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01.08.2012
HÖVELHOF/SCHLOß HOLTE-STUKENBROCK
Alte Obstsorten sind gesünder
Neue Infotafel an der Streuobstwiese weist auf wertvollen Lebensraum für Insekten und Vögel hin
VON ANNIKA FALK

Vor der neuen Infotafel | FOTO: ANNIKA FALK

Hövelhof/Schloß Holte-Stukenbrock. Sie tragen klingende Namen wie Schöner von Wiedenbrück, Paderborner Seidenhemdchen, Westfälische Tiefblüte oder Pastorenbirne – alte Obstsorten, die vor knapp drei Jahren auf einer Wiese in Hövelriege angebaut wurden. Jetzt können Interessierte jede Sorte genau den einzelnen Bäumen zuordnen.

Früher gehörten naturbelassene Wiesen mit vielen verschiedenen Obstbäumen in fast jede dörfliche Landschaft. In den 70er Jahren wurden viele Flächen beseitigt. Heute sieht man in der Region nur selten die bunten, lebendigen Wiesen. "Man findet sie fast nur noch im Umland von alten Bauernhöfen, die sich seit vielen Generationen im Besitz einer Familie befinden", sagt Gärtner Manfred Rodehutscord. Doch als das Gewerbegebiet in Hövelriege an der Hövelrieger Straße 1998 angelegt wurde, musste eine ökologische Ausgleichsfläche geschaffen werden. 20 Apfelbäume wurden damals neben den Bahngleisen gepflanzt – bis auf einen gingen alle kaputt. Dann kam die Dorfgemeinschaft Hövelriege-Riege auf die Idee, sich der Wiese auf Gemeindegrund anzunehmen.

Info

Wertvolles Kulturerbe

Unter Streuobst ist die traditionelle Form des Obstbaues zu verstehen.

Großkornige und hochstämmige Obstbäume verschiedener Arten stehen in weiträumigen Abständen meist auf Dauergrünland.

Unterschied zu modernen Dichtpflanzungen: Einzelbaum ist in Form und Farbe als Individuum erkennbar.

Ursprüngliche Anpflanzung in Reihen wird durch Ausfälle und fehlende Nachpflanzung zu scheinbar wahllos über die Landschaft "gestreuten" Beständen.

Die Streuobstwiese war immer eine Kombination aus Obersterzeugung und Grünlandbewirtschaftung.

Viele der noch vorhandenen Streuobstwiesen können nur durch umfassende Pflegemaßnahmen gerettet oder erhalten werden.

Naturschutzverbände fordern seit den 80er Jahren, Streubobstwiesen als wertvolles Kulturerbe der heimischen Natur zu erhalten.

Im November 2009 pflanzten kleine und große Dorfbewohner 29 Bäume (Apfel, Birne, Kirsche, Zwetschge, Mistel und Walnuss). Unter der liebevollen Betreuung von Rodehutscord und anderen Helfern wachsen und gedeihen sie prächtig. Die erste Ernte ist aber erst nach fünf bis sieben Jahren zu erwarten.

Streuobstwiesen sind ein wertvoller Lebensraum für Insekten und Vögel. "Auch deshalb wollten wir die Wiese auffrischen, damit man sieht, was das für Bäume sind", sagt Manfred Wiedhoff, der Schatzmeister der Dorfgemeinschaft, der auf viele Radfahrer und Spaziergänger hofft, die sich für die "Vielfalt unserer heimischen Landschaft interessieren". Ein Hinweisschild am Abzweig der Hövelrieger Straße in den Lehmweg deutet jetzt den Weg zur Wiese. Mit einer Spende der Volksbank Delbrück-Hövelhof konnte außerdem eine Informationstafel aufgestellt werden, auf der jeder einzelne Baum nummeriert ist und man die Obstsorte ablesen kann.

"Ich habe damals bewusst regionale Sorten ausgesucht", so Rodehutscord. "Die alten Obstsorten sind erstens viel gesünder und außerdem auch für viele Allergiker geeignet." Mindestens einmal pro Woche ist Rodehutscord auf der Wiese, hat auf dem 4.200 Quadratmeter großen Gelände mittlerweile 27 verschiedene Kräuter gefunden. Noch in dieser Woche kommt ein zwei Meter hohes Insektenhotel dazu. Dann sollen die dünnen Baumstämme mit einer Schutzfarbe angestrichen werden.

Und auch für die Zukunft hat die Dorfgemeinschaft viele Ideen: Obstbaumschnittkurse wollen die Hövelrieger anbieten, bei einem kleinen Fest Apfelsaft ausschenken und erklären, woher der Apfel eigentlich seinen Namen hat. Außerdem träumt Rodehutscord davon, auf der anderen Seite des Gewerbegebiets eine Wildobstwiese mit Quitten und Misteln anzulegen. Hövelhofs Bürgermeister Michael Berens ist offen für weitere Vorschläge: "Ökologie und Ökonomie liegen in Hövelhof einfach nah beieinander."


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