Wollbrink gewinnt mit fast 53 Prozent / Herausforderer Paul Bischof (CDU) unterliegt mit 31 Prozent
Herford. Schon um kurz nach 19 Uhr hatten die ersten gejubelt, als die ersten Ergebnisse der Stimmbezirke auf der Leinwand im Rathaus gezeigt wurden. Noch trauten die vielen Bruno-Anhänger, die gekommen waren, um den Wahlkrimi zu verfolgen, ihren Augen nicht. Aber die Tendenz hielt: Bruno Wollbrink ist erneut zum Bürgermeister von Herford gewählt worden. Und das mit einem Vorsprung von gut 20 Prozent vor seinem Herausforderer Paul Bischof (CDU).
Von "Bruno mittendrin" war zu diesem Zeitpunkt noch nichts zu sehen. Er hatte sich in sein Bürgermeisterbüro zurückgezogen, um den Wahlverlauf mit engsten Vertrauten zu verfolgen.
Erst gegen 20.15 Uhr, als die meisten Wahlbezirke ausgezählt waren und nichts mehr schief gehen konnte, betrat er das Foyer unter nicht enden wollendem Applaus der etwa 250 Anwesenden. Sichtlich bewegt sagte er: "Ich freue mich über diesen Vertrauensbeweis. Ich werde alles tun, um dem Rechnung zu tragen." Doch er wäre nicht Bruno mittendrin, wenn er nicht sofort auch seine Unterstützer bedacht hätte: "Es ist mir wichtig, Danke zu sagen den vielen, die mich unterstützt haben – der Initiative, der Partei, meiner Familie und meinen engsten Mitarbeitern im Rathaus. Allein ist man nichts", betonte der frisch gewählte Bürgermeister. Und: "Ich freue mich auch, dass ich sie nicht enttäuscht habe."
Natürlich habe er gehofft, dass er es ein zweites Mal schaffe. Aber mit einem derart deutlichen Ergebnis habe er nicht zu rechnen gewagt. "Das stärkt mir natürlich den Rücken." Mit absoluter Mehrheit gewählt zu sein, bedeute jedoch auch "noch mehr Verantwortung". Dessen sei er sich bewusst. Bei der Wahl 2004 war noch eine Stichwahl gegen Thomas Gabriel (CDU) nötig gewesen, um die Wahl zu entscheiden.
Noch unter dem Jubel der Bruno-Anhänger war Herbert Even der erste, der sich einen Weg durch die Menge bahnte, um dem wiedergewählten Bürgermeister zu gratulieren. Der grüne Bürgermeisterkandidat erhielt 7,7 Prozent und konnte damit zwei Prozent im Vergleich zu 2004 zulegen. Lothar Wienböker (FDP) erhielt fast genauso viele Stimmen wie vor fünf Jahren. Heinz-Günther Scheffer (Liste 2004), der erstmals für das Bürgermeisteramt antrat, erreichte 3,1 Prozent.
Anders sieht es im künftigen Rat aus: Die CDU bleibt stärkste Fraktion, hat etwa drei Prozent verloren, die SPD muss sich mit zwei Prozent weniger zufrieden geben ebenso wie die Liste 2004. Die FDP bleibt wie ihr Bürgermeisterkandidat mit etwa 8,5 Prozent konstant.
Gewinner der Ratswahl sind die Bündnisgrünen, die knapp zwei Prozent zulegten und ihr bestes Ergebnis überhaupt in Herford einfuhren –, und zwei Neulinge: Die Linke schaffte im ersten Anlauf 4,4 Prozent und auch die "Bürger für Herford" werden mit 1,5 Prozent künftig eine Stimme im Stadtrat haben.
Bürgermeister Bruno Wollbrink nahm es gestern gelassen, hofft aber, dass die Parteien im Rat seine Wiederwahl mit 52,9 Prozent der Stimmen bei ihren künftigen politischen Entscheidungen zur Kenntnis nehmen werden.