Schrift

24.11.2012
Verl
Schmunzelnd den Fehlern auf der Spur
Wie Jürgen Schultefrankenfeld in seinem Buch so manche skurrile Rechtschreibsünde aufdeckt
VON HUBERTUS EBBESMEYER

Der Duden steht über allem | FOTOS: HUBERTUS EBBESMEYER

Verl. Jürgen Schultefrankenfeld geht mit offenen Augen durchs Leben. Und durch den Kreis Gütersloh. Was dem Deutschlehrer allerdings auf Werbe- und Firmenschildern, auf Plakaten und Beschilderungen an Skurrilitäten und Fehlern ins Auge springt, beleuchtet er in seinem Buch "Große und kleine Rechtschreibsünden im besten Kreis der Welt".

Sein Fazit nach 214 Seiten mit entlarvenden Bildern und liebevoll erläuterten grammatikalischen und orthografischen Regeln: "Es gibt keine rechtschreibfehlerfreie Zone im Kreis Gütersloh". Mehr noch: "Verstoßen wird gegen sämtliche Module der Rechtschreibung und Interpunktion: Laut-Buchstaben-Zuordnung, Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung, Worttrennung, Kommasetzung und Verwendung der sonstigen Wort- und Satzzeichen", lautet sein vernichtendes Urteil.

"Dazu gesellen sich nicht selten Grammatikfehler", so Schultefrankenfeld, der in seinem Opus 1 zwar niemals wirklich anklagt, gleichwohl aber verbaliter und durchaus deutlich auf Missstände in den 13 Städten und Gemeinden des Kreises aufmerksam macht.

Der Leser, die Leserin fühlt bei jedem Bild, bei jedem Kommentar gleichsam das süffisante Grinsen des Autors. Solchermaßen deckt der Studiendirektor des Friedrich-List-Berufskollegs Herford kleinere Unzulänglichkeiten ebenso auf wie eklatante Wort-Konstruktionen. Flüchtigkeitsfehler wie "Vollnakose" (Seite 47, Schultefrankenfeld: "Das ist ein Arzt, und der hat für das Schild Dutzende von Euros ausgegeben!") und das (gar beabsichtigte?) Meiden des so genannten "Eszett" in der Firmierung "OHLALA die aussergewöhnliche Adresse" (Seite 22) sind nur wenige Beispiele.

Regelrecht beliebt scheint die Großschreibung des Wortes "willkommen" in Begrüßungen wie "Herzlich Willkommen zum Schützenfest" auch beim Bürgerschützenverein Verl-Bornholte-Sende zu sein. Auch wenn nach Autors Worten "in diesem Feld den Schreibenden statistisch die meisten Fehler unterlaufen": Falsch ist das trotzdem.

Ein beliebter Fehler sei auch "die Kleinschreibung von substantivierten Ausdrücken, die im Infinitiv getrennt geschrieben werden", so Schultefrankenfeld. Manchmal werde dabei sowohl gegen die Regeln der Groß- und Klein- als auch gegen die der Getrennt- und Zusammenschreibung verstoßen.

Beispiele aus dem Kreisgebiet findet der geneigte Leser auf Seite 73 des Buches. Etwa "Erdbeeren zum selbstpflücken". "Wenn es richtig heißt, dass man sich Erdbeeren selbst pflücken muss, so werden substantivierten Formen wie ’das Selbstpflücken’ groß- und zusammengeschrieben", so der Autor.

In Anbetracht der Werbeschilder "Schlemmer Treff" und "Der Fleischer Imbiss" (Seite 95) deutet der Verler in der Konsequenz, dass es sich im ersten Beispiel um ein Treffen in Schlemm (Schultefrankenfeld: "Es ist im Kreis Gütersloh also tatsächlich ein neuer Ort gegründet worden: Schlemm!") handelt. Die solchermaßen präsentierte Logik und falsche Richtigkeit im zweiten Beispiel lasse nach seinen Worten den Schluss zu, dass "der Betreiber dieser gastronomischen Kultstätte, der von Beruf offensichtlich Fleischer ist, mit Nachnamen Imbiss heißt".

Bleibt man am Ölbach, moniert der Deutschlehrer auch die Werbetafeln zum Feuerwehrfest in Kaunitz (Seite 113). Statt "Oster-Sonntag" müsse es "Ostersonntag" heißen. In der Rubrik "Kleine und größere Katastrophen mit Apostrophen" kreidet er auf Seite 152 Werbetafeln wie "THEO’S Biergarten" und "Arturo’s Ristorante" an. Hier ist der Apostroph jeweils falsch.

Abkürzungen bilden beim Rundgang durch den Kreis – Schultefrankenfeld hat insgesamt rund 1.500 Fotos gemacht – ebenfalls manchen Hingucker. Statt "Bornholte-Bhf" muss es auf den Ortseingangstafeln "Bornholte-Bhf." heißen.

Dem Eindruck, den man als lernwilliger Leser des Buches gewinnt, dass nämlich ein Lehrer, der verbale, orthografische und grammatikalische Unzulänglichkeiten moniert, selbst perfekt ist, begegnet Schultefrankenfeld offensiv. "Auch mir unterlaufen hin und wieder Fehler, und ich kann auch über mir selbst die Hände über den Kopf zusammenschlagen", betont der Verler, der durchaus über sich selbst schmunzeln kann.

Und offenbart sich weiter: "Ich gebe zu, auch ich musste bei meiner Arbeit für das Buch oft genug im Duden nachsehen."



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