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24.11.2012
Harsewinkel
Cyber-Mobbing nimmt Überhand
Berichte der Schulsozialarbeiter vor dem Ausschuss

Harsewinkel (rz). Wüste Beschimpfungen, Beleidigungen und sogar Bedrohungen – das ist der Alltag für viele junge Menschen, die sich in ihrer Freizeit in den sozialen Netzwerken wie Schüler-VZ oder Facebook tummeln. Das so genannte "Cyber-Mobbing" wird immer mehr zu einem ernsten Problem.

Das wurde auch am Mittwoch deutlich, als die an den Harsewinkeler weiterführenden Schulen tätigen Sozialarbeiter vor dem Schul-, Kultur- und Sportausschuss ihre Berichte über das vergangene Jahr vorlegten. Andreas Tack (eine Stelle in Trägerschaft der AWO) und Judith Hüffer (eine halbe Stelle) sind an der August-Claas-Schule tätig, mit einer halben Stelle (AWO) steht Susanne Austermann in der Realschule als Ansprechpartnerin zur Verfügung, während Michael Kirk mit einer Dreiviertelstelle die Schulsozialarbeit in Trägerschaft der evangelischen Kirche am Gymnasium betreut.


"Das Mobbing beginnt schon im fünften Schuljahr. Und es geht dabei richtig zur Sache, die Kinder machen sich zum Teil regelrecht nieder", beschrieb Andreas Tack die Situation in der Hauptschule. Cyber-Mobbing sei ein "Phänomen der Zeit", das nur mit Unterstützung der Eltern eingedämmt werden könne – daran hapere es aber in vielen Fällen. Angesichts noch gravierender Vorfälle, Tack erwähnte hier drei Fälle von sexuellem Missbrauch im vergangenen Jahr, seien die Internet-Streitereien aber noch "eher harmlos".

Drogen- und Alkoholmissbrauch, Streit und Gewalt, Persönlichkeitstörungen und Schulverweigerung sind das tägliche Brot der Schulsozialarbeiter. Durch umfangreiche Beratungstätigkeit bemühen sich die Fachkräfte, die Spannungen abzubauen und die kleinen und großen Probleme, mit denen sie täglich konfrontiert werden, zu lösen.

Vor knapp einem Jahr gab Michael Kirk seinen Job als Leiter des Marienfelder Jugendhauses "Trockendock" auf und wurde Schulsozialarbeiter am Gymnasium. Erstmals gab er in dieser Funktion vor dem Schulaussschuss einen Rechenschaftsbericht ab. "Es klappt ganz gut", sagte er zurückhaltend. Vor allem ab der 11. Klasse könnten die Schüler etwaige Probleme untereinander regeln, und auch das Mobbing im Internet nähme in den höheren Klassen ab. Auch am Gymnasium brächten einzelne Kinder mit familiären und psychischen Problemen sowie mit Verhaltensauffälligkeiten manchmal den Schulbetrieb durcheinander. "Darunter leidet oft die ganze Klasse, und die Lehrer sind überfordert", so Kirk. Einige Eltern verführen nach dem Motto "Hier ist mein Kind – und macht mal". Sie begriffen nicht, dass ihr Sprössling möglicherweise an einer Gesamtschule besser aufgehoben wäre. Zudem fehle es an Geld, weil es keinen Etat für die Schulsozialarbeit gäbe: "Ich kann mir nicht einmal einen Bleistift kaufen", klagte Kirk.

Neben diesen negativen Erfahrungen habe er aber auch viel Positives erlebt. Er sei gut am Gymnasium aufgenommen worden: "Die ganze Schule hat sich gefreut". Besonders in der Erprobungsstufe habe er gesehen, wie wichtig es sei, Kinder an die Hand zu nehmen, wenn es Probleme beim Lernen und im Elternhaus gäbe.

Kirk, der auch den Ganztag am Gymnasium mitorganisiert, freut sich über das Engagement der älteren Schüler, die sich als ehrenamtliche Mitarbeiter für AGs der Erprobungsstufe zur Verfügung stellen. Es sei stolz, dass sich Schüller aus der Oberstufe bereit gefunden hätten, einen Pausenraum für die Mittelstufe zu gestalten. Auch die Tatsache, dass das Soccerfeld und der Seilgarten auf dem Pausenhof der Erprobungsstufe realisiert werden konnten, sei ein ermutigendes Zeichen.



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