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27.11.2012
Herford
Sichere Sache für Platzhirsche
Warum es kaum Bewegung bei der Auswahl der Weihnachtslicht-Budenwirte gibt
VON THOMAS HAGEN

Herford. Seit den Sechzigern leuchtet in der Innenstadt zuverlässig das Weihnachtslicht. Aus der Initiative eines Kaufmanns wuchs ein Weihnachtsmarkt, der nun alle Plätze der Stadt bespielt – und vielen Gewerbetreibenden eine ebenso lukrative wie anstrengende wirtschaftliche Basis bietet.

Wer das Weihnachtslicht über die Jahre beobachtet hat, weiß, dass man mit fast absoluter Sicherheit auf stets die gleichen Marktbeschicker trifft. Warum das so ist, darüber sprach die Neue Westfälische mit Frank Hölscher, dem Geschäftsführer der Stadtmarketing-Agentur Pro Herford. Sie ist im Auftrag des ausrichtenden Verkehrsvereins mit seinem Vorsitzenden Manfred Schürkamp für die Durchführung des Weihnachtslichtes verantwortlich.


Nach welchen Kriterien werden also die Stände vergeben? "Wir handeln zuerst nach der Prämisse: Bekannt und bewährt. Gute Leistungen, eine ansehnliche Präsentation und Kundenfreundlichkeit des Personals werden belohnt", beschreibt Hölscher die Vorgehensweise. Grundlage bei der Standvergabe sei die Satzung des Verkehrsvereins.

Verantwortlich für die Vergabe ist der gleichnamige Ausschuss, der die Standflächen mit reichlich Vorlaufzeit verteilt. Er wählt auch neue Standflächen aus (wie zum Beispiel am Fürstenauplatz). "Bei den Standgebühren unterscheiden wir zwischen den Kategorien 1 bis 3. Der Alte Markt ist klar erste Kategorie, der Gänsemarkt liegt im Bereich 3", sagt Hölscher.

Ob und wie das Weihnachtslicht aufgebaut werden kann, darüber entscheidet wiederum die Ordnungsbehörde der Stadt. An die Stadt gehen in diesem Jahr 9.800 Euro für die Nutzung der innerstädtischen Flächen durch die 60 Budenbetreiber und Fahrgeschäfte.

Der Glühweinausschank auf dem Alten Markt kostet den Budenwirt auf dem teuersten Platz anno 2012 3.676 Euro, auf dem Gänsemarkt ist der Tarif mit 2.545 Euro deutlich günstiger, auf dem Münsterkirchplatz noch niedriger. Die Umsätze liegen auch weit auseinander. "Im Gegensatz zum Hoeker-Fest ist das Weihnachtslicht schaustellerorientiert", sagt Hölscher. Und das sei quasi ein Erbhof.

"Eingearbeitete Nachfolger aus den Schaustellerfamilien haben es generell einfacher als Neubewerber. Das ist so etwas wie ein ungeschriebenes Gesetz", sagt Hölscher. Angestammte Plätze würde kein Schausteller gern tatenlos hergeben. "Aber um es gleich zu sagen: Manipulationen bei der Vergabe schließe ich kategorisch aus. Die Pro Herford wählt die Stände streng nach Qualitätskriterien aus."

Die Hygiene an den Ständen wird vom Veterinäramt des Kreises überprüft. Ob die Stände sicher sind, Abstände zur Wohnbebauung stimmen und Feuerwände aufgebaut sind, das überprüfen Bauamt und Feuerwehr.


ZWISCHENRUF: Öffnung – für Ideen und Neubewerber


Es ist also doch wahr: Der Zirkel der Marktbeschicker ist nicht sehr offen für Neue(s) von außerhalb. Im Falle des Weihnachtslichtes ist es fast wie im Mittelalter, als das Lehen ohne Zeitbegrenzung vom Lehensherrn vergeben wurde.

Die Philosophie "Bekannt und bewährt" ist sicherlich vertretbar, birgt jedoch wenig Raum für Neuerungen. Die braucht man aber in unserer nach Veränderungen strebenden Zeit. Eine davon wäre sicherlich ein neuerliches Nachdenken über einen Standortwechsel hin zum zentralen Weihnachtsmarkt auf Rathaus- und Münsterkirchplatz.

Wir müssen weg von der Praxis, dass Söhne und Töchter alteingesessener Familien bevorzugt bei der Standvergabe behandelt werden. Frisches Blut tut auch in Herford gut.thomas.hagen@
ihr-kommentar.de



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