porta hinweisen." Vielleicht sei es auch nur das Neue, was die Verbraucher reize.
Dass es zur juristischen Auseinandersetzung gekommen ist, hält Joachim Runde einerseits für überzogen andererseits für nachvollziehbar, da sich die Stadt wohl hinterher nicht vorwerfen lassen wollte, sich nicht genügend für die eigenen Kaufleute eingesetzt zu haben. Möglicherweise sei es aber nur ein Informationsdefizit gewesen, das zu den Klagen geführt habe.
"Keinerlei Nachwehen"
Inzwischen scheint sich die lange Zeit aufgeheizte Situation abgekühlt zu haben. Als "eher nicht angespannt" stuft Martin Pollklas die Lage ein. Und auch Güterslohs Stadtbaurat Josef E. Löhr meint: "Es gibt keinerlei Nachwehen."
Bleiben nur noch die Klagen der Stadt Bielefeld vor dem Verwaltungsgericht (VG) in Minden und dem OVG in Münster. Zu den Erfolgsaussichten und zu dem Fall an sich äußert sich Bielefelds Anwalt Dr. Bernd H. Schulte nach den bisher erlittenen Niederlagen in den Eilverfahren nur noch zurückhaltend. "Wir wollen den Ball flach halten."
Manchmal, nein oft, glaube ich, viele Leute lesen hier nur, um dann kritische Kommentare zu verfassen. Aber der Mensch an sich ist ja nicht zufrieden, wenn er nichts zu nörgeln hat.
Porta ist für Gütersloh ein Riesengewinn und hat Arbeitsplätze in die Stadt gebracht. Und wenn jetzt noch zusätlich eingestellt wird, umso besser. Gute Sache!