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15.09.2012
HARSEWINKEL
Feuerrotes Vermächtnis
Für Erich Lakebrink ist sein VW-Käfer ein Stück Erinnerung an seinen Sohn
VON EIKE J. HORSTMANN

Ein Stück bleibender Erinnerung: Erich Lakebrink (v.r.), Florian Hinney, Norbert Wyrwol und Dennis Lakebrink. | FOTO: EIKE J. HORSTMANN

Harsewinkel. Es gibt viele Möglichkeiten, die Erinnerung an einen Menschen am Leben zu erhalten. Einigen werden steinerne Denkmäler errichtet, andere als Porträt auf Leinwände gebannt, um die Zeit zu überdauern. Des vor 15 Jahren verstorbenen Uwe Lakebrink wird hingegen mit einem VW-Käfer gedacht.

Der von ihm selbst gebaute Wagen wird seit seinem Tod von seinem Vater und seinen Freunden gepflegt und erfolgreich auf Rennen gefahren – denn was könnte es für einen ausgemachten Auto-Liebhaber passenderes geben, als dass seiner mit einem schon sprichwörtlich ewig rollenden Fahrzeug gedacht wird?

"Er läuft und läuft und läuft" – dieser Slogan trifft auch auf den Käfer von Uwe Lakebrink zu. Gebaut wurde der VW-Klassiker 1993 von Lakebrink mit Hilfe seines Freundes Bernhard "Benno" Krieft. Aus den noch brauchbaren Teilen gleich mehrerer, ansonsten schrottreifer Käfer bauten die beiden Auto-Fans innerhalb von zwei Jahren ihr eigenes, feuerrot lackiertes Schmuckstück.

Dabei bewiesen Lakebrink und Krieft viel Liebe zum Detail und technisches Know-How. Denn der fertige Wagen sah nicht nur gut aus, sondern erwies sich auch als echtes Kraftpaket. Auf sogenannten "Beschleunigungsrennen" – offizielle, auf eigens dafür gesperrten Strecken ausgetragene Rennen über eine Achtelmeile – räumten die beiden Freunde regelmäßig ab.

Info
Selbstgebautes Kraftpaket

- Der Lakebrink’sche Käfer besteht aus Teilen mehrerer Fahrzeuge.
- Das Häuschen stammt von einem Käfer aus dem Jahr 1959. Die Bodengruppe wurde 1969 gefertigt.
- Das Brezelfenster wurde von Uwe Lakebrink eingeschweißt.
- Auch die Motorisierung entspricht nicht ganz dem Original. Der Käfer hat einen 2,3 Liter Typ 1-Motor mit zwei 48er Dellorto-Doppelvergasern.
- Mit satten 150 Pferdestärken schafft der Käfer deutlich über 200 Kilometer pro Stunde. (he)

Auch bei VW-Treffen deutete es sich an, dass das Zweiergespann und sein toller Käfer noch einige Preise gewinnen könnte. Doch daraus wurde nichts. Ein tragischer Unfall riss Uwe Lakebrink 1997 aus dem Leben. "Ich beschloss damals, dass der Wagen im Familienbesitz und so die Erinnerung an Uwe am Leben erhalten bleibt", sagt Erich Lakebrink. "Auch in der Hoffnung, dass mein damals erst fünfjähriger Enkel Dennis irgendwann die Käfer-Begeisterung seines Vaters erbt und die Arbeit an dem Wagen fortsetzt."

Damit das Gefährt in der Zwischenzeit in Schuss gehalten wird und auch weiterhin Pokale und Bestplatzierungen sammelt, sagte Lakebrink Bernhard Krieft finanzielle Unterstützung zu und gewährte ihm freie Hand, was Wartung, Pflege oder Renneinsätze betraf. Einzige Bedingung: Jeweils am 1. Mai muss der Käfer fahrtüchtig sein und Erich Lakebrink zur Verfügung stehen. Denn dann fährt er traditionell mit dem Wagen zum "Maikäfertreffen" nach Hannover – genau so, wie es damals sein Sohn bereits getan hatte.


Die Vereinbarung zwischen Lakebrink Senior und Krieft erwies sich als dauerhafte Geschichte. Auch der Käfer wurde dem klassischen Slogan mehr als gerecht. Die Pokalsammlung wuchs beständig. Und bei den Arbeiten in der Werkstatt, bei denen er seit 2005 Unterstützung von Florian Hinney und Norbert Wyrwol erhielt, gab es erst in jüngster Zeit wieder richtig etwas zu tun.

Gib Gummi: Der Harsewinkeler Volkswagen lässt beim Käfer-Treffen in Bissendorf die Zaungäste staunen.

Im vorvergangenen Winter musste ein neuer Motor gebaut werden. "Und das, obwohl Uwe damals noch gesagt hatte, dass es ein Wunder wäre, wenn der Motor länger als ein Jahr halten würde", sagt Lakebrink. Jetzt zerlegten die Auto-Fans den Käfer noch einmal komplett in seine Einzelteile und brachten ihn mit einer frischen Lackschicht noch einmal richtig auf Hochglanz. Die nächsten Rennen und VW-Treffen können somit kommen. "Auch wenn Erich inzwischen sagt, dass wir lieber Vitrinen als neue Pokale mitbringen sollten", sagt Hinney.

Auch beim nächsten Maikäfertreffen wird der feuerrote Volkswagen bei den Fans wieder für große Augen und verklärte Blicke sorgen. Ob der inzwischen 20-jährige Dennis mal wieder mit seinem Opa im Mai nach Hannover fahren wird, ist dabei nicht ausgemachte Sache. "Noch ist bei ihm der Funke nicht so richtig übergesprungen", sagt Lakebrink. Aber dafür ist wohl auch noch Zeit. Immerhin ist gut dafür gesorgt, dass Uwe Lakebrinks Käfer auch in den kommenden Jahren läuft und läuft und läuft.


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