Schloß Holte-Stukenbrock. Golden verzierter Stuck an den Decken, arabische Verse aus dem Koran, die mit schwungvollen Pinselstrichen Wände verzieren, dicke weiche Teppiche, in denen die Füße ganz sacht versinken und die niemals mit Straßenschuhen betreten werden dürfen. Eine digitale Tafel, auf denen die fünf Gebetszeiten des Tages in roten Ziffern aufleuchten. Den Besuchern, die zum Frühlingsfest an die Oerlinghauser Straße 2 gekommen sind, offenbaren sich die Geheimnisse der muslimischen Welt.
Führungen für Schulklassen
Die türkische Gemeinde in Schloß Holte-Stukenbrock besteht seit 1978. Zunächst beheimatet an der Gerhard-Hauptmann-Straße, dann am Ostpreußenweg, siedelten die Mitglieder Ende der 90er Jahre in das leerstehende Hotel "Zur alten Post" an der Oerlinghauser Straße um, das sie in Eigenleistung renoviert haben. Neben den Gebetszeiten fünfmal täglich und insbesondere dem Freitagsgebet, leisten die Mitglieder Jugendarbeit, bieten Nachhilfe an, absolvieren Krankenbesuche und Sterbebegleitung. Der Verein bietet auch Moscheeführungen an, etwa für Schulen. Gelegenheiten zur Information gibt es für alle Bürger außerdem beim Sommerfest, das vom 7. bis 10. Juni stattfinden wird. (kap)
Viele Menschen, die an dem Haus nahe der Bahnschienen vorbeifahren und das Schild mit der Aufschrift "VFIB Schloß Holte, Selimiye Camii" lesen, dürften sich die Frage gestellt haben, was sich dahinter verbirgt. "Der Verband der islamischen Kulturzentren e.V. in Köln hat die Immobilie im Jahr 1999 gekauft", erläutert Caskun Kircali. Der 44-Jährige ist Kassenwart des Vereins zur Förderung der Integration und Bildung (VFIB). Dieser Verein, dem momentan 180 Mitglieder angehören und dessen 1. Vorsitzender Engin Aris ist, hat das mehrstöckige Haus seit 2005 gemietet.
Im Innern der Moschee befinden sich die Teestube, Jugendräume und getrennte Gebetsräumen für Männer und Frauen. Zu erreichen durch separate Eingänge. "Vor dem Gebet werden Hände, Arme, Gesicht und Füße gewaschen", erläutert Imam (Vorbeter) Muhammet Yamaner bei der Führung durch die in den vergangenen Jahren nach und nach durch Spendengelder renovierten Räume. "Die Waschung ist Pflicht, ohne sie darf man nicht beten oder den Koran anfassen." Auch, dass Frauen zur Gebetszeit das Kopftuch tragen, stehe im Koran, betont Yamaner. "Gezwungen werden kann aber niemand." Metin Eser, Integrationsbeauftragter des SPD-Ortsverbandes, hat die Zeilen des Koran anders verstanden.
Eser ist es wichtig, den kulturellen Dialog zu suchen und zu fördern, dazu beizutragen, dass Muslime und Christen aufeinander zugehen, sich besser verstehen. "Wir müssen offen diskutieren. Was man nicht kennt, davon hält man Abstand." Coskun Kircali und die anderen Mitglieder des Vereins VFIB "merken, dass die Skepsis groß ist".
Deshalb haben sie zum Frühlingsfest unter anderem die Fraktionsvorsitzenden und den Bürgermeister eingeladen. "Er ist bislang noch nie hier gewesen", sagt Coskun Kircali und verweist darauf, dass der VFIB bereits seit Ende der 70er Jahre in Schloß Holte-Stukenbrock tätig ist, dass 60 Prozent der 180 Mitglieder die deutsche Staatsbürgerschaft haben und gut integriert sind. "Mittlerweile wächst die vierte Generation heran."
Natürlich werde es immer schwieriger, die Kultur der Großväter und Großmütter zu vermitteln. "Wir wollen helfen, dass sich die Jugendlichen zwischen den Kulturen nicht verloren fühlen", sagt Kircali. Den goldenen Mittelweg zu finden, "das ist unser Ziel". Eine Etappe ist mit der Fertigstellung der neuen Treppe hinauf zu den Schulungsräumen für die Jugend erreicht. Neutraler gehalten sind sie, mit moderner Technik ausgestattet. Im Hof der Moschee ein anderes Bild. Hier können die Besucher den Gaumen mit orientalischen Speisen wie Köfte (Frikadellen), Tavuk (Hähnchen) oder Baklava (süßes Blätterteiggebäck) der türkischen Esskultur annähern. Annäherung insgesamt, das sei auch die Grundlage des kulturellen Dialogs, betont Metin Eser.