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15.08.2011
BÜNDE
Pedalritt zum Nordkap
Auch Sturm ließen Edda Dupree und Hans-Walter Steinkühler nicht aufgeben
VON PATRICK MENZEL

Ziel erreicht | FOTO: PRIVAT

Bünde. Manchmal waren sie ganz allein auf der Straße. Kein Mensch, kein Haus, nur Horizont. Edda Dupree und Hans-Werner Steinkühler machten sich von der finnischen Hauptstatt Helsinki aus per Fahrrad zum Nordkap auf. Ein ungewöhnlicher Sommerurlaub, der nach 1.836 Kilometern im Sattel in der Heimat endete.

"Muskelkater?" Edda Dupree und Hans-Werner Steinkühler zucken mit den Achseln. "Nicht während der Tour", erzählen die Weltenbummler. Schließlich hatten die Muskeln bei durchschnittlich 100 Kilometern pro Tag keine Chance, zur Ruhe zu kommen. Die aber fanden die Radler im hohen Norden: "Irgendwann gibts nur noch eine Straße, entweder nach Norden oder nach Süden." Die Wohnmobile, Motorradfahrer und vereinzelten Fahrradfahrer, die ebenfalls zum Nordkap unterwegs waren, trafen Dupree und Steinkühler deshalb oft wieder. Ab und an habe mal eine Herde Rentiere ihren Weg gekreuzt, auf manch anderen Passagen seien sie dagegen auf 80 Kilometern keinem Menschen und keinem Tier begegnet, von Häusern ganz zu schweigen. "Diese Ruhe, diese Nähe zur Natur sind einfach faszinierend", sagt Hans-Werner Steinkühler und gerät dabei von Satz zu Satz mehr ins Schwärmen von den oft zitierten unendlichen Weiten auf dem Weg zur Nordspitze Kontinentaleuropas.

Im Gegensatz zur teils kargen Landschaft lernten die Fahrradfans aber die ganze Bandbreite des norwegischen Wetters kennen: Tage mit mehr als 25 Grad im Süden und fast frostige Nächte im Norden. "Von Sonnenschein über Hagel, Regen bis hin zu heftigem Wind war alles dabei", sagt Dupree. Nur 25 Kilometer vor ihrem Ziel wurden die beiden Radler von einem Sturm der Stärke elf gestoppt. "Da mussten wir einen Tag Zwangspause einlegen. Aufhören kam allerdings nicht infrage", sagt Steinkühler.

Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft - für die Norweger an der Tagesordnung. In einem Weihnachtsdorf nahe dem Polarkreis sei er vom Weihnachtsmann höchstpersönlich mit heißem Kaffee versorgt worden, sagt Steinkühler. "Weil ich mit der Maschine nicht zurecht gekommen bin."

Der wohl bewegendste Moment der Reise war allerdings die Ankunft am Ziel: "Wir haben uns minutenlang in den Armen gelegen und den einmaligen Augenblick genossen. Touristen am Nordkap-Globus spendeten uns Beifall", beschreiben die beiden Weltenbummler die Stimmung am nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Vermutlich wären Hans-Werner Steinkühler und Edda Dupree, die in den vergangenen vier Jahren den 3.500 Kilometer langen Europaradweg R1 vom französischen Boulogne-sur-Mer bis zur Zarenstadt Sankt Petersburg absolviert haben (die NW berichtete), auch noch die Strecke zurück geradelt. Aber in der Heimat rief die Arbeit und so wurde die schnellere Variante gewählt: Mit einem Postschiff der Hurtigruten und Flugzeug gings Richtung Süden.

Lange dürfte es die Weltenbummler allerdings nicht zu Hause halten. "Mit Sicherheit werden wir nächsten Sommer wieder zu einer Radtour starten", sagt Hans-Werner Steinkühler. Das Ziel sei allerdings noch ungewiss, vielleicht Richtung Südeuropa, so der 54-Jährige. Seinen ganz persönlichen Traum stellt Steinkühler noch ein paar Jahre hinten an: "Auf zwei Rädern von Alaska nach Feuerland wäre das Abenteuer, das ich gerne noch erleben möchte."


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