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13.11.2012
Herford
Stadtsport-Chef nimmt kein Blatt vor den Mund
Stimmen zur verweigerten Auszeichnung für Sebastian Dietzv
VON WALTER DOLLENDORF UND MEIKO HASELHORST

Ehrung der Herforder Briten | FOTOS: KIEL-STEINKAMP

Herford. Hans-Joachim Zedler hat eine entspannte Bürgerreise ins türkische Manavgat hinter sich. Doch kaum war der Vorsitzende des Herforder Stadtsportverbandes (SSV) wieder zu Hause, ärgerte er sich. "Es regt mich maßlos auf, dass Sebastian Dietz das Silberne Lorbeerblatt nicht bekommen hat", sagte Zedler gestern.

Wie berichtet, fehlte der Paralympics-Goldmedaillengewinner im Diskuswurf in Berlin, als Bundespräsident Joachim Gauck am vergangenen Mittwoch die höchste staatliche Auszeichnung an deutsche Spitzensportler überreichte. Dietz, der zweimal von einem deutschen Gericht verurteilt worden ist, erfülle nicht die charakterliche Vorbildfunktion, hieß es in der Begründung des Bundespräsidialamtes. "Ich hätte erwartet, dass man über einen jungen Menschen, der die Goldmedaille für Deutschland geholt hat, schützend die Hand hält. Sebastian Dietz hat seine Strafe erhalten. Dass ein solcher Sportler nun noch einmal verurteilt und vom Sockel gestoßen wird, ist für mich nicht akzeptabel", sagt der SSV-Vorsitzende. Der Stadtsportverband hält nach Zedlers Worten an den Plänen fest, die Sportgala am 18. Januar unter das Motto der Paralympics zu stellen.


"Sebastian Dietz wird Sportler des Jahres in der Stadt Herford, und dabei bleibt es nach Lage der Dinge auch", sagt Zedler. Auf ein von Zedler angestoßenes Projekt zur Förderung von behinderten Leistungssportlern hat sich der Fall bereits negativ ausgewirkt: Ein Sponsor sei abgesprungen und wolle das Geld nun lieber der Lebenshilfe spenden.

Marketa Marzoli, Pressesprecherin des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), der Sebastian Dietz für die Auszeichnung vorgeschlagen hatte, wusste bis gestern nichts von dem Eklat und war dementsprechend überrascht. "Das finde ich jetzt sehr schade, ich habe Sebastian in London persönlich kennengelernt und fand ihn geradezu entzückend", so die Sprecherin. Sehr freundlich und kooperativ sei er gewesen, habe viele Termine akzeptiert und Interviews gemacht.

DBS-Sportdirektor Frank-Thomas Hartleb findet die Entscheidung des Bundespräsidialamtes "sehr bedauerlich". Man müsse die Regularien allerdings akzeptieren und werde "jetzt nicht "nochmal intervenieren". Es sei nicht das erste Mal, dass einem Sportler das widerfahre, sagte Hartleb.

Ein Sprecher des Bundespräsidialamtes erklärte gestern auf Anfrage der NW: "Eine charakterliche Voraussetzung muss gegeben sein, eine Vorbestrafung ist da nur ein Kriterium." Ferner werde geschaut, wie schwer ein eventuelles Vergehen war, ob es Geschädigte gibt und wie sich der Vorbestrafte in der Öffenlichkeit dazu äußert.

Der Sprecher konnte nicht sagen, welches Ausschlusskriterium bei Dietz letztlich gegriffen hat.

"Wenn der Sportler 2016 wieder Gold gewinnt, werden die Karten neu gemischt – er kann die Auszeichnung des Silbernen Lorbeerblattes auch dann noch bekommen."

Bürgermeister Bruno Wollbrink war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Statt seiner schreibt Stadtsprecher René Schilling: "Die Stadt Herford hat Sebastian Dietz für seine Leistungen bei den Paralympics in London geehrt. Die Auszeichnung mit dem Silbernen Lorbeerblatt, der höchsten Auszeichnung des Bundes für verdiente Sportler, erfolgt nach anderen Kriterien. Das ist zu akzeptieren und entzieht sich unserer Beurteilung."

Überwiegend Unverständnis für die Entscheidung des Bundespräsidialamtes wird auf dem Facebook-Auftritt der HerforderNW-Lokalredaktion deutlich. Dort schreibt Tanja Schatzislückchen: "Er ist auch nur ein Mensch und steht zu seinen Fehlern. Aber unsere Sesselfreaks machen ja nie was falsch." Ramona Foerster ergänzt: "Aber die Obergurus, die ganz oben sitzen und Dreck am Stecken haben, dürfen weiter machen und sich schön die Kohle einstecken." Christopher Schmidt ist anderer Meinung: "Das ist die ganz normale Praxis, daher erkenne ich da jetzt keinen Grund, warum das so gepusht wird."

Kommentare
Einer hier lag auf der Richtigen Spur: Wulff, Kohl und Schäuble erwähnen ist ja OK, aber was ist mit den aderen Schurken? Ach der doch so liebe Kanlerkandidat derSPD-ist dass nicht die Spitze des Eisberges? Warum wohl ist die CDU, die doch das C, wie auch die CSU, als Christlich in ihren Namen führt? Der jetzige Bundespräsident Gauck hatt sich doch seit Jahren selbst mt Schmutz beworfen. Warum wohl verläst er sein Pastoralamt?-Gier nd Geltungssucht sind hier die Gründe. Menschlichkei: völlig fehl am Platze.
Der Herr Dietz muß sich einmal überlegen, ob erseinen Stolz und Respekt diesen Herren wegen einer Billigkeit opfern will? Ohne habe ich sehr mehr Respekt vor ihn. Der ganze Bundestag ist doch ein Haufen armer Kreaturen, die nur eines kennen, sich selbst an unseren Besitz zu berreichern! Das gehen eizelne Abgeordnete zur Abstimmung, wegen des Fraktionszwang,nicht gegen Ihr Gewissen allein handeln sie, sondern auch gegen bestehendes Recht, darüber sollten Sie mal nachdenken. Wenn ich an Graf Lamdorf denke, der als Vorbestrafter dies völlig ausblendete, dann mölchte ich von diesen hrren keine Hand, den Dreck finde ich überall.
Es kommt die Zeit, wo diejetigen Schläfer wach werden, dann haben wir auch dn Anfang ener begründeten Revolution. LG M d S

Herr Zedler sollte sich nicht aufregen, sondern vielmehr die Richtigkeit der Entscheidung loben. Im übrigen, gibt es wichtigere Probleme in unserem Lande, z. B. die Verarmung vieler Mitbürger.

Die Entscheidung des Bundespräsidenten ist richtig, denn Sportler, insbesondere Goldmedaillengewinner, müssen Vorbild für alle Jugendlichen sein.

@ K-H. Hirschfelder:

Mir ist ein männlicher Mitbürger persönlich bekannt, der im Jahr 2009 mitten in der Nacht auf einen durch Unfallfolge brennenden Pkw stieß. Er setzte einen zügigen Notruf ab und begab sich an die völlig selbstlose Rettung eines damals 47-jährigen Familienvaters, seiner 43-jährigen Frau und dem hinten im Kindersitz befindlichen 2,5-jährigen Sohn. Er hat sie alle heraus bekommen, allen geht es heute wieder gut. Das Auto stand 20 Minuten später im Vollbrand, da wäre ohne Rettung niemand lebend heraus gekommen.

Und jetzt kommt es: Glauben Sie mal nicht, das dieser rettende Mann mal a) irgendwo positiv erwähnt wurde und b) geschweige denn für eine Ehrung o.dgl. vorgesehen war.

Das ist NRW und das ist BRD. Offenbar durchaus gängige Praxis. Schändlich so etwas!

Recht hat die NW-Redakteurin und da fallen mir ganz schnell die Namen Kohl, Schäuble und Wulff ein. Auch die persönliche Wertevorstellung des amtierenden Bundespräsidenten kann im eigenen Fall nicht als vorbildlich dargestellt werden. Herr Zedler streitet für einen erfolgreichen Sportler, der als noch so junger Mensch eine weitere Chance verdient hat, die ihn erst recht zum Vorbild werden lässt. Das Bundespräsidialamt hat sich in der jüngsten Vergangenheit wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert!


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