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31.07.2012
BÜNDE/KIRCHLENGERN
Drei Chihuahuas in Not
Tierschützer retten Hunde aus verwahrlostem Haus in Kirchlengern
VON KATY HACKEL

Das einzige Foto zusammen | FOTO: TIERHEIM

Bünde/Kirchlengern. Drei kleine Hunde liegen eng zusammen gekuschelt und blinzeln in die Sonne. "Schön ist das Leben", scheinen sie zu denken und das haben sich die Chihuahuas endlich verdient. Denn Shila, Shirley und Samson sind durch die Hölle gegangen. Tierschützer retteten sie kürzlich aus einem total verwahrlosten Haus.

"Es war einfach schrecklich", erinnert sich Peter Rose vom Tierschutzverein Herford. Nach einem Notruf über die Kreisleitstelle der Feuerwehr eilte er zusammen mit Renate Siekkötter, der 1. Vorsitzenden vom Tierschutzverein, zu einem Haus in Kirchlengern. Nach Angaben des Kreises hatte dort eine Person gesundheitliche Probleme und den Notarzt gerufen. Der kam und half, schaltete gleichzeitig aber auch das Veterinäramt ein.

"In der Wohnung lebten Tiere in katastrophalen Zuständen", sagt Reinhard Zwingelberg. Und der Halter war dem Amtstierarzt wohlbekannt: "Die Tierhaltung des älteren Mannes war früher schon Gegenstand der Ermittlungen." Er hatte eine Chihuahua-Zucht und zu Hochzeiten bis zu 15 Hunde dieser Rasse in der Wohnung gehabt. Zusätzlich pflegte er noch Kaninchen und Geflügel hinter dem Haus. "Durch familiäre Schwierigkeiten konnte sich der Mann irgendwann nicht mehr ausreichend um die Tiere kümmern", sagt Klingenberg. "Deshalb bekam er schon vor Jahren die Anordnung, den Bestand zu reduzieren."

Kaninchen und Geflügel gab der Mann darauf relativ einsichtig ab. Auch von zehn Hunden trennte er sich. Vier Chihuahuas durfte der Kirchlengeraner behalten. "Sie waren schon zehn Jahre alt", erklärt Klingenberg, hätten sich zu sehr an ihren Halter, die Artgenossen und die Umgebung gewöhnt. "Darum haben wir entschieden, sie in der Wohnung zu belassen", sagt der Amtstierarzt. Ihre Haltung wurde seither engmaschig und unangekündigt kontrolliert. "Sie ist tolerabel", hieß immer der Befund. Bis jetzt.

"Wir standen in einer Wohnung, die völlig verwahrlost war", sagt Siekkötter. "Ich habe schon viel gesehen, aber das war mit Abstand das Schlimmste." Fußboden, Polstermöbel und Tische waren mit Kot, Urin und Erbrochenem, vergammelten Speiseresten, Zigarettenkippen und Müll bedeckt. "Nach den Tieren mussten wir suchen", sagt Rose. Als er einen Sessel zur Seite schob, entdeckte er einen kleinen weißen Hund – leider schon tot. Dann sah Rose in der Ecke einen kleinen schwarzen Hund. Als er näher kam, schnappte der und rannte weg. "Wir mussten uns beeilen", sagt Rose, "weil eine solche Aktion besonders für ältere Tiere sehr aufregend ist." Also fingen die Tierschützer die völlig scheuen Hunde mit dem Kescher ein: zuerst den schwarzen mit heller Schnauze – Shirley, dann den hellen mit dunklen Flecken – Shila, zum Schluss den Schüchtersten – Samson. Im Bünder Tierheim angekommen, wurden die drei untersucht. "Die Tiere waren in einem erbarmungswürdigen Pflegezustand", sagt Siekkötter. "Sie waren völlig traumatisiert, hatten die Sonne monatelang nicht mehr gesehen." Die folgenden Wochen waren schwer für das Tierheimpersonal. "Sobald die Chihuahuas einen Menschen sahen, stellten sie sich tot", sagt Siekötter. "Wir mussten ihr Vertrauen zu Menschen wieder aufbauen, uns mit Geduld Zentimeter für Zentimeter an sie heran arbeiten."

Und die Arbeit hat sich gelohnt. Shila und Samson tollen heute über die Wiese und wedeln freudig mit den Schwänzen, wenn ein Pfleger kommt. Shirley hat sogar schon ein neues Zuhause gefunden. Sie wurde von einem erfahrenen Frauchen adoptiert. "Sie berichtet uns regelmäßig von den Fortschritten, die die Hündin macht", sagt Siekkötter. Shirley ließe sich mittlerweile gerne streicheln, höre auf ihren Namen und sei stubenrein.

Kommentare
Danke für diesen Bericht, der jedem Tierfreund ans Herz geht. Wie (sozial) verwahrlost muss ein Mensch sein, wenn er so mit Tieren umgeht? In einer "normalen" Situation passiert doch so etwas nicht. Es scheinen bei dem älteren Mann viele verschiedene Probleme zusammengekommen zu sein. Die Wohnung war - wie Sie schon schreiben- in einem katastrophalen Zustand. Vermutlich gab/ gibt es auch finanzielle Probleme. Vermutlich ist der Mann isoliert und vereinsamt - Sie schreiben von familiären Problemen - und hat sein gesamtes Leben nicht im Griff. Wäre er integriert, wären die Probleme früher jemandem aufgefallen und das weiße Hündchen wäre nicht als Kadaver unter einem Sessel gefunden worden. Wenn man den Umgang mit Tieren beobachtet, kann man viel über den äußeren wie auch den inneren geistigen und moralischen Zustand eines Menschen erfahren. Es ist wichtig, die Augen offenzuhalten, um früher einschreiten zu könne, um solche Dramen zu vermeiden. Es ist wichtig, auf Menschen zuzugehen und nicht bis zuletzt zu warten. Ich finde, dass Tiere wundervolle Begleiter für uns Menschen sind. Es wäre wichtig, dass bereits in Schulen an die Erfordernisse einer tiergerechten Haltung herangeführt würde (in Form von Projekten vielleicht...) und vermittelt würde, dass man sich für die Menschen und die Tiere in seiner Umgebung interessieren sollte. Es ist sehr schlimm, wie viele Tiere zur Urlaubszeit ausgesetzt und beseitigt werden und wie viele traurige Hunde, Katzen und Kleintiere in Tierheimen verkümmern.

Tja, leider absolut kein Einzelfall. Falsch verstandene Tierliebe ist mirlerweile eine regelrechte Vokskrankheit.
Ich kann mich noch gut an unsere ehem. Vermieter erinnern - ein Rentnerehepaar aus Herford. Wer es nicht erlebt hat glaubt es nicht. Die Tiere (mehrere kleine Hunde) lagen beim Abendessen/ Mittag auf dem Küchentisch und fraßen aus Topf und Teller mit. Neben Hundefutter und Unmengen Hundeleckerchen gab es täglich Unmengen Menschen-essen für die Tiere im 20Min. Takt. Folge: Die Tiere erbrachen und Koteten sich mit Durchfall je bis zu 20x am Tag ein. Und das auch noch in der Wohnung, dafür wurden dann spezielle Matten bereit gestellt, die natürlich Ihre Wirkung verfehlten - keine Ecke die nicht zugepiselt oder eingekotet war. Zwar wurden die Hinterlassenschaften je wieder entfernt aber das bekommt man ja auf Dauer nicht mehr aus Polstern Teppichen Möbeln und Fußböden raus. Ein unerträglicher Gestank in der Bude. Wurde aber alles als ganz normal angesehen, wurde als niedlich empfunden. Man lebte gerne unter bez. in diesen Zuständen. Die Tiere wurden dann unter riesen Therater dort entfernt und einem TA vorgeführt, welcher die Hände über dem Kopf zusammenschlug. Eingeschläfert werden mussten die Tiere nicht. Jedoch sind massive Verhaltensstörungen und gesundheitliche Schäden geblieben. Kein schönes Hundeleben. Die Leute müssen endlich verstehen das Tiere kein Spielzeug sind. So ein Tier hat man 10-20 Jahre. Viele Tiere sind in einem Alter von 2-4 Jahren schon so kaputt gemacht worden das die Genadenspritze echt humaner wäre.



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