Mehr als 200 Kinder probten eine Woche lang mit dem Zirkus Fernandini / Aufführungen am Samstag um 11 und 14 Uhr
Bünde. Zirkusluft, Lampenfieber, Artistik, Clownerie – und am Ende ein dicker Applaus vom Publikum als schönster Lohn für die Mühen: Das durften gestern schon einmal alle Schüler der Grundschule Dünne erfahren. Es war die Generalprobe vor den Auftritten mit dem Zirkus Fernandini. Für die Kinder unvergesslich.
Für Zirkusartisten ist die Generalprobe noch wichtiger als für Theaterschauspieler. Beim Theater geht es meistens um das Lernen von Texten. Im Zirkus aber kommt dazu noch die Akrobatik. Und dafür trainieren Artisten lang. Eine Woche lang trainierten 227 Kinder der Grundschule Dünne auf der Freifläche am Sportheim mit den Artisten vom Zirkus Fernandini. Immer 80 Kinder gleichzeitig, eineinhalb Stunden täglich. "Manche wirkten danach wie verwandelt", bemerkte Schulleiter Detlef Holste gestern.
Die Dünner Grundschüler luden mehrere Hundert Kinder umliegender Kindertagesstätten zur Generalprobe ein – ein kritisches Publikum, das aber schnell in den Bann gezogen war, den die Zirkuswelt seit jeher ausübt. Die Stimmung im Zirkuszelt am Dünner Sportplatz glich gestern 90 Minuten lang einem ausgelassenen und überdimensionalen Kindergeburtstag, bei dem es alle paar Sekunden etwas Neues zu entdecken gab. Die jungen Artisten schenkten ihrem Publikum das, was sie fünf Tage lang eingeübt hatten – und ihre Gäste nahmen es dankend an.
Alle vier Jahre nehmen die Grundschüler an einem solchen Projekt teil. "So hat jedes Kind einmal die Möglichkeit, selbst in der Manege zu stehen", erklärte Schulleiter Detlef Holste. Einige Kinder wuchsen dabei sogar über sich hinaus, weil solche Darbietungen vor Publikum normalerweise nicht ihrem Naturell entsprechen. "Wir haben hier auch unsere 25 Schüler mit Förderbedarf integriert", so Holste. Gerade die Reaktionen der Kinder mit Asperger-Syndrom (Autismus) sei bemerkenswert gewesen. Sie lebten auf.
Doch das Einüben zirzensischer Aufführungen galt in dieser Woche nicht allein dem Vergnügen, sondern auch dem sozialen Miteinander unter den Schülerinnen und Schülern. "Die Kinder lernen bei diesen Trainings und Aufführungen einen starken Zusammenhalt, mehr als bei vielen anderen Aktivitäten", erklärte Zirkusmitarbeiter Felix Kendler. "Sie müssen sich aufeinander verlassen können, wenn sie sich bei einer Nummer gegenseitig stützen oder halten müssen. Dabei kommt es vor allem auch darauf an, die Klassenverbände aufzuheben, so dass zum Beispiel der Viertklässler dem Erstklässler hilft. So lernen die Kinder, sich gegenseitig Vertrauen zu schenken und auf den anderen aufzupassen."
Und dieses Miteinander zu sehen, war gestern bemerkenswert. Ging bei einem Jonglageakt einmal etwas schief, wurde der Applaus des Publikums nur umso lauter. Ein Motivationsschub sondergleichen.
Die jungen Artisten selbst waren nach ihrem Auftritt auch hin und weg – und nicht zuletzt euphorisch. Für die achtjährige Nadine waren die Kostüme das Tollste schlechthin. "Und natürlich die Balanceakte auf dem Drahtseil", stimmte Marlin (9) mit ein. Für Jungen wie Leon und Finn (beide 10) war es das Trampolin und die Hochschaukel unterm Zirkusdach. Erstklässler Till: "Ich fand das Bodenturnen total super."
Heute, am Samstag, um 11 und um 14 Uhr stehen die Jungartisten für alle Gäste noch einmal in der Manege.