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17.09.2012
GÜTERSLOH
Kräftig auf Draht
Gütersloher Unternehmen Gustav Wolf feiert 125-jähriges Firmenjubiläum
VON HOLGER KOSBAB

Handstand auf dem Schlappseil | FOTOS: RAIMUND VORNBÄUMEN

Gütersloh. Es sieht alles so leicht aus, wie Sahra Trägner übers Seil geht, auf ihm tanzt, in die Luft springt – und landet. Beim Handstand zeigt sich dann aber die in jedem Teil ihres Körpers spürbare Anspannung. Der Auftritt der Schlappseil-Artistin symbolisiert wunderbar den Drahtseilakt, den die Gütersloher Firma Gustav Wolf seit 125 Jahren betreibt.

Während der Woche hatte Bertelsmann seine Manager-Riege nach Gütersloh kommen lassen, um zu zeigen, wo die Firmenpolitik gemacht wird. Auch der Seile- und Drahthersteller Gustav Wolf hatte das leitende Personal der ausländischen Firmen-Zweige nach Gütersloh geholt – allerdings, um zu feiern. "Es ist ein an dieser Stelle einmaliger Menschenauflauf", sagte Firmenchef Ernst Wolf. Es sei eine große Geburtstagsfeier, zu der die ganze große Familie gekommen sei: "Gäste, die einige Straßen weiter wohnen und Gäste, die tausende von Kilometern angereist sind." Mehrere hundert Gäste feiern in dem Festzelt auf dem Werksgelände, es ist eine Party in der Firmenfarbe Grün. Ballons bilden einen luftigen Kontrast zur Festigkeit der Seile und Drähte, die das Unternehmen von der Sundernstraße in die ganze Welt liefert.

Bei Gustav Wolf gehe man "auf Nummer sicher", sagte Bürgermeisterin Maria Unger. Unter anderem hingen die Aufzüge im Gütersloher Bahnhof an Wolf-Seilen. Die Firma habe mit Qualität Geschichte gemacht.

"125 Jahre erfolgreich zu sein, heißt, sich ständig anzustrengen", sagte Markus Miele, geschäftsführender Gesellschafter von Miele & Cie, Vorsitzender des Unternehmerverbandes für den Kreis Gütersloh und Vizepräsident der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld. Mit dem 113 Jahre alten Unternehmen Miele und Bertelsmann (177 Jahre) habe Wolf gute Nachbarn. In 125 Jahren hätten mehrere Generationen das Firmenschiff gelenkt, sagte Harald Grefe, stellvertretender IHK-Geschäftsführer. Die Aufgabe des heutigen Chefs Ernst Wolf sei die Internationalisierung gewesen. Damit sei es ein Beispiel für ein erfolgreiches, familiengeführtes Unternehmen, das in seiner Nische zur Spitze zähle.

Die Unternehmensgruppe Gustav Wolf habe sich "nicht nur die Glut bewahrt, sondern das Feuer von Generation an Generation weitergegeben", sagte Eckart Lüling vom Vorstand der Eisendraht- und Stahldraht-Vereinigung. 1887, im Gründungsjahr des Gütersloher Unternehmens, habe es in Deutschland mehr als 100 Drahtzieher gegeben, heute seien es noch 17, von denen sieben eine bedeutende Rolle spielten, sagte Stephan La Roche, Vorsitzender der Drahtseil-Vereinigung.

Zum Schluss blickt im Schnelldurchlauf noch einmal Firmenchef Ernst Wolf zurück – und nach vorn. Jedes Unternehmen sei gehalten, sich den Veränderungen und Entwicklungen des Marktes anzupassen. Nach dem Aufbau und der Konsolidierung folge die Expansion. Die Neuorientierung habe Wolf vom lokalen zum globalen Spieler gemacht. Devise: Neue Technik, neue Produkte, neue Märkte sichern. Als Hobbysegler wisse Ernst Wolf, dass die Windrichtung sich nicht bestimmen lasse, man die Segel aber richtig setzen kann. Heißt: Er werde auch in Zukunft aufs richtige Seil setzen – und auf Draht sein.



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