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17.09.2012
VERL
Pfarrfest mit Mittelalterflair
Gemeinde feiert "500 Jahre St. Anna" bei strahlendem Sonnenschein
VON CHRISTINA WÜSEKE

Perfekte Rekonstruktion | FOTOS: CHRISTINA WÜSEKE

Verl. Das rund 175 Quadratmeter große Feld auf dem Kirchplatz wird von mehreren Masten sowie von einer Schnur umrahmt, einige Fähnchen wiegen sich im Wind – dabei handelt es sich nicht etwa um die Grundfläche eines frei stehenden Mehrfamilienhauses, sondern um den Grundriss der 1512 erbauten Annenkapelle. Und damit um die Keimzelle der Verler Kirchengeschichte.

Im Schatten ihrer Nachfolgerin liegend, der St.-Anna-Pfarrkirche, werden die Dimensionen sichtbar – die kleine Kapelle musste Ende des 18. Jahrhunderts der Kirche weichen. Im Zuge ihres Pfarrfests blickte die Gemeinde am Sonntag auf 500 Jahre Kirchengeschichte in Verl zurück. Und das sehr anschaulich: Pfarrer Hölscher feierte den Familiengottesdienst im Grundriss der damaligen Kapelle auf dem Kirchplatz. "1791 wurde die Annenkapelle abgerissen", erinnerte Christa Klotz, Mitglied des Heimatvereins. "Bis die St.-Anna-Kirche fertiggestellt wurde, vergingen zehn Jahre, Messen wurden in einer Scheune abgehalten."

Auch das anschließende Pfarrfest stand mit Blick auf die Anfänge der Verler Kirchenhistorie unter dem Motto "Mittelalter". Dementsprechend deftig fiel auch das Speiseangebot mit Steckrübeneintopf und Schmalzbroten aus. Ein besonderer Clou aus vergangenen Zeiten: An einer Gutenberg nachempfundenen Presse durfte jeder selbst Hand anlegen und eine Gründungsurkunde der Annenkapelle drucken. Die Druckerpresse ist eine Leihgabe des Museums für Industriekultur Osnabrück. "Der Transport war gar nicht so einfach, schließlich wiegt sie 400 Kilo – das Holz muss sehr massiv sein, um dem Druck standzuhalten", erläuterte Schriftsetzer Olaf Pagenkämper.

Auch im Garten des Pfarrzentrums wurde dem Mittelalter gefrönt, dabei kamen besonders die Kleinen auf ihre Kosten. Während die einen, eingehüllt in Mülltüten, sich dem Fechten hingaben – statt eines Dolches gab es einen in Farbe getunkten Pinsel – ließen es andere am Lagerfeuer bei Stockbrot beschaulicher angehen. Weiter standen Erbsenschlagen, Basteln und Puzzeln auf dem Plan.

Organisiert wurden die Spiele von Messdienern wie zum Beispiel Florian Krax, der das Fechten betreute und erklärte: "Wer den Gegner zuerst mit fünf Farbklecksen versehen hat, ist Sieger." Auch der Kolpingverbund, Kirchenchor, die Schützengilde, der Kindergarten St. Christophorus sowie die Bürgerschützen packten an diesem Tag ehrenamtlich mit an. "Nicht zu vergessen die KfD Verl, die wieder Reibeplätzchen backt", ergänzte Ulrike Verhoven, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates. Für musikalische Unterstützung sorgte der Musikverein Verl.

"Der Bau der Annenkapelle darf als Beginn Verls begriffen werden", so Verhoven, "Mit ihr als Zentrum kamen immer mehr Häuser hinzu." Dem stimmt Matthias Holzmeier, Vorsitzender des Heimatvereins, zu: "Von der Annenkapelle ausgehend, hat der Bau der Kirchen im Verler Land begonnen." Das dokumentieren auch die Ausstellung im Heimathaus und das seit Sonntag erhältliche Heft "500 Jahre Kirchengeschichte im Verler Land". Das Schmuckstück der Galerie ist ein Modell der Annenkapelle. "Die Rekonstruktion zeigt die Kapelle nach dem Anschluss des Turms 1642", erklärt Christa Klotz vom Heimatverein.



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