Schloß Holte-Stukenbrock. Michael Junker ist sauer. Sein Grundbesitz in unmittelbarer Nähe zu seinem Wohnhaus soll Baugebiet werden. Das würde ihm viel Geld einbringen – wenn er das Land verkauft. Doch er will viel lieber auf den Mais schauen. Junker fühlt sich von den Planern der Stadtverwaltung übergangen.
Der Stadtrat hat grünes Licht für den Bebauungsplan Mergelheide gegeben (die NW berichtete). Zwischen der Mergelheide, der Ostritzer Straße und der Autobahn 33 sollen auf rund drei Hektar 30 neue Häuser entstehen und mit einer Ringstraße erschlossen werden. Insgesamt 15 Baugrundstücke und der Platz für einen Wendehammer sind im Besitz von Michael Junker. Er lebt seit 49 Jahren an der Mergelheide, mittlerweile gemeinsam mit der Mutter, Ehefrau Birgit und den beiden Kindern Janina (15) und Jack (7) in direkter Nachbarschaft zur Autobahn. Der Vater ist 2010 verstorben. "Der würde sich im Grabe umdrehen", sagt Junker. Dessen Philosophie zum Grundbesitz ist Sohn Michael in Mark und Bein übergegangen: Land bleibt, Geld verfällt. "Es gibt Wichtigeres als Geld", sagt Junker.
Das Ackerland hat er seinem Schwager verpachtet, er selbst hat die Landwirtschaft längst aufgegeben und arbeitet als Kunststoffschlosser. Junker ist bereit, sieben Bauplätze direkt an der Ostritzer Straße zu verkaufen. Die rund 7.500 Quadratmeter – nicht alles soll in Bauland umgewandelt werden – um sein Haus herum, will er behalten. "Wenn das Land Bauland wird, bin ich gezwungen zu verkaufen", meint Junker.
Denn er wird zunächst zur Kasse gebeten. Durch die sogenannte Umwidmung von landwirtschaftlicher Fläche in Bauland wird eine einmalige Steuer an das Land fällig. "50 Prozent des neuen Wertes", sagt Junker. Bei einem 500 Quadratmeter großen Bauplatz wären das etwa 35.000 Euro. Das bringt ihn auf die Palme. Er wirft der Stadt vor, dass ohne seine Zustimmung Bodenproben entnommen wurden und dass vor der Aufstellung des Bebauungsplanes nicht mit ihm gesprochen wurde.
Im Rathaus schütteln Bürgermeister Hubert Erichlandwehr und Werner Thorwesten, Leiter des Fachbereiches Stadtentwicklung, angesichts der Vorwürfe die Köpfe. Im Flächennutzungsplan ist das Gebiet an der Mergelheide seit Jahren als potenzielles Bauland ausgewiesen. Die CDU hat beantragt, den Plan nun umzusetzen und die Bebauungslücken im Stadtgebiet zu schließen. "Das ist ein übliches Verfahren", sagt Thorwesten.
"Manchmal wächst man in eine Bebauung hinein", ergänzt Erichlandwehr. Zudem habe Junker in der Vergangenheit Grundstücke an die Stadt verkauft – zum Beispiel für den Bau der Lausitzer Straße – und sei auch bereit, das Land an der Ostritzer Straße abzugeben. Der Bürgermeister räumt allerdings ein, dass das Ingenieurbüro tatsächlich ohne Junkers Zustimmung Proben entnommen hat und bedauert dies. Erichlandwehr und Thorwesten sind der Überzeugung, dass das künftige Baugebiet ein lohnendes Geschäft für Junker sein werde.
In dieser Woche beginnt das zweite Offenlegungsverfahren, in dem Junker seine Bedenken äußern kann. Einen Anwalt hat er sich bereits genommen. "Dann wird abgewogen", sagt Erichlandwehr, "Einzelinteresse gegen Allgemeininteresse." Bis an der Mergelheide tatsächlich gebaut wird, können Jahre vergehen. Junker will sich die Option, neben seinem Haus bauen zu dürfen, offenhalten. Er ist gegen einen Verbleib als Ackerland, weil vielleicht irgendwann seine Kinder dort Bauplätze haben wollen. Sein Kompromiss: Das Ackerland wird zu Bauland, aber der Wendehammer wird nach Westen verlegt. So könne das Land zunächst Acker bleiben. Doch damit ist die Stadt nicht einverstanden. "Dann würde er sich als einziger nicht an den Kosten für die Straße beteiligen", sagt Thorwesten. Beide Parteien haben angekündigt, in dieser Woche ein Gespräch miteinander zu führen.