Schrift

25.11.2012
Verl
Eine Heimat für die Spinnerin
Künstler Bruno Buschmann schenkt dem Heimatverein Originalmodell seiner Skulptur
VON HUBERTUS EBBESMEYER

Gestiftet | FOTOS: HUBERTUS EBBESMEYER

Verl. Auch nach mehr als 25 Jahren klingt bei Bruno Buschmann noch so etwas wie Wehmut mit. "Schade, dass mein Entwurf damals nicht realisiert wurde", sagt der gebürtige Verler Bildhauer, der heute in Oerlinghausen lebt. "Ich halte die Spinnerin für eine meiner gelungensten Arbeiten." Auch wenn sein Kunstwerk Mitte der Achtziger nicht für den Dr.-Borgmann-Platz ausgewählt worden ist: Jetzt steht wenigstens das Original-Modell in Verl: Buschmann hat es dem Heimatverein geschenkt.

"Was soll ich damit in meinem Atelier?", fragt der 84-jährige Kunstschaffende in die Runde glücklicher Menschen, die sich über das Geschenk des Bildhauers "richtig freuen".


Der langjährige Heimatvereinsvorsitzende Bernhard Klotz ist ebenso darunter wie Matthias Holzmeier und Regina Bogdanow vom Vorsitzenden-Team der Heimatfreunde, Geschäftsführerin Anne Schroeder und der Leiter des Arbeitskreises für Kulturtechniken, Michael Schwan.

"Enttäuscht gewesen" sei er damals, als der Künstlerwettbewerb um die Aufwertung des Dr.-Borgmann-Platzes ein für ihn unerquickliches Ende genommen hatte. "Die Jury hatte meinen Entwurf der Spinnerin auf Platz 1 gesetzt", erinnert sich Buschmann, dem es seinerzeit darum gegangen war, "einen architektonischen Akzent zu finden, der dem Platz angemessen und gleichzeitig gestalterisch und inhaltlich Denkmal ist".

Denkmal für rund 80 Prozent der Verler Bevölkerung, die sich bis Mitte des 19. Jahrhunderts ihr tägliches Brot oder zumindest ein erkleckliches Zubrot mit Spinnen und Weben gesichert hatten, wie der Heimatvereinsvorsitzende Matthias Holzmeier erläutert.

"Danach kam in England die Mechanisierung und später die Elektrifizierung auf, da waren die Menschen hier in Verl natürlich nicht mehr konkurrenzfähig", weiß der Heimatkundler.

"Bewusst habe ich damals einen hellgrauen, der gesponnenen Naturwolle ähnlichen Stein aus so genanntem Thüsterkalk verwendet, der optisch so wirkt wie eine überdimensionale Spule aufgewickelten Garns" beschreibt der gebürtige Verler Bildhauer.

Die Bronzefigur der Spinnerin – in einer symbolischen Spinnkammer arbeitend – sollte etwa in Augenhöhe der Betrachter angeordnet werden. "Jedenfalls sollten Spinnerin und Spinnrad eine gestalterische Einheit sein."

So hätte es werden können. "Hätte", sagt Buschmann mit auch heute noch gewisser Enttäuschung. "Der damalige Gemeinderat war leider zu einem anderen Entschluss gekommen", erinnert er sich. Schlussendlich wurde eine Arbeit des Künstlers Robert Günzel realisiert.

Des einen Leid, des anderen Freud: "Diese Arbeit gehört einfach nach Verl", sagt Bildhauer Buschmann. So freut sich nun der Heimatverein über die Überlassung des Modells der Spinnerin. "Wir sind gerade dabei, unsere Dauerausstellung im Dachgeschoss neu zu konzeptionieren", verriet Regina Bogdanow bei der Übergabe des Skulpturenmodells.

"Ihre Arbeit passt sehr gut zu unserem Konzept, dem wir den Arbeitstitel ’Selbstversorgung im Verler Land’ gegeben haben. Ein Bereich wird dabei das Spinnen und Weben sein", ist sich Bogdanow sicher, dass das Kunstwerk von Bruno Buschmann "für Gesprächsstoff sorgen wird". Die Dauerausstellung soll nicht die einzige sein, in der Arbeiten des Oerlinghauser Künstlers – er schuf für Verl unter anderem den 1987 aufgestellten ’Lebensbaum’ auf dem Kühlmannplatz – zu sehen sein werden.

Für das kommende Jahr nämlich plant der Heimatverein eine Schau, die sich in zehn Kunstwerken ausschließlich dem Schaffen des gebürtigen Verlers widmen will. Die Spinnerin sei im Heimathaus jedenfalls bestens aufgehoben, sagt Buschmann. "Hier gehört sie hin."



Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren
Verl
Judo ist Balance-Akt und Gehirn-Training
Verl. Am Samstagnachmittag bot sich Interessierten aller Altersklassen die Möglichkeit, beim Aktionstag "Für Judo ist es nie zu spät" in der Dreifach-Sporthalle hautnah mitzuerleben... mehr




Anzeige

Verl


Darüber sollten wir berichten
Ihr Kontakt zur NW Verl


Anzeige
Fotos aus dem Kreis Gütersloh
Lkw in Graben gerutscht
Lkw in Graben gerutscht
Revolverheld begeistert im Gerry-Weber-Event-Center
Revolverheld begeistert im Gerry-Weber-Event-Center
Kollision zwischen Rollerfahrer und Fußgänger
Kollision zwischen Rollerfahrer und Fußgänger
Liz Mohn feiert mit 1062 Bertelsmann-Pensionären
Liz Mohn feiert mit 1062 Bertelsmann-Pensionären
Verletzte nach Gasaustritt
Verletzte nach Gasaustritt
Mint-Mitmachtag
Mint-Mitmachtag
Lkw musste mit Kran aus Graben geborgen werden
Lkw musste mit Kran aus Graben geborgen werden
Brand beim Raiffeinsenwarenhandel in Künsebeck
Brand beim Raiffeinsenwarenhandel in Künsebeck
Hunderte Besucher bei erster Verler Seniorenmesse
Hunderte Besucher bei erster Verler Seniorenmesse
900 Besucher feiern erste Cultura-Rocknacht
900 Besucher feiern erste Cultura-Rocknacht


Anzeige
Anzeige
Videos
Anzeige
Lokalsport Kreis Gütersloh
Ex-Spieler der Mustangs verliert vor Gericht
Rheda-Wiedenbrück (wot). Die umstrittene Personalpolitik des Basketballvereins Westfalen Mustangs aus Rheda-Wiedenbrück spielte jetzt auch vor dem... mehr

SC Wiedenbrück vor Bezirksligist gewarnt
Rheda-Wiedenbrück (wot). Auf dem Papier ist die Aufgabe des SC Wiedenbrück leicht. In der 3. Runde des Fußball-Westfalenpokalwettbewerbs muss der... mehr

Everswinkel kam nur mit der "Zweiten"
Verl (wot). Der Weg ins Halbfinale des Westfalenpokal-Wettbewerbs war den Handballerinnen des TV Verl weniger verbaut als befürchtet.... mehr

Nur ungerne Favorit
Verl. Die Fußballer von SC Verl und SV Lippstadt haben an diesem Samstag ein kleines Déjà-vu-Erlebnis. Schon vor einem Jahr standen sie sich in der 3.... mehr

Erfolgreiches "Heimspiel"
Gütersloh. Zehn Stunden lang standen in der "Alten Ziegelei" Schwebebalken, Sprungtisch, Barren und Co. im Mittelpunkt. Der TuS Friedrichsdorf war... mehr


Anzeige
Anzeige



Jobs bei der NW


Zeitungsdruck Rotationsdruck Rheinisches Format   NW Logistik