Schloß Holte-Stukenbrock. Glatze, Bomberjacke und Springerstiefel – das war gestern. Die rechte Szene gibt sich moderater. Doch auch wenn sich – besonders im Osten Deutschlands – Leute in Kostümen und gedeckten Anzügen in die Kommunalparlamente wählen lassen und sich demonstrativ für Bürgerbelange einsetzen, das gefährliche Gedankengut bleibt. Die Neonazis sind zwar unauffälliger geworden, doch erkennen kann man sie immer noch. "Man muss nur wissen, worauf man achten muss", sagt der Referent, der am Mittwochabend in der Dokumentationsstätte Stalag 326 über rechtsextreme Symbole sprach.
Klar ist, dass Symbole, die unmittelbar mit der Hiltlerdiktatur zu tun haben, verboten sind. Das gilt für das Hakenkreuz in jeder Form, für Bilder, die Hitler zeigen und natürlich auch für den Hitler-Gruß, aber auch für den Kühnen-Gruß. Dabei werden Daumen-, Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand nach vorn abgespreizt. Ausgedacht hat sich diese Form des Hitler-Grußes, der homosexuelle Neonazi Michael Kühnen, der 1991 an Aids starb.
"Dass Sprüche wie ,Heil Hitler’, ,Sieg Heil’ und ,Blut und Ehre’ verboten sind und unter Strafe stehen, ist klar", sagte der Referent im Stalag. Doch die Rechten sind erfinderisch und haben einen Zahlencode entwickelt. Von einem Code könne man allerdings nicht wirklich sprechen, denn die Zahlen geben lediglich den Platz des Buchstaben im Alphabet an. "18 steht beispielsweise für die Initialen A und H, also Adolf Hitler. Eine andere Zahl ist die 444, also DDD, was für ,Deutschland den Deutschen’ steht.
Es gibt aber auch Zahlen, die die brutale Menschenverachtung der Neonazis offenbaren. Das ist zum Beispiel die 168:1. Was aussieht, wie ein Spielergebnis, ist die zynische Bilanz des Bombenanschlags, den der amerikanische Neonazi Timothy McVeigh am 19. April 1995 auf ein Regierungsgebäude in Oklahoma City verübte. Dabei wurden 168 Menschen, darunter 19 Kinder, getötet. Kurz vor seiner Hinrichtung 2001 soll er zu einem Journalisten gesagt haben: "Auf die roheste Weise betrachtet steht es 168 zu 1. Ich fühle mich als Sieger."
Weitere Hinweise auf eine rechte Gesinnung sind der Thorshammer, meist ein Schmuckstück, das am Hammerstiel getragen wird, und das Keltenkreuz. Dieses uralte christliche Symbol, bei dem das Kreuz in einen Kreis gelegt wurde, wird von den Rechten missbraucht. Das Zurschaustellen des Keltenkreuzes in Deutschland ist strafbar. Als Schmuck wird das Keltenkreuz aber auch von Menschen getragen, die mit der rechten Szene nichts am Hut haben. Beispielsweise ist es immer wieder auf Schmuckständen der Mittelaltermärkte zu sehen. "Erst im Zusammenhang mit anderen Dingen, wie Kleidung, Buttons oder Tattoos gesehen, ergibt sich das Bild eines Neonazis", sagt der Referent.
Nicht strafbar, aber ein deutlicher Hinweis auf die Gesinnung stellt Kleidung der Marke Consdaple dar. Bei halb geschlossener Jacke liest man nur noch "NSDAP", die Partei des Naziregimes.