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25.11.2012
Rheda-Wiedenbrück
Echte Typen
Peter Menne hat die Stadt und ihre Bürger gemalt
VON MARION POKORRA-BROCKSCHMIDT

Mit Bildern von Landfrauen | FOTO: MARION POKORRA-BROCKSCHMIDT

Rheda-Wiedenbrück. "Den kenn’ ich doch", dachte Peter Menne gestern morgen, als Christoph Beilmann im Foyer des Rathauses vor ihm stand, um zu sehen, welche Arbeiten der Künstler dort aufhängt. Persönlich begegnet sind sich Menne und der Stadtführer noch nie, gemalt hat er ihn trotzdem. Beilmann ist einer von vielen Rheda-Wiedenbrückern die Menne auf dem Image-Plakat der Stadt verewigt hat.

In Auftrag gegeben wurde es, als "ein schönes Abbild der vielen Menschen, die sich in Vereinen und Verbänden engagieren und das Ihre dazu beitragen, dass Rheda-Wiedenbrück so lebens- und liebenswert, so bunt und abwechslungsreich ist", hat Pressesprecher Martin Pollklas auf der Rückseite des Bilderborgens geschrieben.

"Ich weiß, wie die Menschen hier ticken"

Es ist das sechste Image-Plakat, das Menne, 1962 in Delbrück geboren, kreiert hat – alle für westfälische Kommunen. "Ich weiß wie die Menschen hier ticken, das sind Typen, mit denen ich mich identifizieren kann", sagt der Mann, der seit 20 Jahren in Brandenburg lebt. Spricht er von seiner Heimat, meint er Ostwestfalen-Lippe.


Dass ihm der Menschenschlag in Westfalen liegt, sieht man seinen Arbeiten an. Neben dem Plakat zeigt Menne im Foyer des Rathauses auch Illustrationen, Skizzen und Karikaturen. Er überzeichnet die Figuren nur leicht, ist eher satirisch als kritisch. Mies macht er die Leute nicht. Er findet Westfalen "schrullig und liebenswert", spielt wohlwollend mit Klischees wie Sturheit. Seine Arbeiten sind lebensfroh, zeigen das, was Spaß macht – essen und trinken, feiern und lachen. Auffällig sind die großen Nasen auf manchem Bild. "Man bringt doch unwillkürlich seine eigene Physiognomie ein", meint Menne dazu augenzwinkernd.

Kennen gelernt hat er Rheda-Wiedenbrück bei einer "tollen Stadtführung" von Pollklas. Der lieferte dem Künstler auch Porträts von Rheda-Wiedenbrückern, die auf das Bild sollten. Mit einer Tuschefeder flitzt beispielsweise der Künstler Karl-Heinz Essig durch die Gegend, die Dichterin Luise Hensel hält ein Buch in der Hand und der Reporter Wilhelm Ide macht sich, seine Kamera umgehängt, Notizen. Sie sind nur einige von vielen Figuren, die auf dem Wimmelbild zu entdecken sind.

Es macht Spaß, auf dem Plakat Rheda-Wiedenbrück zu erkunden. Zu sehen gibt es neben charakteristischen Gebäuden wie dem Schloss, Haus Aussel, der Barockkirche St. Vit oder dem Wiedenbrücker Marktplatz ganz viel anderes. Fledermäuse und Frösche weisen auf den Naturschutz hin, die Stadtwache läuft mit ihrer Kanone auf, Tanzmariechen schwingen ihre Beine, Fürstliche Trompeter machen Musik, ein Bildhauer arbeitet an einer Figur, Sofas und Sessel weisen auf die Möbelindustrie hin, eine Tür auf die Westag und Getalit AG, ein Schwein, ein Rind und eine Kuh lugen über einen Zaun – jedes Detail hat eine Bedeutung.

Menne kannte die Kreuztracht und das Schloss in Rheda-Wiedenbrück. Bei allem anderen, was er in seinem Bild untergebracht hat, holte er sich Tipps von Pollklas. Mit Filzstift malte er die ersten Figuren und Gebäude, scannte sie ein, fügte sie am Computer zusammen. Als alles passte, druckte er das 102 mal 74 Zentimeter große Bild aus. Auf gutem Papier tuschte er es erneut und colorierte es. Insgesamt brauchte er für seine Arbeit vier Monate.

Menne hat zwar Besonderheiten der Stadtteile gemalt, "aber eigentlich geht es mir um das Miteinander in Rheda-Wiedenbrück", sagt er. Die Typen schaffen Identitäten, ziehen die Ortsteile zusammen. Der Künstler ist sich sicher, dass das ab Samstag, wenn die Ausstellung eröffnet wird, nicht nur auf dem Papier so sein wird. "Das Bild schafft ein Wir-Gefühl für Rheda-Wiedenbrück".



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