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27.11.2012
Bünde/Schloß Holte-Stukenbrock
Mit 80 noch immer auf der Reise
Ferdinand Dorenkamp seit 50 Jahren mit seinem Kinderkarussell im "weihnachten Bünde"
VON DIETER SCHNASE

Letzte Feinarbeiten vor dem Start | FOTO:DIETER SCHNASE

Bünde/Schloß Holte-Stukenbrock. Während andere in seinem Alter schon lange die Beine hochlegen, ist für Ferdinand Dorenkamp auch mit 80 noch nicht Schluss. Aus dem "weihnachtlichen Bünde", das am Donnerstag mit dem großen Laternenumzug eröffnet wird, ist der Schloß Holter mit seinem Kinderkarussell nicht wegzudenken. Seit 50 Jahren dreht dieses auf dem Tönnies-Wellensiek-Platz zur Freude der Kinder seine Runden. Zeit zum Feiern bleibt nicht, denn erst am 30. Dezember wird es ins Winterquartier gebracht.

Zum Feiern ist Ferdinand Dorenkamp auch nicht gerade zumute, denn ganz freiwillig macht er in seinem hohen Alter den Job nicht.

Der Ischiasnerv plagt ihn schon seit längerem. "Es muss aber Geld in die Kasse kommen", sagt der Schausteller. Das erste Kinderkarussell existiert nur noch auf Fotos – es war wegen des großen Ansturms damals zu klein und wurde verkauft. Der größere Nachfolger, der in Bunde eingesetzt wird, hat aber auch schon 40 Jahre auf dem Buckel. "Die Hälfte der Fahrzeuge haben wir bereits auswechseln müssen. Die sind fast so teuer wie ein Kleinwagen", erzählt Dorenkamp. Alt sind zum Beispiel noch die Lok und die Kutsche, die bei Kindern besonders beliebt seien. Vor 15 Jahren haben er und seine Frau Inge, die bis vor einiger Zeit noch aktiv dabei war, ein zweites Kinderkarussell für einen sechsstelligen Betrag angeschafft. "Der muss erst einmal abgezahlt sein." Als Ferdinand Dorenkamp 65 wurde, hat er drei seiner Fahrgeschäfte verkauft – der Twister ging nach Israel, die Berg- und Talbahn nach Singapur und der Verlosungswagen, den seine Frau betrieb, nach Ostdeutschland. Die Kinderkarussells blieben, weil diese nicht so personalintensiv sind.

Wenn er die leuchtenden Augen der Kinder sieht und deren freudiges Gekreische bei den Fahrten von seinem Kassenhäuschen aus hört, entschädigt das den 80-Jährigen für manche Mühen. Das große Karussell läuft vor allem auf Kirmes-Veranstaltungen. Die Kreise müssen aber immer weiter gezogen werden, sagt Dorenkamp. Schützenfeste würden heute nicht mehr so gut ziehen wie einst. "Die Leute haben seit dem Euro nicht mehr so viel Geld. Und weniger Kinder gibt es auch."

Seine Frau muss aus gesundheitlichen Gründen zwar zu Hause bleiben, Unterstützung hat der Schloß Holter aber nicht nur durch Saisonmitarbeiter, sondern auch seinen Enkel Benjamin (30). Dieser wird wohl mal seine Nachfolge antreten, wenn er selbst aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr dabei sein kann. Die älteste Tochter Manuela hatte früher einen Glühweinstand auch auf dem Bünder Weihnachtsmarkt, heute hat sie sich aus diesem Geschäft zurückgezogen. Dorenkamp stammt aus einer alten Schaustellerfamilie. Sein Vater Josef und dessen Vater waren schon in der Branche. "Sie hatten eine Kuchenbude, an der selbst gebackener Lebkuchen angeboten wurde." Mit 1,80 Euro für eine Fahrt hält er seine Karussells für konkurrenzfähig. "Die meisten Kollegen nehmen schon 2 Euro." Weil er so lange in Bünde sei, kauften viele Familien einen günstigen Zehnerpack für 10 Euro. Während des Weihnachtsmarktes wird der 80-Jährige wieder in seinem Campingwagen übernachten.

Kostenlose Karten für das Karussell gibt es schon in einigen Geschäften der Innenstadt. Wie Ralf Grund vom Stadtmarketing mitteilt, beginnt der Laternenumzug Donnerstag um 17 Uhr am Tönnies-Wellensiek-Platz. Von dort geht’s zum Rathaus zum "Weihnachtsbaum für Bünde". Die EWB verteilt Lebkuchenherzen an die Kinder.



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