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11.11.2012
Rheda-Wiedenbrück
Tönnies will an die Börse
Lösung für schwelenden Familienstreit
VON MARTIN KRAUSE

Im Fernsehen | SCREENSHOT

Rheda-Wiedenbrück. Ein Börsengang könnte die Lösung für den seit einem Jahr schwelenden Familienstreit im Schlachtkonzern Tönnies sein. Das deutete Firmenchef Clemens Tönnies (56) gestern im Sender Phoenix in einem Interview an. Im Moment sei das Unternehmen für einen solchen Börsengang allerdings noch nicht reif. Daher müsse es zuvor noch besser aufgestellt werden. Aber "in spätestens 10 Jahren muss es so weit sein".

Im Gespräch ließ Clemens Tönnies durchblicken, dass er nicht restlos begeistert von der Aussicht ist. So würden die Vorteile eines Familienunternehmens wie etwa die kurzen Entscheidungswege bei einem Börsengang aufgegeben. "Wir werden institutioniert", so Tönnies. Doch es gebe dadurch eben Möglichkeiten, die heutigen Probleme in der Familie zu lösen. "Ich bin bereit, im Sinne des Friedens über einen Börsengang nachzudenken", sagte er und bekräftigte später, dass er dies auch tatsächlich vorhabe.

Bei dem Familienzwist geht es um einen Machtkampf zwischen Clemens Tönnies und seinem Neffen Robert. Der ist einer der beiden Söhne des 1994 gestorbenen Firmengründers Bernd Tönnies. Robert hatte seinem Onkel, der bis dahin nur über 40 Prozent der Firmenanteile verfügte, 2008 eine Schenkung über 5 Prozent gemacht. Weitere 5 Prozent überließ Roberts Bruder Clemens jr. dem Onkel. Die beiden Familienzweige verfügen jetzt also über jeweils 50 Prozent der Anteile.

Robert fordert sein Geschenk aber "wegen groben Undanks" wieder zurück, weil er sich hintergangen fühlt. Er wirft Clemens Tönnies private Investitionen bei der Übernahme des Wurstherstellers Zur Mühlen und beim Aufbau von Schweinemastbetrieben in Russland vor – Investitionen auf eigene Rechnung, am gemeinsamen Konzern vorbei.

Er habe zu seinen Neffen eigentlich ein gutes Verhältnis gehabt, gab Clemens Tönnies dazu gestern zu Protokoll. Roberts Rechtsanwalt (der auf Familienstreit spezialisierte Stuttgarter Anwalt Mark Binz) aber mache aus einem kleinen Streit einen großen Streit. Und "der profitiert selbst gewaltig".

"Derselbe Fahnder nimmt uns jetzt wieder hopp"

Der Streit stehe auch im Hintergrund der jüngsten Durchsuchungen von Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung bei Tönnies. Der Fahnder, der schon vor Jahren selbst bei der Formulierung einer anonymen Anzeige mitgewirkt habe, "nimmt uns jetzt wieder hopp, das darf nicht sein". Eine "Sauerei" seien die Vorwürfe gegen die von seiner Frau geführte Stiftung, die schwerkranken Kindern helfe.

Wenn Robert meine, sein Onkel müsse ihm dankbar sein, dann befinde der Neffe sich nicht auf dem richtigen Weg, kritisierte der Konzernherr. Als er 1994 an die Stelle seines Bruders Bernd getreten sei, habe der Konzern bei 500 Millionen Mark Umsatz eine Eigenkapitalquote von 4,12 Prozent gehabt. In diesem Jahr aber werde das Unternehmen die Marke von 5 Milliarden Euro Umsatz überschreiten und habe 60 Prozent Eigenkapital. Er habe dafür mit seinen Mitarbeitern mehr als 30 Jahre lang im Sinne der Familie und des Unternehmens "hart gearbeitet".

Der Konzern werde in den nächsten Jahren weiter wachsen, vor allem im Ausland, sagte Tönnies. Der russische Markt hat dabei offenbar besonders große Bedeutung. Gut gelaunt erzählte Tönnies, wie er Kontakt knüpfte zu Alexej Miller, dem Chef des riesigen Gazprom-Konzerns, und ihn 2006 als Sponsor für Schalke 04 gewann. Beim ersten Besuch in der Gazprom-Zentrale habe er gedacht: "Mein lieber Mann, ein großer Laden, der kann ganz schön was ausspucken für uns . . ."

Inzwischen ist Tönnies selbst Investor in Russland und kennt auch Präsident Wladimir Putin persönlich. Er habe in Putins Residenz mit ihm am Kamin gesessen ("Ich glaube, dass Putin Russland unheimlich gut tut") und bringe ihm immer selbstgemachtes Schweine-Eisbein mit: "Der isst sehr gern Fleisch." Außer über Tönnies’ Investitionen in Schweinemast und Schlachtbetriebe in Russland spreche er mit Putin auch über Fußball und Schalke. "Aber er kümmert sich nicht um die Aufstellung." 

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