Schloß Holte-Stukenbrock/Hövelhof. Die Ziegen im Streichelzoo des Safariparks blöken. Fast klingt es so, als wollten sie auf die ungewohnten Geräusche antworten, die von der wenige Meter entfernten Wiese am Löwengehege zu ihnen hinüberschallen. Dort knattert und brummt es lautstark, denn die Rocker vom "Chopper Club Paderborn" haben zur "Bike & Rock Show" eingeladen.
Mehr als 300 Bikes stehen auf der Wiese, viele sind auf Hochglanz poliert, die verchromten Teile reflektieren das helle Sonnenlicht. Auch ein paar Oldtimer-Autos sind mit dabei und ziehen neugierige Blicke auf sich, wenngleich die Motorräder klar im Fokus stehen. "Jeder kann sein Bike hier zeigen, das ist nicht auf unseren Club beschränkt", sagt Michael Förster. Der Maurermeister aus Hövelhof Organisiert das Event zwischen weißen Löwen und Wildwasserbahn.
So kommen einige Fahrer mitunter von sehr weit her, um dabei zu sein – sogar aus Irland, Mazedonien und dem benachbarten Ausland sind einige angereist. Der Niederländer Mik Dÿkstra nutzt das Treffen als Zwischenstopp seiner Kroatienurlaub-Heimreise. "Wir sind eine große Familie, es ist schön, so viele Leute hier zu treffen. Und die Location, der Park, ist einfach perfekt", sagt Dÿkstra, der seit mehr als 25 Jahren das Leben als Zweiradfahrer genießt.
Mit ihrer Show, die zum zweiten Mal im Safaripark stattfindet, verfolgen die Biker darüber hinaus vor allem ein ehrenwertes Ziel: Sie sammeln Geld für das Kinderhospiz Bethel. Park-Chef Fritz Wurms unterstützt dieses Vorhaben: Wer einen Helm oder Bikerhandschuhe mitbringt, zahlt weniger Eintritt. Zudem werden zwei Euro des Eintrittsgeldes in den Spendentopf gegeben. Auch Lokale Einzelhändler beteiligen sich mit Spenden, ebenso wie die Biker selbst, die mit einem Helm durch ihre Reihen schreiten und Geld für den guten Zweck einsammeln. "Es kann eigentlich nicht sein, dass für so viele Sachen immer Geld da ist, Kinder die im Sterben liegen aber auf Spenden angewiesen sind", sagt Förster, dem der Spendenaufruf ein wichtiges Anliegen ist.
Durch die gemeinnützige Aktion und ihre herzliches Auftreten bei der Show, zeichnen die überwiegend in dunkles Leder gekleideten Motorradfans zudem ein durch und durch positives Bild von sich. Das durch kriminelle Banden mitunter in Mitleidenschaft gezogene Image des düsteren Rockers wird hier in keiner Wiese bestätigt. Die Biker gehen offen und freundlich auf alle interessierten Besucher zu und berichten mit ungekünstelter Begeisterung über ihre Leidenschaft.
Die Band "Moderate Pace" trägt mit Coverversionen von amerikanischen Hits den "American Way of Life" in die Senne; die angekündigten Bikerspiele müssen wegen des anhaltenden Regens ausfallen. Eine Jury schaut sich alle ausgestellten Bikes genau an und verteilt anschließend Preise in diversen Kategorien wie "Best Chopper", "Best Paint" oder "Best Lady Bike", für die die jeweiligen Fahrer eine Glastrophäe bekommen. "Ich denke, es ist noch mehr los, als im vergangenen Jahr", sagt Förster.
Als am Ende des Tages das Ergebnis der Spendenaktion bekannt gegeben wird ist klar: Das Vorjahresergebnis von rund 5.000 Euro ist in diesem Jahr noch übertroffen worden.