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15.11.2012
Halle
"Soziales Engagement ist Chefsache"
Gerry Weber International AG wird mit dem Sozial-Oscar ausgezeichnet
VON NICOLE DONATH

Verstehen sich gut | FOTO: NICOLE DONATH

Halle. Dieses Projekt war von Anfang an Chefsache: das Engagement für den "wertkreis Gütersloh" (ehemals Werkstatt für Behinderte) sowie die Integration leistungsgeminderter Menschen in den Arbeitsalltag. Gestern wurde die Gerry Weber International AG dafür mit dem Sozial-Oscar ausgezeichnet.

In Anwesenheit von Landrat Sven-Georg Adenauer und Kreisdirektor Christian Jung übergab Schirmherrin Karin Miele den mit 5.000 Euro dotierten Preis. Ein Preis, der mittlerweile zum achten Mal vom Kreis Gütersloh und der Gütersloher Stiftung für psychisch kranke und geistig behinderte Menschen ausgeschrieben worden war, und der bei Gerhard Weber große Freude auslöste: "Es war mir von Anfang an ein Anliegen, all jene zu unterstützen, die nicht auf der glücklichen Seite des Lebens stehen", erklärte der Vorstandsvorsitzende. "Und weil es an dieser Stelle jemanden braucht, der sich intensiv und dauerhaft kümmert, habe ich das persönlich in die Hand genommen." Der Preis gebühre allerdings allen Beteiligten – auch den Betreuern des "wertkreises Gütersloh" sowie den Mitarbeitern bei Weber, die die Integration der Menschen im Arbeitsalltag des Unternehmens unterstützten.

Seit 1993 arbeitet die Gerry Weber International AG mit dem "wertkreis" zusammen, seit 1995 hat das soziale Engagement mit einer 125.000-Euro-Spende für den Neubau einer Halle für therapeutisches Reiten finanziell größere Dimensionen angenommen: "Seitdem besuchen wir während der Gerry Weber Open verschiedene soziale Einrichtungen mit internationalen Tennisstars", berichtet Gerhard Weber.

Ein Kinderhospiz. Eine Kinderkrebsklinik. Förderschulen. Oder Einrichtungen für behinderte Menschen. "Und es ist jedes Mal ein großes Hallo, wenn wir kommen: Die Menschen stehen bereits vor der Tür und wissen so viel über Sportler wie Patrik Kühnen, Thomas Muster oder Nicolas Kiefer, dass es eine Freude ist. Ein Therapiepferd wurde nach Jimmy Connors benannt und verrichtet heute noch seinen Dienst."

Darüber hinaus hat Weber die Zusammenarbeit mit dem "Wertkreis" auch in anderer Hinsicht intensiviert und integriert seit 2010 Menschen mit verschiedenen Behinderungen im Unternehmen. Aktuell sind es fünf – zwei von ihnen in der Buchhaltung und zwei weitere im Retail der Zentrale in Halle, wo sie vor allem den Post- und Rechnungseingang betreuen.

Ein weiterer Mitarbeiter leistet tatkräftige Unterstützung im Lager des Outlets in Brockhagen und schon jetzt gibt es Pläne für eine Ausweitung der Kooperation, indem weitere Arbeitsplätze im administrativen Bereich entstehen sollen. Katharina Aust gehört bereits seit über zwei Jahren zu dem Kreis und wurde zum 1. November dieses Jahres sogar in eine Festanstellung übernommen: "Gerry Weber bietet mir die Möglichkeit gleichwertig und auf Augenhöhe mit gesunden Menschen arbeiten zu können. Diese Chance bieten in der heutigen Zeit leider (noch) zu wenige Arbeitgeber."

Wie Wolfgang Büscher, stellvertretender Vorsitzender des "wertkreises" betonte, sei man sich innerhalb der Jury in diesem Jahr sehr schnell einig gewesen, dass für den Preis in diesem Jahr nur die Gerry Weber International AG in Frage komme. Dabei solle die Auszeichnung auch eine Positivwerbung darstellen und andere Unternehmen dazu ermutigen, denselben Weg einzuschlagen, ergänzte Judith Schmitz von der Abteilung Soziales im Kreis Gütersloh. Schirmherrin Karin Miele hob nicht zuletzt die große Chance hervor, als Mensch mit Behinderung die Gelegenheit zu erhalten, zu einem Arbeitsplatz in einer normalen Firma gehen zu können: "Viele der Betreffenden waren früher gesund und für sie ist es wichtig, auch weiterhin in einem Umfeld von gesunden Menschen arbeiten zu können. Nur so können sie sich weiterentwickeln."

Der Preis, so Karin Miele abschließend weiter, sei aber auch deshalb so besonders, weil er eine "menschliche Note" habe, ein Beifall der anderen Art. Das sieht auch Gerhard Weber so. Personalleiter Dirk Wefing kündigte während der Preisverleihung deshalb an, dass die 5.000 Euro Preisgeld wieder in soziale Zwecke investiert werden. Im neuen Ausbildungsjahr soll ein zusätzlicher Ausbildungsplatz für einen jungen Menschen geschaffen werden, der aufgrund einer Beeinträchtigung schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat.



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