Bünde. Das Goldene Buch der Stadt Bünde ist eigentlich braun. Seit gestern aber erstrahlt es unabhängig von der Farbe auch in olympischem Glanz. Denn mit Sebastian Dietz und Maike Naomi Schnittger trugen sich zwei Sportler darin ein, die jüngst bei den Paralympics in London für einiges Aufsehen gesorgt hatten.
Diskuswerfer Sebastian Dietz hatte auch seine Goldmedaille mitgebracht, die er in einem packenden Wettkampf gewonnen hatte. "Wir hatten uns wenige Tage vor dem Wettkampf noch getroffen und er sagte mir, dass er die Weite für eine Medaille wohl durchaus drin hat, aber nicht wisse, ob das Nervenkostüm vor einer so herausragenden Kulisse hält", berichtete Bündes Bürgermeister Wolfgang Koch, der selbst mit einer Delegation der Schwimmabteilung der TG Ennigloh einige Tage in der britischen Hauptstadt verbracht hatte. Bekanntlich bewies Dietz dann genau die Nervenstärke, die sein Heimtrainer Alexander Holstein schon vorher als einen seiner großen Vorzüge herausgestellt hatte. Der 27-Jährige legte im ersten Durchgang vor und konterte zwischenzeitlich weitere Würfe der ärgsten Konkurrenten umgehend im dritten Versuch. Schließlich gewann er den Wettbewerb mit 65 Zentimetern Vorsprung. "Ich habe den ganzen Wettkampf mit einem Diskus durchgeworfen. Das ist nicht immer so. Manchmal fühle ich mich zwischendurch mit einer Scheibe unwohl. Ich wechsele sie dann – und ärgere mich danach manchmal auch", plauderte Dietz aus dem Nähkästchen.
Einen Sieg über sich selbst hatte es schon im Vorfeld der Spiele für die junge Schwimmerin Maike Naomi Schnittger gegeben. Auch ihr wurden Chancen auf Edelmetall eingeräumt, obwohl sie im Frühjahr durch Pfeiffersches Drüsenfieber zurückgeworfen worden war. Drei Wochen vor Beginn der Paralympics musste sie sich dann im Trainingslager wegen eines Blinddarmdurchbruchs einer sofortigen Operation unterziehen. Trotzdem trat Maike Naomi Schnittger in London an und schwamm in zwei Endläufen, ehe sie auf Anraten der Trainer und Ärzte auf weitere Starts verzichtete. "Jetzt geht es an ein neues Ziel, 2016 in Rio", meinte Bürgermeister Koch, und die junge Sportlerin entgegnete in ihrer gewohnt positiven Art: "Ich werde mich anstrengen."
Letztlich unterstrich Koch in seiner Laudatio noch einmal den gesellschaftlichen Stellenwert der sportlichen Erfolge des Duos: "In einer Zeit, in der ja auch das Thema Inklusion ein ganz aktuelles ist, haben sie beide etwas geschafft, was mehr bewirken kann als die Politik im Alltag. Ihre Leistung geht weit über das Sportliche hinaus und ist vorbildlich – gerade auch für andere Menschen, die mit Behinderungen leben müssen."