Bünde-Spradow. Wenn der Saloon im Bünder Osten seine Schwingtüren öffnet, rauhe Gesellen ihre Kehlen mit echtem Bourbon befeuchten und sich Banjo und Steel-Gitarre zum musikalischen Stelldichein verabreden, dann ist es wieder Zeit für den "Country- und Westernabend" in Spradow. Zum neunten Mal verwandelte sich der Dorfplatz an der Lübbecker Straße am Samstag zu einer kleinen Wild-West-Metropole. Wobei nicht nur die sommerliche Hitze ein Gefühl von echter Prärie hinterließ.
Schon früh hatten sich die ersten "Cowboys" auf dem Dorfplatz eingefunden, um gemeinsam einen Abend voller romantisierender Wild-West-Klischees zu verbringen. Eine Whisky-Bar sorgte für Südstaaten-Flair, Heuballen und Bierbänke verwandelten das Areal zwischen Grundschule und Kirche in eine filmtypische Wild-West-Kulisse und Country-Barde "Sonny B" hielt die Tanzbeine der mehreren hundert Gäste mit Hits von Hank Williams, Dolly Parton und Co ständig in Bewegung.
Doch auch die weniger bewegungsfreudigen Besucher konnten sich über Langeweile nicht beklagen. "Das Tanzen überlassen wir lieber den Line-Dancern, die machen das wirklich toll", meinten etwa Sina und Klaus Mänkel mit Blick auf den Auftritt der Tanzgruppe "Cook-A-Hoop", die sich im Cowboy-Outfit zu waschechten Countryklängen über die Bühne bewegten. Ohnehin seien sei nur zufällig in Spradow gelandet, erklärte das Ehepaar: "Wir sind mit dem Rad vorbei gekommen, haben das Treiben gesehen und spontan entschlossen, hier zu bleiben."
Das freute auch den gastgebenden Förderverein "Spradow 2000", der sich alle Mühe gegeben hatte, die neunte Auflage des Country- und Westernabends zu einer gelungenen Veranstaltung zu machen. Mit Erfolg, wie die Organisatoren bilanzierten. "Das tolle Wetter spielt uns natürlich in die Karten", sagte Geschäftsführer Walter Holthaus, "dennoch ist es bemerkenswert, dass immer wieder so viele Menschen aus ganz Bünde den Weg nach Spradow finden". Für die rund 70 Helfer, so Holthaus weiter, sei das eine deutliche Bestätigung ihrer ehrenamtlichen Arbeit.
Als die Sonne langsam unterging und sich laue Abendstimmung im Schatten der Christuskirche breit machte, sorgten die verantwortlichen schließlich für recht und Ordnung in ihrer Western-Metropole. Zwar ohne rauchenden Colt, dafür aber mit breitkrempigem Hut und glänzendem Stern wurde Bürgermeister Wolfgang Koch zum Dorf-Sheriff ernannt. "Das Bonus-Team soll dadurch nicht überflüssig gemacht werden, aber vielleicht lässt sich die ein oder andere Entscheidung nun leichter im Rat umsetzen", erklärte der Fördervereinsvorsitzende Karl Heinz Uthoff, der kurzfristig zum Hilfs-Sheriff ernannt wurde, mit einem Augenzwinkern.
Koch selbst nahm die Auszeichnung erfreut entgegen, schließlich sei er immer ein großer Karl May- und Lucky Luke-Fan gewesen. Vor allem aber freute sich das Stadtoberhaupt über die Veranstaltung selbst. "Das ist ein ganz toller Beitrag, ein tolles Ereignis für alle hier in Spradow", so Koch.
Die Besucher sahen das offenbar ähnlich: Gesellig und gut gelaunt ließen sie ihren Westernabend bei kühlen Getränken und Grillgut erst zu später Stunde ausklingen.