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27.11.2012
Rheda-Wiedenbrück
Gemütlich, aber scharfzüngig
Richard Rogler zieht über vieles her – und erlaubt sich auch einen Ausrutscher
VON ROLF BIRKHOLZ

Professor mit Pose | FOTO: RB

Rheda-Wiedenbrück. Wegen der Gesundheit, aber auch um von der Politik runter zu kommen, hat Richard Rogler es mit Sport versucht. Doch Walking und Jogging machen für ihn – das Auge läuft mit – rein optisch keinen gesunden Eindruck. Yoga wiederum hemmt seinen Bewegungsdrang. Und seit beim Stretching Kopf und Füße zeitweilig verschiedene Postleitzahlen hatten, versucht der Kabarettist, sich und sein Publikum wieder mit Politik laut Programmtitel in "Stimmung" zu bringen. Rund 500 Besucher waren dazu ins Reethus gekommen.

Denen hält Rogler zunächst einmal die Südverfallenheit der Deutschen vor, den Hang, eine Art Mittelmeerlebens-Stil einzuführen. "Der Deutsche sitzt immer mehr draußen", klagt Rogler. Dabei sei doch eigentlich bekannt: "Der Deutsche sitzt grundsätzlich innen, beim kalten Pils, schlecht gelaunt."

Und in dieser Stimmungslage ist der Franke aus Köln doch recht schnell im von der Kanzlerin ("der atomare Wendehals") dirigierten Politikbetrieb. Das Kabinett ist ihm kaum der Rede wert. Aber der bald "heiligen Angela" widmet er ausführliche biographische Nachforschungen, enthüllt, dass sie eigentlich gut ostdeutsch Mandy geheißen habe und genetische Anteile von Margaret Thatcher und Inge Meysel besitze.

"Ich wollte heute Abend eigentlich überhaupt nichts Politisches sagen", besinnt sich Rogler dann. Politik gelte inzwischen ja als uncool, Parteien seien "Vereine für Menschen, die auf natürlichem Weg keine Freunde finden". Heute dränge es im Übrigen alle in die Mitte, "da knubbelt sich alles". Vorbei die Zeiten, als "die SPD persönlich einen Arbeiter kannte". Und während Gerhard Schröder nach der Amtszeit in der Wirtschaft Geld verdiene, sage sich Kandidat Peer Steinbrück: "Kanzler werde ich nicht, also fange ich vorher schon ein bisschen an."

Von den Grünen fürchtet der scheinbar gemütliche, aber scharfzüngige Plauderer eine Ampelabgabe (zwei Euro einwerfen, damit sie auf Grün springt), die "unter Artenschutz" stehende FDP wird weitgehend geschont. Die Linke gefalle ihm, bekennt er, wenn auch "nicht gerade politisch".

Dann argumentiert Rogler, der seit 2000 als erster Honorarprofessor in Deutschland über "Kabarett" liest, gegen die um sich greifende Heimwerkerei, gegen den Trend zum Spätgebären, die Erziehungsratgeberei und das jugendliche Auftreten von Senioren: "Früher war man mit 65 eine Erscheinung, mit Anzug und Stock."

Der 63-Jährige trat genau passend im schwarzen Anzug auf – noch aber ohne Stock. Dass er gegen Ende des Abends – zum Glück folgenlos – ausrutschte, war dem Bühnenboden geschuldet. Es mochte aber an einen Ausrutscher im Programm erinnern, den Rogler sich leistete, indem er die rituelle Beschneidung von (jüdischen) Knaben unter dem Aspekt "Religionsgemeinschaften mit gefährlichen Bräuchen" abhandelte, statt vor dem Hintergrund des Völkermords. Satire mag im Prinzip alles dürfen. Aber darf sie in Deutschland nach der Schoah schon wieder gegen existentielle jüdische Belange "Stimmung" machen? Zwar bröckelt hier der gesellschaftliche Konsens. Muss gehobenes Kabarett das aber noch fördern?

Sonst jedoch war Rogler ganz auf der Höhe. Viel Beifall.



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