Kreis Herford. Größer könnte der Gegensatz zwischen handverputzten Wänden, uralten freiliegenden Balken, die Dach und Wände tragen, und der ausgestellten Kunst kaum sein. Ein überlebensgroßer Papst segnet Volk, Videos dokumentieren in Zeitschleifen das Vergehen der Zeit, eine Installation geht der Frage nach, warum in vielen Zeitungen immer wieder dieselben Bilder verwendet werden.
"Art in the Livingroom - Kunst im Wohnzimmer" nannte sich die dreitägige Ausstellung, die Maiko Sugano in ihrem Wohnzimmer in einem der ältesten Häuser Herfords am Neuen Markt organisiert hatte. Die japanische Künstlerin nutzt ein Praktikum im MARTa, um Kontakte zu Künstlern, Initiativen und Projekten zu finden und eigene Arbeiten zu zeigen.
Stimmungen und Gedanken notiert sie nicht auf Papier, sondern schnitzt sie in Seifenstücke. "Seifentagebuch" nennt sie ihre Arbeit, die natürlich im Bad gezeigt wurden. Alte Mäntel werden zum "Wandernden Berg", ein ausgehöhlter Baumstamm zum "pflanzlichen Vogel".
Die Düsseldorfer Künstlerin Gabriele Horndasch zeigte zwei Videoschleifen, bei der Ringe von Autofelgen an eine Wand gehängt werden. Ein geworfener Pfeil entscheidet über Reihenfolge . Eine Wand hat das Seitenverhältnis 4:3 (altes TV-Format), die andere das Verhältnis 16 : 9 (heute übliches TV-Format). "Es geht um die Frage, wie sich der ästhetische Eindruck durch die Veränderung der Proportionen verändert", erklärt die Künstlerin. Ebenfalls eine Videoarbeit war vom polnischen Künstler Marcin Kowalik zu sehen, der aus seinen gemalten Bildern animierte Videos macht.
Der Herforder Künstler Weizenfeld arbeitet neuerdings mit Motoröl auf Leinwand oder Papier. So entstanden der das deutsche Volk segnende Johannes Paul und ein Porträt seiner Mutter. Das gebrauchte Motoröl trocknet nur langsam. Während des Trocknungsprozesses verändern sich die Bilder ständig, scheinen allmählich zu verschwinden.
Ebenfalls in Herford arbeitet Susanne Albrecht. "Pictures without Sound" heißt ihre Installation, die sich damit auseinandersetzt, dass in den Zeitungen immer gleiche "schöne" Bilder verwendet werden, die nur Illustration sind, weder dokumentieren oder erklären, eben keinerlei störende Geräusche verbreiten.