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17.11.2012
Herzebrock-Clarholz
Das Licht der Zukunft

Flach, filigran und funktional | FOTOS: HENRIK MARTINSCHLEDDE

Herzebrock-Clarholz. Lichttechnisch gesehen kommt der Mensch nicht zur Ruhe. Kaum hat er, widerstrebend zumeist, sich dem Gesetzgeber beugend und der Umwelt zuliebe Glühbirnen gegen Energiesparlampen ausgetauscht, droht ein neuer Trend. LED, so sagen die Experten, wird die Lichttechnologie so tiefgreifend verwandeln wie einst die Digitalisierung die Fotografie. Ein Unternehmen, das sich frühzeitig auf diesen Wandel eingestellt hat, ist die Zett Lite Lighting GmbH (ZLL) in Herzebrock-Clarholz.



Geschäftsführer Dr. Marcus Liehr baut zur Zeit. In Halle. In seinem neuen Haus wird es nur ein Leuchtmittel geben: LED, zu deutsch Licht emittierende Diode. Damit ist er den meisten Bauherren und seinem eigenen Unternehmen voraus.

Info

Zett Lite Lighting

Die Zett Lite Lighting GmbH (ZLL) mit Sitz in Herzebrock-Clarholz (150 Mitarbeiter) gehört zum Unternehmen der Braunschweiger Zett Optics-Gruppe. Die Ursprünge gehen auf das Jahr 1948 zurück. Das von Otto Liehr gegründete Unternehmen ist rasch gewachsen, so dass aus der ursprünglichen Handelsvertretung für Lampen und Leuchten ein führender Produktionsbetrieb geworden ist. 2011 musste Geschäftsführer Dr. Marcus Liehr Insolvenz anmelden. Durch die Kooperation mit dem Zett Optics-Gruppe erlebte das Unternehmen einen Aufschwung.  

Das Konferenzzimmer von ZLL ist noch komplett mit Leuchtstofflampen ausgestattet, sozusagen die Standardbeleuchtung deutscher Büros. Wie Zett Lite auch in der Produktion noch zu etwa 80 Prozent Lichtsysteme mit konventionellen Röhren anbietet. Das ist dem schwerfällig reagierendem Markt und dem – vielleicht durch ersteres bedingt – noch zögerlichen Verbraucherverhalten geschuldet.

Flink legt Liehr einige Charts auf. Innerhalb von zehn Jahren, so lauten die Prognosen des Unternehmensberatung McKinsey, wird LED sein globales Marktvolumen steigern und mit einem 70-prozentigem Anteil zur dominierenden Technologie aufsteigen. "Wer sich jetzt nicht auf diesen Trend vorbereitet, wird sich auf dem Markt nicht mehr behaupten können", sagt Liehr.

Sein Unternehmen ist es. Von den Leuchtstoffröhren gut ins Licht gesetzt, sind im Konferenzzimmer die neuesten LED-Produkte ausgestellt. Zwei Sparten bedient ZLL mittlerweile: die Marke Lite-Licht für professionelle Zwecke und Star-Licht für den privaten Kunden.

Im Profi-Bereich ist die LED-Technik bereits unschlagbar. Weil sie, etwa in Showrooms von Autohäusern oder in Boutiquen das Objekt zielgenau ausleuchtet und dabei keine Infrarot- oder UV-Strahlen aussendet, entscheidend etwa für die Beleuchtung von wertvollen Kunstwerken. Das Herzebrocker Unternehmen hat für diesen Zweck spezielle Strahler entwickelt. Ein Modell wurde erst kürzlich mit dem "red dot award", einem Preis für Industriedesign ausgezeichnet.

Unauffällig, von den meisten wohl unbeachtet, haben die Leuchtdioden aber auch im Alltag Einzug gehalten. Sie sind in Autoscheinwerfern oder Flutlichtanlagen zu finden, in Taschenlampen, in Ampelanlagen, sie beleuchten Treppenstufen in Büros oder öffentlichen Gebäude, unauffällig, aber mit hoher Effizienz. Vorteile wie geringerer Wartungsaufwand, Vibrationsbeständigkeit und vor allem eine längere Lebensdauer haben Stadtkämmerer ebenso überzeugt wie die Autoindustrie oder die Architekten. "Überall dort, wo Licht oft und lange gebraucht wird, lohnt sich LED", sagt Liehr und legt weitere Charts auf. Selbst ständiges Ein- und Ausschalten und niedrige Temperaturen überstehen LED-Leuchten klaglos.

"Die Lebensdauer übersteigt die von herkömmlichen Glühbirnen um ein 30faches", sagt der Geschäftsführer. Bis zu 80 Prozent Energie ließen sich mit LED einsparen. Und Giftstoffe wie etwa Quecksilber, das die Energiesparlampe in Verruf gebracht hat, enthalte LED nicht. Auch das werde von der Lichttechnologie zukünftig verlangt.

Licht leuchtet nicht nur aus, es ist das Mittel, Raum und Gegenstände in Szene zu setzen. Die Stadt Rietberg ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie eine ganze Altstadt durch LED illuminiert an nächtlichem Charme gewinnen kann. Kaum ein Küchenhersteller, der Arbeitsplatten oder Schränke nicht mittlerweile mit versteckten LED-Leisten ausrüstet. Eine im Herzebrocker Unternehmen entwickelte Leuchte fürs Bad wechselt, von einer Fernbedienung gesteuert, Lichtstärke und Farbe.

Doch nicht immer und nicht für jeden eignet sich LED derzeit, sagt Liehr. Ein einfacher Austausch der modernen Leuchtmittel in etwa für Leuchtstoffröhren entwickelte Körper mache nicht immer Sinn. Die Hülle muss den Eigenschaften des LED, also das punktgenau Abstrahlen des Lichts, auch angepasst sein. Aber dort, wo das gesamte Lichtsystem erneuert wird, sei LED unschlagbar, sagt Liehr. Sein Unternehmen berechnet exakt, zu welchem Zeitpunkt sich die Investition durch Einsparung von Energie- und Wartungskosten lohnt.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Noch ist LED in der Anschaffung eine teure Investition. "Der Preis beginnt aber interessant zu werden, sehr interessant", sagt Liehr.



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