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23.11.2012
Enger
Die Kammerbeste plant weiter
Julia Muc liebt ihren Job als Bauzeichnerin - und gibt ihren Chefs trotzdem einen Korb
VON MARTINA CHUDZICKI

Stolze Chefs und eine rundum zufriedene Auszubildende | FOTO: MARTINA CHUDZICKI

Enger. Dass sie ihren Traumjob gefunden hat, war eher ein Zufall. Durch einen Zeitungsartikel stieß Julia Muc auf den Beruf der Bauzeichnerin. Wenig später trat die Bielefelder Abiturientin ihre Ausbildung im Engeraner Ingenieurbüro Bockermann und Fritze an. Und beendete ihre Lehre jetzt als Beste im gesamten Kammerbezirk Ostwestfalen.

So wie seinerzeit Julia Muc geht es vielen jungen Menschen auf der Suche nach einer passenden Ausbildung. Was ein KFZ-Mechaniker macht oder eine Friseurin, wissen die meisten. Wie der Arbeitsalltag eines Bauzeichners aussieht, kann sich dagegen kaum jemand vorstellen.

Info

Chance für den Nachwuchs

Bei der Firma Bockermann Fritze Ingenieur Consult arbeiten zur Zeit 66 Beschäftigte.
Jedes Jahr stellt die Firma ein bis zwei Auszubildende neu ein, insgesamt sind es derzeit fünf.
Alle Auszubildenden werden in der Regel übernommen. "Wir brauchen immer gute Bauzeichner," sagt Klaus Bockermann.
Im kommenden Jahr stehen wieder zwei Ausbildungsplätze zur Verfügung. Interessenten können sich ab sofort in der Firma melden.
Neben mathematisch-technischem Interesse sollten die Bewerber möglichst die Fachhochschulreife mitbringen. (maw)

"Dieser Job gehört definitiv nicht zu den Top Ten der Ausbildungsberufe," bedauert Dr. Klaus Bockermann, einer der drei Geschäftsführer der Bockermann Fritze Ingenieur Consult. Dabei, so weiß auch Julia Muc nach drei Jahren Lehre, sei dieser Beruf spannend, vielseitig und - unentbehrlich. "Ohne Bauzeichner wären Ingenieure und Architekten aufgeschmissen," sagt Bockermann. "Sie setzen die Ideen der Ingenieure in Pläne und Zeichnungen um und vermitteln dem Auftraggeber so eine Vorstellung des Projektes." Das ist eine kreative Arbeit, die gleichwohl gute mathematisch-technische sowie EDV-Kenntnisse voraussetzt. Denn am Zeichenbrett stehen Bauzeichner heute nicht mehr. Ihr Arbeitsplatz ist am Computer. Und vor allem während der Ausbildung auch schon mal auf der Baustelle. Trotzdem ist der Beruf eher "weiblich", denn die meisten Azubis sind Frauen.


Geschäftsführer Ralf Fritze vermutet, dass der geringe Bekanntheitsgrad des Berufs unter anderem am "angestaubten Image" des Baugewerbes generell liegt. "Baustellen sind in der Wahrnehmung vieler zunächst einmal nur nervig und darum eher negativ besetzt," sagt er. Dabei gebe es beim Bauen viele spannende Aspekte, die von außen nicht wahrgenommen würden. Als Bauzeichner arbeite man ganzheitlich, vom Entwurf bis zur Realisierung werde das Bauprojekt begleitet. "Und es macht viele junge Menschen sehr stolz zu sehen, dass das, was sie mitgeplant haben, in der Realität gut funktioniert."

Die Möglichkeit, in dem Engeraner Betrieb eigenständig in verschiedenen Bereichen arbeiten zu können, hat Julia Muc zu Höchstleistungen motiviert. Dass sie Kammerbeste bei den Bauzeichnern ist, macht auch ihre beiden Chefs stolz. Trotzdem werden sie ihre Vorzeige-Auszubildende - "eine der Besten der letzten Jahre" - ziehen lassen (müssen). Julia Muc plant ein Ingenieurstudium.
Das, so sagt Klaus Bockermann, komme nicht selten vor bei den Azubis der Firma. "Wir versuchen dann mit verschiedenen Angeboten die Verbindung zu ihnen zu halten und sie nach dem Studium zu uns zurückzuholen."



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