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10.08.2013
Bünde
Lob vom Gesundheitsminister
Bünder Medizinstudent engagiert sich, damit Jugendliche gar nicht erst anfangen zu rauchen
VON ANNE WEBLER

Prominenter Fürsprecher

Bünde. Titus Brinker ist kein gewöhnlicher Medizinstudent. Nicht nur, dass er einen Beruf gewählt hat, um anderen Menschen zu helfen: Einen Großteil seiner Freizeit investiert der 23-Jährige, um Jugendliche zu überzeugen, mit dem Rauchen gar nicht erst anzufangen. Vor knapp zwei Jahren hat Titus Brinker die Initiative "Aufklärung gegen Tabak e.V." gegründet. Jetzt traf der Bünder den Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. Der sprach ihm seine Anerkennung aus (s. Kasten).

Daniel Bahr kam im Mai an die Uni Gießen, um dort eine Gastvorlesung zu halten. Der Medizinstudent Titus Brinker sprach vor Veranstaltungsbeginn den Veranstaltungsleiter und Daniel Bahr selbst an, ob er ihm hinterher kurz sein Projekt "Aufklärung gegen Tabak" vorstellen dürfe. Bahr willigte ein. Nach der Vorlesung setzte er sich mit dem 23-Jährigen in eine Vorlesungsbank und Titus Brinker führte ihm auf dem Laptop eine Powerpoint-Präsentation seines Projekts vor. "Das war kein geplanter Termin, aber er hat sich Zeit genommen", sagt Brinker.

Mit Doktorvater

Der Bünder hat vor knapp zwei Jahren die Initiative "Aufklärung gegen Tabak" ins Leben gerufen (die NW berichtete). Medizinstudenten gehen an Schulen in siebte Klassen und lassen die Jugendlichen beim Sport durch Strohhalme atmen. "So ist das für einen Lungenkranken schon beim Fernsehgucken", sagt Titus Brinker. "Uns ist wichtig, dass die Jugendlichen aufgrund differenzierter Information entscheiden und nicht aufgrund von Gruppenzwang oder Werbung mit dem Rauchen anfangen."

Häufig begleiten Lungenpatienten der Unikliniken die Medizinstudenten in die Schulen und erzählen, wie sie angefangen haben zu rauchen und von den ersten Krankheitssymptomen.

"Es beginnt so harmlos mit einer Zigarette", sagt Titus Brinker. Es sei nicht einfach, die Aufmerksamkeit von 12- bis 13-jährigen Schülern zu bekommen. "Aber wenn der Patient am Mikro steht, ist Ruhe in der Aula." Es wirke unheimlich authentisch, wie die Patienten ihre Geschichte erzählen. "Da läuft es sogar mir als Mediziner manchmal kalt den Rücken runter." Die Patienten zögen eine laut arbeitende Beatmungsmaschine hinter sich her oder gingen am Rollator. Man höre ihre Atemnot, beim Sprechen müssten sie oft innehalten.

Die meisten Patienten, die mit in die Schulen kommen, leiden aufgrund des Rauchens an einer chronischen Verengung der Lunge (COPD). "Die Patienten kriegen immer weniger Luft, es ist ziemlich schrecklich, weil es nicht heilbar ist", erklärt Brinker. Irgendwann würden diese Patienten schließlich ersticken. Selbst mit einer transplantierten Lunge lebten an Lungenkrebs oder COPD-Erkrankte oft nur noch wenige Jahre, weil der Körper das fremde Organ nicht gut annehme. 450 Medizinstudenten von 15 Universitäten in Deutschland beteiligen sich inzwischen an der Initiative "Aufklärung gegen Tabak" und gehen in die Schulen - alle ehrenamtlich.

Brinkers Initiative hat es sogar ins deutschsprachige Ausland geschafft: In Österreich gibt es inzwischen vier Gruppen an vier Unis, in der Schweiz eine. Alle paar Monate entstehe eine neue Gruppe, sagt Brinker. "Ich habe gehofft, dass das Projekt so groß wird." Damit gerechnet hat er nicht. Warum die Initiative so erfolgreich sei? Seine Kommilitonen überzeuge das Projekt. Damit könnten sie sich medizinisch engagieren.

"Man ist als Medizinstudent ständig mit Krankheiten konfrontiert, die durch Tabak verursacht wurden", sagt Brinker. "Das ist irgendwann frustrierend und man möchte etwas tun." Außerdem habe man als Medizinstudent ein Helfersyndrom. Titus Brinker studiert an der Uni Gießen Medizin und kommt im Oktober ins siebte Semester. Im Moment sind Semesterferien, in denen macht er ein viermonatiges Praktikum in der Anästhesie des Lukas-Krankenhaus in Bünde. Somit wohnt er wieder in der Heimat.


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