Schloß Holte-Stukenbrock. Die Stadtwerke Bielefeld verlieren einen Kunden und werden in drei Jahren Schloß Holte-Stukenbrock nicht mehr Trinkwasser beliefern. Das hat am Dienstagabend überraschend der Stadtrat beschlossen.
Ab 2015 wird die Stadt selbst Trinkwasser aus der Tiefe des Hofes Kipshagen fördern. Nach sechs Jahren und 40.000 Euro für Gutachten und Probebohrungen schien noch vor einem Monat das Thema so gut wie erledigt. Begründung des Stadtentwicklungsausschusses: unwirtschaftlich und unsicher.
Die Wende begann im Stadtrat, als die CSB-FWG auch den anderen Fraktionen deutlich machte, dass zu diesem Zeitpunkt einfach noch zu viele Fragen ungeklärt waren. Vor wenigen Tagen hatten die Ratspolitiker dann Gelegenheit, hinter verschlossenen Türen einen Fachmann zu befragen. Ergebnis: Nur 11 von 31 anwesenden Ratsmitgliedern sprachen sich am Dienstagabend gegen eine eigene Trinkwasserförderung aus.
KOMMENTAR
Eigene Wasserförderung
Die richtige Entscheidung
SABINE KUBENDORFF
Das Trinkwasser wird in Schloß Holte-Stukenbrock ab dem Jahr 2015 teurer. Ein ganz kleines bisschen. 4 Euro im Monat kann eine vierköpfige Durchschnittsfamilie sicher verkraften, und sie leistet damit einen Beitrag für eine sichere Zukunft. Die Stadt wird sich durch ihre eigene Trinkwasserförderung unabhängig machen von den großen Stadtwerken Bielefeld, die bislang die Preise diktiert hat. Sie kann erwirtschaftete Gewinne investieren in Infrastruktur, Vereinsleben oder Kultur. Sie schafft mit den Förderanlagen und dem Versorgungsnetz Werte.
Deshalb ist jeder Cent, den die Bürger mehr für ihr gutes Trinkwasser zahlen, eine Investition in ihre Stadt, die sich auszahlen wird.
Und Ihre Meinung? Hinterlassen Sie uns Ihren Kommentar mit Hilfe der nachstehenden Kommentarfunktion oder senden Sie eine Email an sabine.kubendorff@ihr-kommentar.de
Für die Unabhängigkeit von den Stadtwerken Bielefeld kämpft seit 2005 CDU-Ratsherr Christian Hayk. Nach unerfreulichen Verhandlungen über die Konditionen für die Wasserlieferungen schimpfte damals Hayk: "Wir haben das Wasser vor der Tür, können es aber nicht fördern. Das Geld verdienen die Stadtwerke. Die sponsern in Bielefeld Veranstaltungen, und wir zahlen dafür."
Ähnlich äußerte er sich in seinem flammenden Plädoyer für die eigene Trinkwasserförderung und relativierte deshalb das offenbar entgegenkommende Angebot, das die Stadtwerke jetzt auf den Verhandlungstisch gelegt hatten. "Trinkwasser ist zu einem knappen Gut geworden und für Investoren das Gold des 21. Jahrhunderts. Die Stadtwerke Bielefeld wollen Gold zu Geld machen und machen auch bei diesem sehr lukrativen Preis immer noch Gewinn." Und überhaupt: Wie sich aber der Preis nach der Vertragslaufzeit entwickeln wird, kann niemand vorhersagen. Fallen wird er bestimmt nicht."
4,1 Millionen Euro mindestens müssen für die eigene Trinkwasserförderung (kredit-)finanziert werden. Das bedeutet: Der Bezugspreis wird steigen. Derzeit bezahlen die Bürger 1,21 Euro (der Preis ist seit acht Jahren stabil), frühestens ab 2015 werden es wohl 1,55 Euro pro Kubikmeter sein. "Dann", das rechnete Uwe Thost (CSB-FWG) vor, "werden wir mit unserem Wasserpreis noch immer unter dem liegen, den die Stadtwerke Bielefeld heute den Bielefeldern abnehmen." Das sind 1,85 Euro brutto.
Die Gebührenerhöhung war aber den Fraktionen von FDP und SPD sowie den grünen Ratsherren Daniel Greitens und Reinhard Tölke sowie dem CDU-Ratsherrn Siegfried Kosubek zu hoch, aus ihrer Sicht Familien eben nicht zumutbar. Jochen Gürtler (SPD) hatte 150 Euro im Jahr ausgerechnet, Uwe Thost hingegen nur knapp 50. Alle Bedenkenträger im Rat wiesen darauf hin, dass die Möglichkeit, sich von den Bielefelder Stadtwerken unabhängig zu machen, auch in einigen Jahren noch bestehe. Als besonderer Förder-Skeptiker erwies sich Thorsten Baumgart: "Wenn die Bürger mich fragen würden, was sie davon haben, könnte ich nur mit den Achseln zucken."
Unabhängigkeit, faire Preise, die Schaffung von Vermögenswerten, "die uns zu einem interessanten Partner der Versorgungswirtschaft machen", nannte Christian Hayk als Vorteile. Uwe Thost ergänzte, dass durch die Wasserförderung Rückflüsse in die Stadtkasse zu erwarten sind, die wiederum positiv für die Stadtentwicklung genutzt werden könnten.
Und die Bedingungen für den neuen Abschnitt in der Stadtgeschichte können aus Sicht von Christian Hayk gar nicht günstiger sein. "Der Kapitalmarkt gibt uns zurzeit günstige Konditionen, und deshalb sollten wir uns diesen sicherlich nicht günstigen großen Schritt leisten."