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24.11.2012
Bünde
Motivation ist der Schlüssel
Wie Grundschulen in Bünde versuchen, Stress von ihren Schützlingen abzuhalten / Mit Eltern reden
VON DIETER SCHNASE UND INGRUN WASCHNECK

Anerkennung ist wichtig | ILLUSTRATION:GERALD DUNKEL

Bünde. Eine aktuelle Studie belegt, dass sich schon jedes dritte Kind in der zweiten und dritten Klasse vom Unterricht und den Hausaufgaben gestresst fühlt (wir berichteten überregional). Die Neue Westfälische fragte die Leiter einiger Bünder Grundschulen nach ihren Erfahrungen mit Schulstress, Noten und Belohnungssystemen.


Das Forsa-Institut hat unlängst festgestellt, dass jeder fünfte Grundschüler heute schon Versagensängste, einhergehend mit Überforderung, hat. Ausgeprägte Stresssymptome spiegeln sich in körperlichen Beschwerden wider. Die Grundschulen wollen hier entgegenwirken, setzen dabei aber auch auf die Mithilfe der Eltern.

"Unsere Lehrer haben die Aufgabe, alle Kinder zu motivieren und die Freude, mit der die Erstklässler in die Schule kommen, möglichst lange zu erhalten", sagt Sven Bartling, Leiter der Grundschule Bünde-Mitte und kommissarischer Leiter in Südlengerheide. Einige Kollegen würdigen mit einem Stempel gut gemachte Hausaufgaben oder einen besonderen Beitrag. Das Wichtigste sei jedoch, jeden Schüler dort abzuholen, wo er steht, ihn individuell zu fördern und Anerkennung zu zeigen.

Noten gibt es ab der dritten Klasse. "Das wurde auf einer Schulkonferenz beschlossen", sagt Bartling. Die Lernentwicklung sei in Worten besser darlegbar, zu früher Notenfrust könnte hemmen. "Wir haben einen guten Austausch zwischen Eltern und Lehren, sodass wir bei Auffälligkeiten schnell ins Gespräch kommen, um eine gemeinsame Lösung zu finden", erklärt Bartling.

"Bei uns gibt es kein Belohnungs-, sondern ein Rückkopplungssystem", erklärt Barbara Hommel, Leiterin der Grundschule Hunnebrock. Wichtig sei es, Stärken zu sehen und diese zu belohnen, auch mal mit einem "Smiley". Noten gibt es an ihrer Schule ab der dritten Klasse. Der individuelle Fortschritt sei in Worten besser dazustellen als mit einem Notensystem. Und wenn ein Kind Probleme habe, "forschen wir gemeinsam mit den Eltern nach der Ursache".

An der Grundschule Bustedt dürfen Kinder ihre Arbeiten präsentieren oder auf Ausstellungen zeigen. "Belohnungen sind als Verstärkung gut", sagt Schulleiterin Bettina Wolff. Noten werden auch in Bustedt erst ab der dritten Klasse gegeben. Ein individuelles Beratungskonzept hilft in Stresssituationen. "Schüler, Eltern, Schulleitung und Lehrer müssen sich austauschen, um zu erfahren, was das Kind zu seiner Zufriedenheit braucht." Wichtig sei es, viel zu reden.

Kleine Belohnungen gibt’s auch für die Schüler des Grundschulverbundes Holsen-Ahle. Sie sollen nicht zu Leistungsdruck führen, sondern positiv motivieren, sagt Schulleiter Hans Jürgen Krüger. Am Jahresende werden gute Leistungen auch über "Antolin", dem Onlineportal zur Leseförderung, sowie dem Programm "Mathepiraten" mit Urkunden anerkannt.

Über Noten schon ab Ende des zweiten Schuljahres möchte er dagegen noch einmal mit den Eltern sprechen. "Es gibt ein klares Signal der Schulpflegschaft für Zensuren." Seiner Auffassung nach sind textliche Bewertungen wie im ersten Schuljahr geeigneter. "Ziffern sind eher ein kalter Schlag", so der Schulleiter. In einem Text lasse sich viel genauer erklären, wo Stärken und Schwächen liegen. Den "großen Zensurenstress" sieht Krüger nicht in seiner Schule. Am Ende des zweiten Jahres werde eine Fünf nur in Ausnahmefällen gegeben. Der Stress werde aber weniger durch die Note verursacht, als vielmehr die Folgen. "Die Eltern gehen aber heute besser damit um", so der Eindruck des Schulleiters. Frühzeitig mit ihnen über die Probleme reden, sei wichtig, um Stress für die Kinder zu vermeiden.

Stempel für eine gute Leistung, manchmal für alles, gehören in der Grundschule Dünne zum Unterrichtsalltag - auch hier steht die Motivation im Vordergrund, wie die stellvertretende Schulleiterin Ulla Schwichtenberg erläuterte. Die Elternvertreter in Dünne haben sich dafür entschieden, dass am Ende des zweiten Schuljahres noch keine Noten vergeben werden, was Schwichtenberg richtig findet. "Wir sind laufend in Kontakt mit den Eltern", schildert die Konrektorin ein Rezept, wie den Kindern Stress erspart werden kann. "Manche Eltern haben aber schon einen großen Ehrgeiz", räumt sie ein.



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